
- "Bunt - 3 in 1" Kunst Robert Budzinski - K. Mieth
An diesem Abend können Kunden des Friseursalons verschiedene Positionen einnehmen um die Kunstwerke zu betrachten. Vom Massagesessel , vom Styling-Platz oder mit bester Sicht vom Friseursessel aus. Bei diesen unterschiedlichen Sichtweisen treffen Haarkunst und moderne Malerei aufeinander - Friseurmeister und Gastgeber der Vernissage ist Robert Budzinski.Das Kleeblatt-Team um den Haarkünstler Budzinski feiert diesem Abend das fünfjährige Bestehen des Schwabinger Salons mit einer Vernissage. Nach Bekenntnissen zufriedener Kunden unter dem Motto: „Ich liebe meinem Friseur, weil...“ folgt nun „Bunt – 3 in 1“. Organisatorin Gabriele Neidhardt führt durch die Ausstellung mit dem Motto: „Farben des Lebens“. Künstler und Friseurmeister Robert Budzinski: „Wenn ich hohen Blutdruck habe, es in meinem Kopf blinkt, dann sehe ich alles bunt. Das ist ein Phänomen und zugleich Grundlage meiner Kunst.“
Kunst aus Abfällen – nichts ist wertlos
Das Kunstwerk aus Kronkorken mit Vogelmotiv und ausrangierten Windlichtern präsentiert Gabriele Neidhardt folgendermaßen: „Bild Nummer Drei zeigt unsere guten Hausgeister, Nummer Vier den Vogelschwarm.“ Für das Kunstwerk im Langformat hat Robert Budzinski die Behältnisse unter den Kronkorken so vorsichtig geöffnet, dass sie nicht beschädigt werden um dann den sogenannten Abfall wieder zu verwerten. Glatte Kronkorken ziehen in einer Reihe wie ein Vogelschwarm zur oberen Kante des Kunstwerkes. Daneben stehen zwei gesonderte Kronkorken: Er und Sie – Gabriele und Robert. „Wir wollen es anders machen, unser Team im Salon ist mulit-kulti. Friseurin Natalia Sanchez mit spanischem Blut väterlicherseits, Friseur Dejan Vojnovic aus Kroatien, Inhaber des Schwabinger Salons Robert Budzinski, polnischer Abstammung mit seiner Lebensgefährtin Gabriele aus Deutschland, die für alles organisatorische rund um den Friseursalon bis hin zur Vernissage zuständig ist.
Das Kunstwerk "Auge" - Phänomen Blitzer
Es sind plüschige Lebewesen, die um dieses Auge herumschwirren. Arbeitsmittel waren Zahnstocher, die Robert für den Entstehungsprozess diesen Kunstwerks benutzt hat. Er hat damit die Farben verteilt. Was herauskam kann sich sehen lassen, strahlt und blinkt besonders im Dunkel: „Es sind fluoreszierende Punkte, die unter bestimmtem Licht zum Strahlen erweckt werden und dann 24 Stunden lang leuchten“, sagt Budzinski. Lebensmotto und Motor seiner Kunst ist der Glaube an das Geben und Zurück-Bekommen. „Ich möchte den Menschen etwas geben, glaube daran, dass es somit wieder zu mir zurück kommt. Und ich möchte Spuren hinterlassen. Dabei bleibe ich umweltfreundlich, meine Farben sind auch für ein Kinderzimmer geeignet. Wenn ich an Wochenenden arbeite, komme ich mit wenigen Stunden Schlaf aus. Die Bilder bleiben noch länger, nämlich 24 Stunden aktiv und sind dabei immer anders“, sagt der Künstler. Und Friseurin Natalia Sanchez fügt an: „Robert ist wahnsinnig kreativ, von der Fahrradrestauration über die Haarkunstwerke bis zu den fluoreszierenden Bildern. Die neuen Kunstwerke sind heute für die Vernissage frisch gehängt worden, hier, in diesem im Hochformat hat er seine Lebensgefährtin mit den Farben verflochten. Vorne am Eingang befindet sich ein weiteres Bild im Langformat, in dem er ein menschliches Auge und einen Mund mit den Fantasieformen verwoben hat. Für mich regt das unheimlich die eigene Fantasie an“, sagt die Friseurin.
