„Unternehmen Gericht“ nannte das deutsche Oberkommando den Angriff. Wohl niemand ahnte, wie zutreffend die Namensgebung war. Doch betraf sie ausschließlich diejenigen, die es in vorderster Linie ertragen und erleiden mussten. Eine Reihe haarsträubender Fehleinschätzungen machte die Operation zur sinnlosen Katastrophe im großen Verhängnis des Ersten Weltkriegs.
Von Beginn an verfehlt
Generalstabschef Erich von Falkenhayn verfolgte das Konzept, mit einer begrenzten Menge an Truppen eine größtmögliche Wirkung zu erzielen. Schon dies war fragwürdig, und manches deutet darauf hin, dass er nach dem Steckenbleiben des Angriffs auf das Argument verfiel, er wolle mit begrenztem Einsatz den Franzosen größtmöglichen Schaden zufügen, sie durch „Blutabzapfung zur Besinnung bringen“. Der Angriff musste wegen schlechten Wetters mehrfach verschoben werden. Als die Deutschen dennoch am 21. Februar 1916 losstürmten, waren die Franzosen gewarnt, die Überraschung verloren. Dennoch gelang der Angriff teilweise und führte zeitweise auf der Gegenseite zu Panik. Doch half ein weiterer Fehler den Verteidigern. Von Falkenhayn ließ den Angriff auf die Festungen Verduns im Osten der Maas vortragen. Mehrere Offiziere hatten gewarnt, auch westlich des Flusses müsse vorgegangen werden: Dort lagen Berghöhen, von denen die französische Artillerie das Schlachtfeld vor sich habe und die Angreifer unter Beschuss nehmen könne. Genau so kam es, doch als die französischen Stellungen auch im Westen angegriffen werden sollten, waren diese bereits verstärkt worden. Unter schweren Verlusten wurden auch hier nur äußerst mühsam Fortschritte gemacht.
Blutige Fehler und seltsame Ausreden
Doch gab es weitere Operationen, die unnötig Blut kosteten. Anfang Mai sollte „Maibowle“ beginnen, der Angriff zur Eroberung des Forts Vaux. Erich von Gündell, Kommandeur des V. Reservekoprs, wies darauf hin, dass die zur Bereitstellung der Sturmtruppen vorgesehenen Abschnitte am Vauxberg durch die französische Artillerie bedroht seien. Seine Warnungen wurden in den Wind geschlagen. In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai rückten die Truppen vor und erlitten bereits durch das Sperrfeuer erste Verluste. Mit Beginn des Morgengrauens wurden sie unter ein wildes Feuer genommen, das Beobachtungsflieger leiteten. Mehrere Bataillone wurden durch den Artilleriebeschuß zerrieben. „Maibowle“ war gescheitert, ohne dass auch nur an einen Angriff zu denken gewesen wäre.
Schließlich verlangte von Falkenhayn im Lauf der Schlacht, den unbegrenzten U-Bootkrieg gegen England aufzunehmen; nur dann sei ein Erfolg zu erzielen. Dies erschien Admiral von Müller, einer der Militärs in der Umgebung des Kaisers, als eine „höchst überraschende Gedankenverbindung“.
Opfer nur zu schätzen
Nach von Falkenhayns Rücktritt am 28. August 1916 stellte sein Nachfolger Ludendorff die Angriffe ein. Bis Dezember eroberten die Franzosen das von den Deutschen gewonnene Gelände wieder weitgehend zurück. Wieviel Soldaten den zehnmonatigen Kämpfen zum Opfer gefallen sind, vermag niemand genau zu sagen. Man geht auf beiden Seiten von über 700 000 Toten aus.
Zum Weiterlesen: German Wert, Verdun, Bergisch Gladbach 1982.
