Hausrat, Unfall, Leben, Auto - für so ziemlich jeden Fall lässt sich eine Versicherung abschließen. Ein beruhigendes Gefühl, wenn sie sinnvoll gewählt ist. Doch das Image der Versicherungsbranche ist schlecht. "Beim Auto muss man hinterher sein, damit man auf dem neuesten Stand bleibt. Ich habe zu teuer bezahlt. Wenn man sich kümmert, dann kriegt man den gleichen Wert zum niedrigen Preis", sagt ein Passant auf einem Parkplatz." Die sind alle falsch, die Versicherungsvertreter, die verarschen uns ...", nimmt ein weiterer ziemlich deftige Worte in den Mund. "Versicherungsvertreter sind in der Regel schlecht ausgebildet", gibt ein dritter zu bedenken.
Misstrauen gegenüber Versicherungsvertretern
Das Misstrauen ist da: Wer einem eine Versicherung verkauft, achtet nur auf die Provision, nicht auf den Kunden, so das gängige Vorurteil. Eine neue Regelung, die deutsche Umsetzung der EU-Versicherungsvermittlungrichtlinie, soll das ändern, und zwar mit einer Art Gütesiegel, dem Eintrag in ein Register: "Es sind im wesentlichen drei Sachen die geprüft werden. Zum einen ist es die Sachkunde, dann die persönliche Zuverlässigkeit und schließlich die Tatsache, dass der Bewerber in geordneten Vermögensverhältnissen lebt, d.h. nicht übermäßig verschuldet ist", sagt Rudolf König von der Industrie- und Handelskammer Siegen. Die IHKs vergeben diese Gütesiegel, lassen sich dazu Schreiben von Finanzämtern und Banken vorlegen. Versicherungsverkäufer, die neu im Geschäft sind, müssen ihr Wissen in einem Lehrgang erwerben, alte Hasen brauchen dies nicht. Weil die Regelung neu ist, die Kammern für die Bearbeitung der Anträge Zeit benötigen und es zahlreiche Übergangsfristen gibt, werden viele Vertreter das Gütesiegel erst einmal nicht vorweisen. Doch egal, ob sie bereits bei der IHK gemeldet sind oder nicht - verhandeln sie mit ihren Kunden, müssen sie jetzt einige Vorgaben beachten: "Der Versicherungsverkäufer sollte sich genau vorstellen und den Kunden erklären, in welcher Eigenschaft er tätig wird, ob als Makler oder ob er an ein Unternehmen gebunden ist."
Makler oder gebunden an nur ein Unternehmen
Das ist nämlich ein großer Unterschied, weiß König: "Wer an ein Unternehmen gebunden ist, wird ein Produkt diese Unternehmens verkaufen. Der Makler muss die Interessen des Kunden an erster Stelle wahren, muss das heraussuchen, was für den Kunden am besten ist, unabhängig von der Versicherung."
Und auch unabhängig von der Provision, die er kassiert. So sollte es zumindest sein. Damit es im Schadensfall keinen Streit gibt, muss das Verkaufsgespräch dokumentiert werden. Wenn zum Beispiel jemand eine Hausratversicherung abschließt, aber auch den Fahrraddiebstahl mit versichern will, scheibt der Versicherungsverkäufe oder Makler diesen Wunsch auf. Dieses Gesprächsprotokoll wird dann von beiden Seiten unterschrieben und zur Versicherungsakte gelegt.
Sicherheit für Verbraucher und Vertreter
"Es gibt ein wesentliches Stück Sicherheit für den Verbraucher, sowohl für den Privatkunden als auch den industriellen Kunden, und auch Sicherheit für den Versicherer. Es beinhaltet zudem ein Stück Wertigkeit, weil ich immer wieder das Protokoll nachprüfen kann, reflektieren kann. Ich halte das für eine wertvolle Sache", sagt Michael Heinz vom Bundesverband der Versicherungskaufleute. Will zum Beispiel die Versicherung ein gestohlenes Fahrrad nicht ersetzen, kann der Kunde mit dem Protokoll nachweisen, dass er genau dies aber beim Vertragsabschluss gewünscht hat, haftet jetzt der Verkäufer oder der Makler für den Schaden. Deswegen müssen Versicherungsverkäufer jetzt auch selbst versichert sein - gegen solche Beratungsfehler.
Nie auf Dokumentation verzichten
Auf keinen Fall, raten Verbraucherschützer, sollten Kunden daher auf die Dokumentation des Verkaufsgespräches verzichten - auch wenn der Versicherungsverkäufer dies anbietet. Selbst wenn es ein guter Bekannter ist, zum Beispiel der Arbeitskollege oder der Kumpel aus dem Fußballverein, der nebenberuflich Bausparverträge verkauft.
Solche Hobby-Versicherungsvertreter wird es nach Einschätzung der IHKs allerdings immer weniger geben - zu hoch sei jetzt der Aufwand für die Beratung und für die eigene Berufshaftpflicht. Michael Heinz: „Es gibt heute schon große Versicherer, die sagen, wir arbeiten mit diesen Nebenberuflern nicht mehr zusammen. Das wird auch dem Anspruch des Kunden nicht mehr gerecht."