Interview mit Friseurmeister und Künstler Robert Budzinski
„Ich habe es mit tausenden von Leuten und dem entsprechend vielen Haaren zu tun. Auf einem einzelnen Kopf wachsen in der Regel von 80.000 bis zu 240.000 Haare. Die Mongolischen Völker besitzen eine Haartracht mit mehr Haaren als wir Europäer. Bei diesen Völkern ist es ja so: In der Anpassung an die Natur ist das Haarkleid Schutz, genauso wie bei den Tieren. Zum Schmuck wurde die Haartracht erst später“, sagt der Meister der Frisuren. „Meine letzte Kunstserie, die schön-schrecklichen Haarbilder, habe ich heute herunter gerissen. Die optischen Blumen waren aus Millionen von Teilen entstanden. Jetzt sollen sie weiter gehen, weiter reisen. Was bleibt, ist mein Wunsch, die Menschen schöner machen zu wollen. Angefangen hat das vor 34 Jahren im Obstgarten meiner Großmutter. Dort habe ich schon als 15-Jähriger meinen Kumpels für 20 Sloty die Haare geschnitten. Und schon damals hatte ich das gute Gefühl: Ich habe jemand schöner gemacht.
Das Kunstwerk "Phänomen Blitzer" - Das Auge
Mit der Kunst ist es ähnlich: In vier Längsbahnen erscheinen die fluoreszierenden Haarbüschel, jeweils sind es 39 Stück, keins gleicht dem anderen. In der Mitte thront das Auge, umrahmt von den Initialen des Künstlers: R und B. Wird er gefragt, worum es ihm geht, antwortet der Haarkünstler: „Vor anderthalb Jahren begann ich aus den herab gefallenen, gewaschenen Haaren, Kunst zu gestalten. Was nicht in die Mülltonne wanderte, war aus bester Qualität und Haare sind aus einer Struktur, die fast immer erhalten bleibt“, verweiset Budzinski schmunzelnder Weise auf die Mumien. „Ich möchte auf moderne Weise damit zum Erhalt der Produkte für die Ewigkeit beitragen“, sagt der Friseurmeister und Künstler. Nach dem Prinzip der Beständigkeit von Spuren sollen jetzt die imprägnierten Materialien weitergegeben werden. Dabei spielen für den Erschaffer Genauigkeit bis zum Perfektionismus eine große Rolle. Seinem Lebensmotto zur Folge wirken Genauigkeit gepaart mit Geduld auch in der Kunst. „Bei den neuen Werken möchte ich zeigen, wie aus Farbe ein Haareffekt entsteht, verweist der Künstler wieder auf die eigens dafür entwickelte Technik mittels Zahnstochern.
Kommunikation im nächtlichen Friseursalon
Das kunstinteressierte Publikum steht in Dreiergruppen diskutierend vor dem Werk „Phänomen Blitzer“. „Das könnten Maroni sein – es knüpft an die Serie der Echt-Haarbilder an, sagt eine Kundin des Salons. Im viergeteilten Wandbild, das an ein Triptychon erinnert, ist das herausragende Element das Auge. Das Auge ist wiederkehrendes Element in der Kunst Robert Budzinskis. Zum Titel sagt Gabriele Neidhardt: „Es besteht noch keine Einigkeit über die Titel, Robert geht es in erster Linie aber um den Prozess des Machens, des Gestaltens. Er hat für das große Wandbild extra vier Bahnen hergestellt, um es nicht als Triptychon einordnen zu lassen. Es soll sich abheben, vom Herkömmlichen, muss anders sein.“ „Anders ist seine Kunst auf jeden Fall“, berichtet ein Kunde über den malenden Friseurmeister. An der Südseite des Salons gehängte Kunstwerke wechseln sich mit Auszeichnungen des Friseurteams ab. Vom Deutschen Engagement-Preis im Jahr 2011: „Die BUDZ-Friseure werden als Finalist für vorbildliches Engagement in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet“ bis zum sozialen Engagement in der „Mach-Schnitt-Aktion“ ist das Friseurkleeblatt auf dem Vormarsch im "Social-Business" - und der Maler Budzinski in der Welt der Künste.
Quelle: Vor-Ort-Recherche
