Verdienst als Texter – wie gehe ich vor?

Neuling in der Texterbranche? Hier erfahren Sie alles Wichtige für einen guten Start.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten viele Leser dieses Fenster unverzüglich wieder geschlossen, hätte bereits die Überschrift „Geld im Internet verdienen, mindestens 2.000 Euro monatlich“ geheißen. Denn dass derartige Versprechungen illusorisch sind und die Anbieter dementsprechend unseriös, haben glücklicherweise immer mehr Menschen verinnerlicht. Sei es durch genaues Studieren von AGB und Erfahrungsberichten anderer Menschen oder erst doch schmerzliche, persönliche Erfahrungen. Es ist also nicht verwunderlich, wieso das Thema „Geld verdienen im Internet“ oft argwöhnisch betrachtet und nicht ernst genommen wird. Bei obigem Beispiel ist das vollkommen richtig so. Dennoch sollte alle Vorsicht nicht den Blick für faire Angebote trüben.

Eine Möglichkeit, sich einen zusätzlichen Verdienst aufzubauen, ist die Texterbranche. Die wichtigsten Werkzeuge des Texters sind ein internetfähiger Computer und sein Kopf. Wozu sollte man zum Verfassen von Artikeln von morgens bis abends in einem Firmenbüro sitzen? Das trägt nicht zur Qualität des Ergebnisses bei und kann sogar die Kreativität einschränken. Das Internet dient somit vielmehr als Plattform zur Auftragsbeschaffung und Übermittlung, nicht als Arbeitsplatz. Denn diesen können Sie sich frei wählen. Alles was zählt, ist, dass Sie Ihre Arbeit fristgerecht und unter Erfüllung der vereinbarten Modalitäten abliefern.

Das klingt verlockend und texten kann fast jeder, der Grammatik und Rechtschreibung beherrscht, sich gekonnt auszudrücken weiß und über Wissen in diversen Fachgebieten verfügt – oder es nicht scheut, sich dieses durch Recherche anzueignen. Ab hier hängt es jedoch von Ihren Qualitäten ab, was Sie erreichen können. Beim Berufsbild des Texters handelt es sich um keinen klassischen Ausbildungsberuf, wenngleich es diverse Lehrgänge zu diesem Thema gibt. Auch ein Studium im Bereich kann, muss aber nicht behilflich sein.

Wie fange ich an?

Ihr Computer oder Laptop mit Internetzugang läuft? Sie sind motiviert und konzentriert? Dann kann es losgehen. Besonders für Neueinsteiger eignen sich Auftragsbörsen wie Textbroker.de. Hier melden Sie sich mit Ihren korrekten Daten an und verfassen einen Probetext. Nachdem dieser angenommen wurde, können Sie sich jeweils nach Kategorien und Qualitätseinstufen Ihres Probetextes Aufträge aussuchen und bearbeiten. Die Vergütung erfolgt mit Abnahme der Texte durch den Kunden, ausgezahlt wird zuverlässig einmal im Monat. In der niedersten Qualitätskategorie wird Ihnen ein 250-Wörter-Text mit etwa 1,75 Euro bezahlt, im Mittelfeld erhalten Sie 2,25 Euro und als guter Schreiber 3 Euro – Löhne, die oftmals als Dumping und Ausbeutung tituliert werden. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass Sie hier sofort an Aufträge gelangen, ohne groß suchen zu müssen und auch sicher ausgezahlt werden. Zum Erfahrungen Sammeln ist das schon nicht schlecht. Wenn Sie nach einigen Monaten Blut geleckt und Erfahrungen gesammelt haben, empfiehlt es sich, sich auch auf dem freien Markt ein Standbein aufzubauen und nach Auftraggebern zu suchen. Dann können Sie Ihren Preis pro Wort selbst festlegen oder der Nachfrage anpassen. Hierzu können Sie sich in diversen Texterjobbörsen umsehen, Google hilft Ihnen weiter.

Was schreibe ich als Texter eigentlich?

Grundsätzlich ist alles möglich. Werbetexte, Anschreiben, Pressemeldungen, Produktbeschreibungen, Ratgebertexte oder auch Übersetzungen. Für jede Textart gibt es Menschen, die eine Idee haben und jemanden suchen, der Ihnen diese gekonnt in Worten darstellen kann. Eine Spezialform sind SEO-optimierte Texte.

