Wer die Werbeanzeigen in den in den Zeitungen in den vergangenen Monaten aufmerksam studierte, konnte es schon bemerken. Wie Aldi und Lidl warb KIK mit ganzseitigen Anzeigen für seine Sonderangebote. Das war neu für KIK. Neu war auch, dass mit Ex-Talkshow-Moderatorin Britt erstmals ein prominentes Gesicht für die Werbung verpflichtet wurde. Doch das sollte erst der Anfang sein. Ab August 2009 wird Verona Pooth ihr Gesicht für die KIK-Werbung zur Verfügung stellen.
Verona Pooth: "Gehe zu KIK"
„Natürlich gehe ich auch in KIK-Läden“, kommentierte die eher für Luxus-Shopping bekannte Werbe-Ikone brav ihren Vertrag mit dem Textil-Discounter. Eine Million Gage soll sie dafür bekommen, besagen Gerüchte. Da kommt ein solcher Satz leicht über die Lippen. Geld, das KIK übrig hat, nachdem der Discounter seinen zur Spielzeit 2009/2010 auslaufenden Werbevertrag mit dem Bundesligisten VfL Bochum nicht verlängert hat.
Abwrackprämie contra Mode-Shopping
Zum Strategiewechsel hat den Textil-Discounter aus dem Kreis Unna unter anderem die Abwrackprämie bewogen. Die spricht nämlich offenbar genau die KIK-Zielgruppe an. Die bringt ihr Auto massenhaft zum Schrottplatz und kauft sich einen schmucken Kleinwagen. Häufig auf Pump. Deshalb fehlt das Geld für den Klamottenkauf. Aus Textil-Branche ist zu hören, dass KIK das gehörig weh tut, deshalb sollen nun neue Käuferschichten erobert werden.
Zielgruppe: Weiblich 30 - 50 Jahre
Weiblich, 30 bis 50, regelmäßiges Einkommen. So lässt sich die neue Zielgruppe knapp umschreiben. Aufgrund der Wirtschaftskrise muss auch die Mittelschicht den Euro häufiger zweimal umdrehen. Oder eben bei KIK kaufen, so die Hoffnung des Managements. Verona Pooth ist genau die Frau, die diese Schicht zum Betreten des KIK-Ladens bewegen soll. Die Billig-Kette will unter allen Umständen vom Image "Kaufhaus für Hartz-IV-Empfänger" weg.
„Die Leute laufen nicht mit einer KIK-Tüte durch die Fußgängerzone. Aldi hat dafür auch Jahrzehnte gebraucht“, erklärt Nadine Anniko Kalle, KIK-Unternehmenssprecherin. Zu KIK bekennt sich niemand so selbstbewusst wie zu anderen Discountern. Diesen Prozess soll Verona Pooth nun beschleunigen. Sie soll der Mittelschicht die Schwellenangst nehmen. „Wenn die Pooth da hin geht, kann ich das ja auch tun“ – diese Botschaft soll der Werbestar vermitteln.
Konkurrenz für Karstadt und SinnLeffers
Die Verpflichtung von Pooth könnte für andere eine schlechte Nachricht sein. Die angeschlagenen Konzerne Karstadt und SinnLeffers haben neuerdings (wieder) die Mitte der Gesellschaft im Auge. So kündigte Karstadt-Chef Karl-Gerhard Eick erst vor einigen Tagen an, die Finger vom Luxus zu lassen. Auch deshalb sollen das KaDeWe in Berlin und andere Luxus-Kaufhäuser in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden. Stattdessen wolle man "die profilierte Mitte" als Kundinnen gewinnen. Der Kaufhaus-Konzern muss sich beeilen, sonst war KIK wieder einmal schneller beim Erkennen von Trends.
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