Jörg Haider - Kerzen und Verschwörungstheorien

Vom Versuch den verstorbenen Landeshauptmann unsterblich zu machen

Mythos Haider - mike
Mythos Haider - mike
Lambichl, hier wird von ganz Kärnten gedacht. Von ganz Kärnten? Wohl kaum. Das BZÖ geht mit Hudigung und Vergangenheitsbewältigung in die Zukunft. So lösen sich Probleme.

“Kriegt jetzt künftig jeder, der ang’soffen auf der Straße stirbt, ein Denkmal?“ Man weiß nicht, ob derjenige, der diesen Ausspruch getätigt hat, den Ort des Geschehens unbeschadet verlassen konnte. Gerüchten zufolge konnte man das Repetieren der Gewehre weithin hören.

Lambichl gedenkt und schwört sich auf Verschwörungstheorien ein

Jedenfalls gehört man hiermit in Lambichl zur absoluten Minderheit. 11. Oktober 2009, das Kärtner BZÖ lädt anlässlich des Todes von Jörg Haider vor einem Jahr zur Trauerfeier. An den Ort des Unfalls. Besser gesagt an den Ort des Attentats. Denn Hauptgesprächsthema unter den knapp 1.000 Anwesenden sind Verschwörungstheorien. “Der Jörg wurde verunfallt!“ Wie genau wird nicht gesagt, kann man aber auf diversen Internetseiten nachlesen. Für diese wird auf T-Shirts Werbung gemacht. Und man ist hier und heute unter sich. Da hat ein Biker auf dem einen Oberarm das Haupt Elvis Presleys tätowiert, die andere Seite ziert der Kopf des verstorbenen Landeshauptmanns. Nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, aber zumindest an diesem Tag medienwirksam.

Gedächtnisausstellung und Trauerfeier – Erfolge?

Aber eines ist klar. Nach der offiziellen Eröffnung der Jörg-Haider-Gedächtnisausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum der nächste Versuch des BZÖ nicht auch in Kärnten politisch ins Abseits zu geraten. Und man darf annehmen, dass in den nächsten Tagen die Köpfe rauchen. Denn beide Veranstaltungen waren nicht der erhoffte “Erfolg“. Tatsächlich wird auch Landeshauptmann Dörfler der einfachen Rechnung folgen können. 1000 Kärntner bei den Gedenkfeiern in Lambichl, das heißt, 558.000 Kärntner sind nicht da. Da sollten langsam die Gremien tagen.

Landeshauptmann Dörfler – Verwalten eines Erbes

Überhaupt scheint das Verwalten eines Erbes die wichtigste Aufgabe des BZÖ zu sein. Realpolitisch bedeutenden Aufgaben wird ausgewichen. Und realpolitisch gäbe es viel zu tun. Arbeitslosigkeit in Kärnten hoch wie nie, ernstzunehmende Minderheitenpolitik ein Fremdwort, Verschuldung – alleine 21 Milliarden Haftung für die “Hypo Alpe Adria“; unzählige Projekte, die Haider selbst in Angriff nahm, die ein Jörg Haider einem Großteil der Bevölkerung als Erfolg verkaufen konnte; vor den Baustellen dieser Erfolge stehen nun seine Nachfolger. Und Landeshauptmann Dörfler und Gefolge gehen diese Probleme auf ihre Art an. Sie stehen vor einem Mahnmahl in Lambichl, eröffnen Ausstellungen und klopfen sich auf die Schultern.

“Kaum is da Haida weg, wass ma nimma wos tuan“, scheint eine der dialektischen Aussagen von Lambichl zu sein.

Huldigungspolitik

558.000 sind also nicht gekommen, es scheint so als habe die Talfahrt begonnen, auf Dauer werden sich Wahlen nicht mit Verschwörungstheorien, Huldigungen und Kerzen gewinnen lassen. "Wir Kärntner feiern gemeinsam, aber wir trauern auch gemeinsam, das ist kein Totenkult", sagt Landesparteiobmann Uwe Scheuch und man gibt ihm Recht. Denn es scheint, die Kärntner halten, ein Jahr nach einem Verkehrsunfall, nicht mehr viel von Vergangenheits- und Huldigungspolitik.

A.P.Schlöglmeier, Michael Stoifl

A.P. Schlöglmeier - A.P. (Andreas Pankraz) Schlöglmeier wurde 1970 unter anderem Namen geboren, ist Gastronom, Maler und Schriftsteller. Lebhaft zur ...

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