Wie viel kann ich durchs Texten wirklich verdienen?

Eine wichtige und gleichzeitig schwierige Frage. Nicht umsonst scheuen sich Texter auch in einschlägigen Foren oft, ihre Preise zu nennen. Ein kleines Nebeneinkommen von 100 Euro ist bei einem Zeiteinsatz von mehreren Stunden pro Woche gut möglich. Zudem gibt es Texter, die ihren gesamten Lebensunterhalt mit dem Schreiben abdecken – dieser kann natürlich individuell zwischen 1.000 Euro bis weit darüber liegen. Doch hierfür genügt ein einfaches „Ich schreibe ein paar Texte vor mich hin“ nicht. Es muss ein seriöser und professioneller Internetauftritt aufgebaut werden, Sie müssen sich optimal darstellen und Zeit und Kraft in die Akquise von Geschäftskunden investieren und diese mit Ihren Referenzen überzeugen.

Dabei sollten Sie sich weder unterschätzen und dauerhaft unterbezahlt arbeiten, noch sich maßlos überschätzen und nach dem zweiten Text für einen hochzudotierenden Fachmann halten. Denn es gibt beide Gattungen von Textern: Die ersten werden ausgebeutet, die zweiten wundern sich, wieso sie mit ihrem Verhalten nicht vorankommen und schimpfen auf das gesamte Berufsbild. Grundsätzlich gilt also auch hier: Niemand hat etwas zu verschenken. Wer viel verdienen möchte, muss auch viel bieten können.

Muss ich für meinen Verdienst Steuern zahlen? Es ist doch nur so wenig!

Jein. Sie müssen auf jeden Fall jeden Cent dem Finanzamt melden, völlig unabhängig davon, ob dieser Betrag letztendlich Steuerzahlungen mit sich zieht oder nicht. Sie dürfen also nicht selbst entscheiden, dass Sie unter den Einkommensgrenzen liegen und sich somit nicht weiter darum kümmern müssen, solange das Geld auf dem Konto stimmt. Wenn dem wirklich so sein sollte, müssen Sie schließlich auch den Kontakt mit dem Finanzamt nicht scheuen! Dieses wird auch im selben Zuge entscheiden, ob Sie als Freiberufler oder als Gewerbetreibender einzustufen sind (gilt für Deutschland, bitte fragen Sie in Österreich und der Schweiz bei Ihrem zuständigen Finanzamt nach). Die Meldung muss innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit erfolgen. Lassen Sie sich von alledem nicht abschrecken. Das gehört zum Arbeiten als Texter dazu und klingt komplizierter, als es ist.

Und wie melde ich mich beim Finanzamt an?

Oft genügt die Angabe eines Nebeneinkommens in Ihrer regulären Steuererklärung. Anderenfalls müssen Sie in besagtem Zeitraum das Formular zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt einreichen. Natürlich können Sie Ihre Tätigkeit auch durch eine formlose Meldung mitteilen. Dann wird Ihnen dennoch dieses Formular von Ihrem zuständigen Finanzamt zugesendet. Füllen Sie es gewissenhaft und nicht vorschnell aus. Im Zweifelsfall sollten Sie sich helfen lassen!

Muss ich darüber hinaus noch etwas beachten?

Das hängt ganz von Ihren individuellen Umständen ab. Als Familienversicherter dürfen Sie beispielsweise lediglich 365 Euro an regelmäßigem Einkommen aus selbständiger Arbeit erzielen, um weiter auf diese Art krankenversichert bleiben zu können. Auch etwaige Ansprüche wie Kindergeld oder Arbeitslosengelder müssen berücksichtigt werden. Entsprechende Stellen beraten Sie hierzu. Selbstverständlich finden Sie mit etwas Zeitaufwand auch alle wichtigen Gesetzestexte aus erster Hand online – eine gute Rechercheübung für Ihre Textertätigkeit!

Beim Texten ist, je nachdem, was Sie zu bieten haben, ein gutes Einkommen zu erzielen. Jedoch ist auch dies nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ein gewisses Maß an Bürokratie muss auch hier überwunden werden, um seine neue Verdienstmöglichkeit in trockene Tücher zu bringen.