Verdünnte Chlorbleiche hilft bei Neurodermitis

US - Forscher bescheinigen dem Haushaltsmittel Heilqualität

Laut einer amerikanischen Studie lindert verdünnte Chlorbleiche die Symptome der Neurodermitis. Eine neue, preiswerte Wunderwaffe im Kampf gegen das lästige Jucken?

Das Forschungsergebnis klingt so spektakulär wie simpel. Ein Bad in verdünnter Chlorbleiche lässt Neurodermitis verschwinden. Sollte sich diese Studie, durchgeführt von Wissenschaftlern der Northwest University in Chicago und veröffentlicht in “Pediatrics” (Bd. 123, Nr. 5), auch langfristig bestätigen, wäre das eine Erlösung für all jene, die unter dieser äußerst unangenehmen Hautkrankheit leiden. Allein in Deutschland betrifft das laut Aussage des Bundesverbandes Neurodermitiskranker rund 6 Millionen Menschen.

Woher kommt die Neurodermitis?

Wie und warum es zu dem juckenden Hautausschlag kommt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Neurodermitis kann vererbt sein oder es gibt bei den Betroffenen zumindest eine erblich bedingte Disposition. Der eigentliche Auslöser ist meist multifaktoriell und kann selten mit Sicherheit bestimmt werden. Häufig stecken Allergien oder Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten dahinter, aber auch hormonelle, neurohormonelle und psychische Faktoren können einen Schub bedingen. Die Hauptsymptome sind rote, meist juckende, manchmal auch nässende Ekzeme.

Welche Therapien gibt es gegen Neurodermitis?

Schulmedizinisch betrachtet, ist die Neurodermitis unheilbar. Darum richten sich die konventionellen Therapien überwiegend danach aus, die Symptome zu beseitigen. Heftige, stark juckende Schübe werden meist mit Cortison, Hydrocortison oder mit so genannten Tacrolismus-Salben behandelt. Letzteres kommt eigentlich aus der Transplantationsmedizin und wird dort eingesetzt, um die Immunreaktion nach einer Organtransplantation zu drosseln. Lokal auf die Haut aufgetragen, hilft Tacrolismus durch seine antimikrobielle und immunsuppressive Wirkung das Ekzem zu beruhigen. Neurodermitishaut ist in der Regel auch zwischen den Schüben recht trocken und braucht eine Creme, die einen hohen Feuchtigkeitsanteil hat.

Wie wirkt die Chlorbleiche auf Neurodermitis?

Eine ähnlich antibakterielle Wirkung, wie Tacrolismus soll nun auch die verdünnte Chlorbleiche haben. Sie tötet Bakterien ab, insbesondere Staphylococcus aureus. Diesen Erreger findet man auf der Haut von zwei Dritteln aller Neurodermitis-Patienten. Er fühlt sich besonders in dem feuchten Milieu des Ekzems wohl und verschlimmert durch seine Ausbreitung den Zustand der Haut weiter.

Während der Studie badeten die 6 Monate bis 17 Jahre alten Probanten zweimal wöchentlich für fünf bis zehn Minuten in warmen Wasser, dem ein Becher Chlorbleiche zugesetzt worden war. Die Forscher berichten, dass sich die Neurodermitis innerhalb kürzester Zeit besserte, dass sich der Hautzustand insgesamt stabilisierte und es seltener zu Neuentzündungen kam. Beeindruckt durch die schnellen und positiven Ergebnisse, brachen die Forscher die Tests sogar vorzeitig ab, um auch die Testpersonen, die bisher nur ein Placebo erhalten hatten, mit der Chlorbleiche zu behandeln.

Trotz der Erfolge sollte vor allzu eiligen Selbstversuchen gewarnt werden. Denn Chlorbleiche kann durchaus auch Allergieauslöser sein. Bitte sprechen Sie auf jeden Fall mit einem Hautarzt, bevor Sie selbst in den Haushaltsschrank greifen. Auch bietet das Internet eine breite Möglichkeit, sich in Foren oder Themenportalen über Behandlungsformen der Neurodermitis und die Erfolge der Anwendungen zu informieren.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Jeannette Hagen, Jeannette Hagen

Jeannette Hagen - Als freie Journalistin und Autorin schreibe ich seit 2003 für Print- und Onlinemedien. Ich bewege mich überwiegend in den ...

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