
- Kunstwerke schaffen mit Blattgold - Englisch Verlag
Der Goldpreis steigt. Die Faszination des Goldes ist ungebrochen. Alchimisten versuchten vergeblich, es selbst zu erzeugen. Goldgräber steckten ihre Claims ab und versuchten, in harter Arbeit und oft genug vergeblich, ihr Glück mit dem Edelmetall zu machen und reich zu werden. Menschen, die sich besonderes Wohlwollen erworben haben, wurden mit Gold überschüttet oder gar in Gold aufgewogen. Goldmünzen waren Zahlungsmittel und sind noch heute das Glück betuchter Sammler. Gold – ein Luxusgut.
Mit hauchdünnem Blattgold Bilderrahmen, Spiegelrahmen, Tabletts vergolden
Als Blattgold jedoch ist das Edelmetall erschwinglich. Es sorgt für einen gehörigen Hauch Luxus, wenn Sie Bilderrahmen und Spiegelrahmen vergolden oder mit der Goldgraffitotechnik ein Tablett verzieren. Auch das Restaurieren schöner alter Dinge lässt sich mit Hilfe von Blattgold realisieren. Das Buch „Faszination Gold – Tradition, Anwendung, Gestaltung“ von Kirsten Beuster, erschienen in der Reihe „Die Kunst-Akademie“ des Englisch Verlages (der seit kurzem Christopherus Verlag heißt), zeigt ausführlich und mit schönen Bildern, wie es geht.
Entwicklung von Blattvergoldung, Vergolderrahmen, Vergoldertechniken
Der 112 Seiten starke Bildband informiert in seiner Einleitung über das Material Gold, gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Blattvergoldung und des Vergolderrahmens, über Bilderrahmen und die Vergoldertechniken. Kaum zu glauben, dass Goldblechstreifen, wie auf Seite 14 zu lesen ist, zu so dünnen Blättchen ausgeschlagen werden, dass sie schließlich nur noch 1/7000 oder 1/10000 mm dünn sind.
Ein Beispiel für künstlerische Vergoldung: Gustav Klimts Gemälde "Der Kuss"
Gustav Klimt bezauberte seine Fans mit Bildern, die wie der berühmte „Kuss“ Gold als Gestaltungselement nutzten. Im vorliegenden Buch wird Klimts Bild „Josef Pembauer“ mit einem bemalten, gravierten Plattenrahmen in matter Polimentvergoldung gezeigt. Auch einige mit Gelb- und Weißgold belegte Spiegelrahmen werden gezeigt - im Stil der Renaissance zum Beispiel oder angelehnt an Jugendstil, Klassizismus und Kubismus.
Vergoldung auf Kreidegrund und als Ölvergoldung wie bei Hundertwasser
Ab Seite 30 wird es praktisch. Werkzeuge, wie Pinsel, Vergolderkissen, Vergoldermesser, Polierstein werden ebenso vorgestellt wie die Kreiden, die das wichtigste Pigment für die in der Vergolderarbeit verwendeten Leimfarben sind und den Kreidegrund bilden.
Ein Kapitel ist der Ölvergoldung gewidmet, die auf Holz, Eisen und Stein Anwendung findet. Ein berühmtes Beispiel sind die von Friedensreich Hundertwasser konzipierten Gebäude, wie etwa der Hundertwasserbahnhof in Uelzen. Würde das Gold als Highlight fehlen, hätten die buntfarbenen Keramiksäulen und Wandfliesen weitaus weniger Leuchtkraft.
Hinterglasvergoldung, Vergoldung auf Papier, Metallisierung, Polimentvergoldung
Weitere Themen: die Hinterglasvergoldung und die Vergoldung auf Papier, die Metallisierung (eine Goldimitation aus unechtem Gold oder Messing) und die Polimentvergoldung oder Glanzvergoldung, die als „hohe Kunst der Vergoldung“ gepriesen wird, sowie das abschließende Polieren.
Verzierungstechniken mit Blattgold - Gravieren, Schraffieren, Punzieren,Graffito
Im Kapitel „Die Verzierungstechniken“ werden Schmuchtechniken gezeigt: das Gravieren, das Schraffieren, das Punzieren, die Goldgraffitotechnik oder das Radieren sowie das Verzieren mit vollplastischen Ornamenten.
Vergolden - Rezepte zum Selbermachen von Kreidegrund, Polimentleim und Netze
Das letzte Kapitel schließlich widmet sich dem Thema „Farbe und Gold“ in der Außen- und Innengestaltung. Hier findet sich auch eine kleine Rezeptsammlung, die beschreibt, wie man Grundleim und Kreidegrund, Polimentleim und die so genannte Netze einfach selber machen kann. Ein mehrseitiges, informatives Glossar schließt sich an.
Schon das Durchblättern des Buches und das Betrachten der Abbildungen ist ein Genuss. Stöbern Sie, lesen Sie, lassen Sie sich inspirieren. Vielleicht werden Sie schon bald Ihre eigene Goldgräberwerkstatt, pardon, Vergoldungswerkstatt einrichten können. Und ein bisschen Gold kaufen - selbst wenn es nur hauchdünn ist.
Kleiner Tipp am Rande: Auch wenn das Gold nicht echt ist, so ist ein bisschen Glanz oft reizvoll. Mit Goldspray können Sie zum Beispiel Weihnachtsengel als Christbaumschmuck festlich gestalten. Aus Nudeln kann man sie leicht selber machen.
Kirsten Beuster, Die Kunst-Akademie, „Faszination Gold – Tradition – Anwendung – Gestaltung, Englisch Verlag 2006, 112 Seiten, 39,80 Euro
