Verena Bentele: Impressionen ihrer Kindheit in Laimnau/Tettnang

Verena Bentele vor ihrem Sport-Bambi - Brigitte van Hattem
Verena Bentele vor ihrem Sport-Bambi - Brigitte van Hattem
Eine Trotzreaktion im Vorschulalter hätte beinahe Verena Benteles Leben gekostet. Doch was andere geängstigt hätte, machte sie stark.

Die blinde Biathletin und zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele (29) hat zugegeben, dass sie ihre Blindheit schon in ihrer Kindheit einmal beinahe das Leben gekostet hat. „Meine Eltern und Großeltern haben kein großes Aufhebens darum gemacht, dass mein Bruder Michael (30) und ich blind sind,“ erzählte die attraktive Sportlerin in ihrem Elternhaus in Laimnau/Tettnang. „Als ich etwa vier oder fünf Jahre alt war, saß ich eines Tages auf der Treppe und hatte keine Lust, hinunterzulaufen. Ich rief also nach meiner Großmutter, damit sie mich trägt. Aber da sie wusste, dass ich alleine hinunterlaufen konnte, holte sie mich nicht. Da kam mein Bruder Michi zu mir und meinte, wenn ich keine Lust hätte, hinunterzulaufen, könne ich doch auch aus dem Fenster springen, dann wäre ich auch unten. Da wir beide blind sind, konnten wir uns gar nicht vorstellen, was Tiefe ist und wie gefährlich das sein könnte.“

Die kleine Verena fand die Idee ihres großen Bruders so gut, dass sie das Fenster öffnete und hinunter sprang. „Gott sei Dank war der Balkon direkt darunter und so kam ich einigermaßen heil und unversehrt an. Dennoch weinte ich danach bittere Tränen – aus Schmerz, Angst und Wut!“ Doch trotz dieses Vorfalls hätten sich ihre Eltern auch weiterhin darum bemüht, Verena und ihren Bruder Michael nicht zu verzärteln.

Mit der Schulpflicht kam das Internat - und damit die Trennung vom Elternhaus

Allerdings kam mit der Einschulung der erste Bruch für die blinden Geschwister: Da es in der Umgebung von Tettnang keine Blindenschule gab, wurden die beiden in einem Internat untergebracht, der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn. „Wir wurden jeden Montagmorgen abgeholt und Freitagabend wieder gebracht“, erzählte Verena Bentele. Schön sei das nicht gewesen und oft habe sie sich nachts in den Schlaf geweint. Ihr Trost war, dass auch ihr Bruder mit im Internat war.

Michael „Michi“ Bentele war eine Klasse höher als seine Schwester, bis deren Klasse aufgelöst wurde und Verena eine Stufe überspringen durfte. Jetzt begannen die Geschwister zu rivalisieren. Die Lehrer rieten dringend dazu, die beiden zu trennen. Von da an besuchte Verena die Bayerische Landesschule für Blinde in München, Michael bliebt in Heiligenbronn. „München war gut für mich“, weiß Verena heute. „Dort habe ich meine spätere Trainerin Anne Heinzl kennengelernt, ohne deren Hilfe ich niemals so weit gekommen wäre!“

Nach dem schweren Unfall 2009: Verenas Siegeszug geht weiter

Mittlerweile gilt Verena als Ausnahme-Sportlerin. Jahr für Jahr erläuft sie sich mit den Skiern die Siegertreppchen. 1997 holte sie ihre erste Goldmedaille im Biathlon, weitere Goldmedaillen folgten. Ein schwerer Unfall schien 2009 das Aus für die ehrgeizige Sportlerin zu bringen. Neben vielen weiteren Verletzungen verlor Verena auch eine Niere. Doch sie genas und startete 2010 mit neuer Kraft.

Erst kürzlich wurde Verena Bentele in Abu Dhabi mit dem Laureus World Sport Award für die beste Behindertensportlerin ausgezeichnet, nachdem sie erst Ende 2010 den Bambi in der Kategorie Sport verliehen bekommen hatte. Mit ihrem Lebensgefährten und Begleitläufer Thomas Friedrich siegte Bentele bei den Paralympics in Vancouver im vergangenen Jahr im Langlauf Klassisch Sprint über 1 km, im Langlauf Freistil über 5 km und im Langlauf Freistil über 15 km. Außerdem gewann sie die Goldmedaillen im Biathlon bei der 12,5- und 3-km-Verfolgung.

Brigitte van Hattem, www.starphotografie.de

Brigitte van Hattem - Mein Name ist Brigitte van Hattem. Ich bin Medizinjournalistin, Fernsehredakteurin, Autorin und Texterin und betreibe ein medizinisches ...

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