Auf der Mitgliederversammlung treffen sich alle Vereinsmitglieder, um dort ihren Willen zu äußern, Anträge zu stellen, Beschlüsse zu fassen, den Vereinsorganen Anweisungen zu erteilen oder ihre Kompetenzen auf andere Vereinsorgane zu übertragen.

Die Kompetenz der Mitgliederversammlung

Da die Mitglieder den Verein bilden und diesen Verein prägen, ist die Mitgliederversammlung von größter Bedeutung. Es ist der einzige Ort, an dem sich die Mitglieder treffen, um gemeinsam Beschlüsse zu fassen und die Zuständigkeiten festzulegen. Da das Bürgerliche Gesetzbuch hier von der Vereinigungsfreiheit ausgeht, überlässt es den Mitgliedern, welche Kompetenzen sie selbst wahrnehmen möchten und welche sie anderen Organen, wie zum Beispiel Präsidium, Vorstand, Beirat, Geschäftsführung, einem Kuratorium oder einer Delegiertenversammlung (bei Großvereinen oder Mehrspartenvereinen) übertragen möchten. Ist in der Satzung nicht explizit etwas anderes geregelt, ist die Mitgliederversammlung grundsätzlich durch das Gesetz zuständig für:

  • Bestimmung über die Grundsätze der Vereinspolitik
  • Auflösung des Vereins
  • Satzungsänderungen
  • Genehmigung des Haushaltsplans
  • Entgegennahme der Jahresberichte (Präsidium, Vorstand, Rechnungsprüfer etc.)
  • Entlastung des Präsidiums, Vorstandes und Kassenwartes/Schatzmeisters
  • Festsetzung der Mitgliedsbeiträge
  • Wahl der Rechnungsprüfer
  • Wahl des Präsidiums, Vorstandes, Kassenwartes/Schatzmeisters etc.

Übertragung der Zuständigkeiten durch die Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung hat die Möglichkeit und auch das Recht durch die Satzung, Zuständigkeiten auf andere Organe des Vereins zu übertragen. Eine Ausnahme bildet die „Auflösung des Vereins“. Dieses Recht kann die Mitgliederversammlung nicht übertragen (BGB § 41). Zwar schreibt das Bürgerliche Gesetzbuch in § 26 Abs. 1 vor, dass ein Verein einen Vorstand haben muss, der den Verein gesetzlich vertritt, aber trotzdem kann die Mitgliederversammlung die Übertragung ihrer Zuständigkeiten auf andere Vereinsorgane beschließen und in der Satzung festschreiben.

Vorteile der Übertragung aller Zuständigkeiten auf den Vorstand

Der Vorteil einer Übertragung aller Zuständigkeiten auf den Vorstand ist, dass Probleme schneller gelöst und Entscheidungen schneller getroffen werden. Denn erst bei jeder Entscheidung eine Mitgliederversammlung einzuberufen kostet nicht nur viel Zeit, sondern ist zudem sehr teuer und aufwendig.

Nachteil der Übertragung aller Zuständigkeiten auf den Vorstand

Werden alle Zuständigkeiten auf den Vorstand übertragen hat das zur Folge, dass der Vorstand erst auf der nächsten Mitgliederversammlung ihren Rechenschaftsbericht vorlegen und erst dann können die Mitglieder die Entscheidungen des Vorstandes kontrollieren. Denn vorher ist der Vorstand nicht rechenschaftspflichtig. Aber bis zu diesem Zeitpunkt kann der Vorstand schon mit ihren Entscheidungen den Verein irreversiblen Schaden zugefügt haben. Da erfahrungsgemäß die aktive Mitwirkung der Vereinsmitglieder am Vereinsgeschehen mit der Größe des Vereins linear abnimmt, ist es ratsam, bestimmte Kompetenzen der Mitgliederversammlung nicht an den Vorstand, sondern noch an andere Vereinsorgane zu übertragen (Beirat, Delegiertenversammlung, Kuratorium, Geschäftsführung zum Beispiel).

Tipp für Großvereine und Mehrspartenvereine – die Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung fungiert als sogenannter erweiterter Vorstand. Dieses zusätzliche Organ im Verein empfiehlt sich insbesondere bei Großvereinen ab 50.000 Mitgliedern und Mehrspartenvereinen. In diesen besonderen Fällen erwies sich die Entscheidungsfindung durch die jährlich stattfindende Mitgliederversammlung als unpraktikabel, da es organisatorisch und finanziell eine enorme Belastung für den Verein ist.

Die Delegiertenversammlung als „kleine“ Mitgliederversammlung

Im Prinzip ist die Delegiertenversammlung eine „kleine“ Mitgliederversammlung. Damit aber nun die Delegiertenversammlung ihre Arbeit aufnehmen kann, müssen die Mitglieder auf der Mitgliederversammlung einen Großteil ihrer Rechte auf die Delegiertenversammlung übertragen. Der Vorteil ist eine höhere Flexibilität, weil weniger Personen beteiligt sind und die Arbeit des Vorstandes wird durch die Delegiertenversammlung als weiteres Vereinsorgan kontrollierbarer.

Die Delegiertenversammlung als weiteres Vereinsorgan

Im Gesetz ist die Einrichtung einer Delegiertenversammlung nicht vorgeschrieben, da sie ein freiwilliges Vereinsorgan ist. Das heißt, soll in einem Verein die Delegiertenversammlung als weiteres Vereinsorgan hinzukommen, muss dies in der Satzung aufgenommen und formuliert werden.

  • Unter welchen Voraussetzungen wird die Delegiertenversammlung einberufen?
  • Wer darf die Delegiertenversammlung einberufen?
  • Wie wird die Delegiertenversammlung einberufen?
  • Wie werden die Beschlüsse der Delegiertenversammlung beurkundet?
  • Welche Aufgaben werden der Delegiertenversammlung übertragen?
  • Wer überträgt der Delegiertenversammlung diese Aufgaben?
  • Wie soll die Delegiertenversammlung zusammengesetzt sein? Das heißt, wie viele Mitglieder werden jeweils durch einen Delegierten vertreten?
  • Wie lange beträgt die Amtszeit der Delegierten?
Da es sich bei der Aufnahme einer Delegiertenversammlung um eine Satzungsänderung handelt, muss dieses der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Erst nach der Zustimmung der Mitgliederversammlung darf die Delegiertenversammlung ihre Arbeit im Verein aufnehmen.

Quelle: Studiengemeinschaft Darmstadt, Fernlehrgang „Social Management“, Landesportbund Berlin, Bürgerliches Gesetzbuch sowie eigene Erfahrungen.