Verloren, gefunden und versteigert bei der Deutschen Bahn

Im Zentralen Fundbüro der Deutschen Bahn in Wuppertal findet wöchentlich eine Versteigerung der Gegenstände statt, die nicht abgeholt wurden.

Die Reise der DB-Fundstücke

Zum 1., zum 2. und … jeden Donnerstag Nachmittag ab 15 Uhr wird in einem Souterrainraum des Wuppertaler Zentralen Fundbüros der Bahn der Versteigerungshammer geschwungen und von skurril bis ganz normal kommt so einiges unter den Hammer, hier in dem Fundbüro für sämtliche in der Bahn, S-Bahn oder am Bahnhof, z.B. im Schließfach vergessene und verlorene Gegenstände bundesweit. Was nicht innerhalb einer Woche nach dem Auffinden seinem Eigentümer zugeordnet werden kann, landet zunächst im Wuppertaler Zentralen Fundbüro. Wird der Eigentümer ausfindig gemacht und benachrichtigt, kann er kostenlos das Fundstück abholen, soll dies jedoch per Post zugeschickt werden, so kostet es mindest 20,01 € (man achte auf den Cent!!), wobei die Nachnahmegebühr inbegriffen ist.

Schnäppchenjagd in Wuppertal

Mehr als 250.000 Gegenstände gehen jährlich in Bahnhöfen und Zügen verloren und werden in über 80 Fundstellen deutschlandweit gesammelt – laut Homepage der Deutschen Bahn. Das ist schon eine enorme Zahl, kein Wunder, dass diese Versteigerung mindestens einmal wöchentlich statt findet, nämlich donnerstags (außer an gesetzlichen Feiertagen). Drei Stunden sind dafür reserviert. Manchmal gibt es auch noch einen Zusatztermin für Dienstag Vormittag. Ausgenommen bei dieser Versteigerung sind Fahrräder, diese werden gesondert angeboten - Termine für Fahrradversteigerungen sind per Internet zu finden. Die Mitarbeiter des Fundbüros gehen mit diesen Fundstücken auch auf Fahrt, z. B. treten sie. regelmäßig beim Münsteraner Stadtfest auf und verlegen das Versteigerungsevent auf die Bühne, ein unterhaltsames Unterfangen, das Publikum kommt auf seine Kosten und mit ein wenig Glück auch zu einem Schnäppchen, so wie hier wöchentlich in Wuppertal.

Die DB Station&Service AG haftet nicht für die Güte der versteigerten Gegenstände. Darauf wird jede Woche neu hingewiesen, gerade bei elektronischen Geräten. Verständlich, dass eine Überprüfung den Rahmen und die Kapazitäten des Personals sprengen würden. Dieser Umstand erhöht den Kitzel und das Risiko beim Ersteigern.

1 € und mehr im Wuppertaler Fundbüro

Der Zuschlag wird an den Meistbietenden nach dreimaligem Aufruf des Gebots erteilt. Wenn der Hammer auf die Tischplatte schlägt ist definitiv ein Käufer oder Käuferin gefunden worden, es sei denn, die Person kann nicht bar bezahlen, dann wird das Versteigerungskarussell erneut in Gang gesetzt. Die von Sachverständigen geschätzten Gegenstände werden nicht unter dem Schätzwert abgegeben. Vieles beginnt mit einem Gebot von 1 €, dann erhöht sich der Preis pro Handzeichen um je 1 €, sobald 50 € überschritten wurden, geht es in 2 €-Schritten weiter und ab 100 € kommen je Gebot 5 € auf den Preis. Es gibt auch Dinge, wo Bietende einen höheren Preis in den Raum rufen, der dann ein paar Beträge überspringen kann.

Überraschung bei der DB-Versteigerung

Es ist wirklich erstaunlich und jedes Mal wieder verwunderlich, was alles bei diesen Fundsachen auftaucht: oftmals Neuware mit versehenem Preisschild, teilweise auch mit Kaufquittung und Originaleinkaufstüte von dem entsprechenden Geschäft, Bekleidung – teilweise ganze Koffer voll, Reiskocher, Beatmungsgerät, Brillen, CDs, Spielzeug, Schmuck, Wanderstöcke, Bücher, Handys, Kameras, PSP, Spiele, DVDs, Rollos, Musikinstrumente, Bastelmaterial, Lebensmittel, Kosmetika, Schirme …

Wenn ein Stück keinen Interessenten findet, wird es schnell wieder zur Seite gelegt und am Ende des Nachmittags noch einmal zum Versteigern hervor geholt (oder eben zu einem anderen Termin).

Ein Dreierteam vom Fundbüro leitet die Versteigerung: einer oder eine, die die Gegenstände anreicht, eine Person, die den Hammer schwingt und per Mikro die Ware anpreist und ein Kassierer, der mit seiner Kasse ausgerüstet den finanziellen Teil abwickelt und auch gleich dem glücklichen Neueigentümer eine Quittung ausstellt.

Geschäft oder Vergnügen im Wuppertaler Souterrain

Viele Profis sind hier als potenzielle Ersteigerer mit von der Partie, immer wieder, Woche für Woche, jahraus, jahrein. Sobald Elektronik, Schmuck, Brillen oder Markenware angepriesen wird, stürmen sie zum Podest, um die Waren in Augenschein zu nehmen. Dazu verirren sich immer mal wieder ein paar Touristen nach Wuppertal, z.B. Familien mit Kindern. Es ist gut, sich vorher klar zu sein, was man oder frau für einen Gegenstand ausgeben möchte und zu investieren bereit ist, denn teilweise geht die Versteigerung im schwindelnden Tempo vor sich, da ist langes Überlegen und Zögern nicht mehr möglich, wenn man „am Ball“ bleiben und eine reelle Chance haben möchte, einen Gegenstand zu ersteigern. Vorsicht: nicht unüberlegt am Kopf kratzen, jemandem zuwinken, einfach so die Hand heben, das könnte leicht missverstanden werden. Im Raum herrscht Alkohol-, Handy und Handelsverbot, aber nicht jeder hält sich sehr strikt daran. Manchmal wird auch die Versteigerung unterbrochen, um für Ruhe zu sorgen.

Ein Event mit Unterhaltungswert und Nervenkitzel für die Bietenden ist es allemal.

Maria Conlan, M. Conlan

Maria Conlan - Das halbe Jahrhundert hat sie voll. Da ergibt sich so mancher Stoff, um darüber zu schreiben und der Wunsch, sich auch mit zu ...

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