Verlag oder Eigenverlag

Wissenswerte Entscheidungshilfen für Autoren

Bucherstellung - Maclatz/www.pixelio.de
Bucherstellung - Maclatz/www.pixelio.de
Das Manuskript ist fertig geschrieben, nun muss der Autor entscheiden, ob er einen Verlag suchen oder das Buch selbst verlegen möchte. Beides hat Vor- und Nachteile.

Täglich landen zig unaufgefordert eingesandte Manuskripte auf den Tischen der Lektoren, während Verlagsprogramme laufend gestrafft werden. Die Verlagssuche ist ein langwieriges und mitunter frustrierendes Unterfangen. Es dauert in der Regel mehrere Monate, bis die ersten Antworten der angeschriebenen Verlage einlangen und die Wahrscheinlichkeit, dass diese positiv ausfallen, ist gering. Absagen erfordern vom Autor nicht nur gute Nerven, sondern manchmal auch ein unmenschlich hohes Maß an positivem Denken und Zuversicht.

Vorteile eines Verlages

Hat der Autor endlich einen Verlag gefunden, übernimmt dieser mit Verlagsabschluss die gesamte Bearbeitung, Produktion und den Vertrieb für das Buch. Dazu gehören ein professionelles Lektorat, die Gestaltung des Textes und des Covers, und schließlich die Bekanntmachung des Buches und sein Vertrieb. Alle diese Dienstleistungen werden vom Verlag geleistet, ohne dass dem Autor zusätzliche Kosten entstehen.

Schwarze Schafe

Vorsicht bei Verlagen, die Autoren suchen. Dahinter stecken oft Zuschussverlage, die dem Autor für jede einzelne Dienstleistung horrende Summen abknöpfen. Immer wieder werden Fälle bekannt, bei denen die Unwissenheit von Autoren ausgenutzt wird und diesen hohe Zuschüsse zur Produktion abverlangt, Lektorate zu horrenden Preisen angeboten oder nur Marketingaktivitäten durchgeführt werden, wenn der Autor zusätzlich dafür bezahlt. Einem seriösen Verlag muss ein Autor nichts zahlen. Im Gegenteil: Er erhält für den Verkauf seiner Bücher ein Autorenhonorar.

Autorenhonorar

Die Tantiemen betragen in der Regel zwischen 5 bis 10 Prozent vom Nettoverkaufspreis, sind aber prinzipiell Verhandlungssache. Nur wenige Autoren haben das Glück, bei einem der renommierten Verlage mit professionellem Marketing unterzukommen, die dafür sorgen, dass die Bücher in den Buchhandlungen zu finden sind. Viele Autoren müssen selbst aktiv werden und die Marketingaktivitäten ihres Verlages unterstützen oder zur Gänze in die Hand nehmen.

Alternative: Book on Demand

Hierbei handelt es sich um eine reine Buchdruck-Dienstleistung. Der Autor liefert das fix und fertig bearbeitete und gestaltete Werk inklusive Cover und Layout. Von diesem wird eine digitale Druckvorlage erstellt, von der für die Dauer des Vertrages je nach Bedarf auch einzelne Bücher gedruckt werden können. Autoren müssen also nicht eine große Menge Bücher ordern, zahlen und lagern. Nach etwa sechs Wochen hält der Autor sein Buch in Händen. Um das Marketing muss er sich selbst kümmern.

Kosten

Die Kosten für die Erstellung der digitalen Druckvorlage liegen bei seriösen Anbietern für ein 100-Seiten-Buch unter 300 Euro. Der Autorenpreis für einzelne Bücher beträgt ungefähr bei 5 Euro, wobei der Autor eine Mindestmenge (zum Beispiel 25 Stück) abnehmen muss. Diese Kosten sind gering im Vergleich zu jenen Verlagen, die Druckkostenzuschüsse von mehreren Tausend Euro verlangen, aber ebenso wenig Marketing betreiben.

Genau kalkuliert

Seriöse Book-on-Demand-Anbieter informieren bereits transparent und detailliert auf ihren Websites und bieten dort auch Kalkulatoren an, mit deren Hilfe sich der Interessierte alle Kosten und die Höhe der Autorenmarge im Vorhinein genau ausrechnen kann. Zusätzlich werden bei Bedarf auch weitere Dienstleistungen wie Lektorat, Gestaltung des Textteils, des Covers und dergleichen mehr angeboten. Achtung bei Anbietern, die verwirrend und schwammig formulieren. Vielleicht soll dadurch etwas verdeckt werden.

Vorteile von Book-on-demand

Ideal ist das Verfahren vor allem für Autoren von Sachbüchern, die diese direkt bei Veranstaltungen, Vorträgen oder Workshops verkaufen, für Personen, die schon immer den Wunsch hatten, eigene Geschichten oder Erlebnisse in Buchform als persönliche Geschenke weiterzugeben oder für Buchprojekte von Schulen, Institutionen oder Firmen, bei denen es unerheblich ist, ob sie im Buchhandel angeboten werden.

Wenn BoD-Bücher eine eigene ISBN haben und damit im Verzeichnis lieferbarer Bücher stehen, können sie wie jedes andere Buch bei jedem Buchhändler einzeln bestellt und bei allen gängigen Online-Buchshops käuflich erworben werden.

Nachteile von Book on Demand

Autoren, die das Schreiben langfristig und professionell betreiben wollen, bleibt aber kaum eine andere Wahl, als sich auf die Suche nach einem guten Verlag zu begeben. Verlagsautoren genießen gegenüber einem Eigenverlagsautor einen höheren Status. Nach wie vor weigern sich die meisten Buchhändler, Book-on-Demand-Bücher in ihre Regale zu stellen oder Lesungen zu machen, auch wenn viele dieser Bücher qualitativ hochwertiger sind, als so manche Verlagserscheinung. Aber ein Buch, das im Eigenverlag produziert wurde, vermittelt noch immer den Eindruck, dass es sich dabei um ein Werk handeln könnte, das kein Verlag angenommen hat.

Autorenverbände nehmen in der Regel nur Autoren auf, die zumindest eine Buchveröffentlichung in einem regulären Verlag vorweisen können. Manche räumen den Eigenverlags- oder Zuschussverlagsautoren aber zumindest die Möglichkeit ein, wenn schon nicht als Vollmitglied, so zumindest als Gast an den gemeinsamen Treffen teilzunehmen.

Erfahrung

Manche Autoren beginnen mit Book-on-Demand-Buchproduktionen und machen so ihre ersten Erfahrungen. Einige werden auf dieser Schiene weiterfahren, weil es ihnen gefällt, alles selbst zu koordinieren und sie auch ohne Buchhandel gute Absatzmöglichkeiten für ihre Bücher haben. Andere Autoren werden feststellen, dass für ihre Tätigkeit Book-on-demand nicht ausreichend und ein guter Verlag unentbehrlich ist.

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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