Gründe sind zum Einen fehlende exakte Messwerte und zum Anderen fehlende Erfahrungswerte für die Ausbreitung von Radioaktivität in den Ozeanen. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich im tiefsten Binnenland der heutigen Ukraine und zog nicht weniger schwerwiegende, jedoch anders gelagerte Probleme nach sich.

Verstrahltes Kühlwasser wurde bewusst in den Ozean abgeleitet

Um den 4. April 2011 ließ Tepco als Betreiber des Havarie-Atomkraftwerkes Fukushima an der Ostküste des Stillen Ozeans circa 12 Millionen Liter radioaktiv verseuchtes Wasser direkt in das offene Meer laufen. Das Wasser hatte zur Kühlung der beschädigten Atomreaktoren gedient. Die Kapazitäten zur Speicherung des ausgedienten Kühlwassers seien erschöpft gewesen, hieß es von Seiten des Konzerns. So wurde zunächst das schwächer kontaminierte Wasser in den Pazifik eingeleitet, um stärker verstrahltes Kühlwasser zwischenlagern zu können.

Grenzwert für Radioaktivität 100-fach überschritten

Nach Focus online lag die Strahlenbelastung des Wassers aus dem Atomkraftwerk Fukushima, das in den Pazifik gelangte, um das Einhundertfache über dem rechtmäßig zulässigen Höchstwert. Selbst die Japanische Regierung äußerte Befürchtungen vor katastrophalen Auswirkungen für die Flora und Fauna der Meeresumwelt sowie die Gesundheit, sollten noch mehr und stärker verstrahltes Wasser aus den Unglücksreaktoren in den Pazifik gelangen. Es muss verhindert werden, dass verseuchtes Kühlwasser in das Meer eingelassen wird und sich weiter ausbreiten kann.

Dieser Meinung schloss sich Russland an und schickte das Spezialschiff „Landysch“, um den flüssigen Atommüll gezielt abzupumpen und so zu behandeln, dass er unschädlich gemacht würde. Das Makabere an der Aktion ist, dass Japan die schwimmende Aufbereitungsanlage vor zehn Jahren mit umgerechnet 25 Millionen Euro finanziert hatte. Dadurch sollte Abfall von ausgemusterten russischen Atom-U-Booten sicher entsorgt werden.

Zum Zeitpunkt der bewussten radioaktiven Kontamination des Küstenwassers suchte der AKW-Betreiber Tepco noch das Leck, aus dem radioaktive Strahlung austrat. Dazu wurde das Kühlwasser mit Badesalz eingefärbt. Am 6. April 2011 berichtete die Financial Times Deutschland von der Erfolgsmeldung, dass das Leck an Reaktor II laut Aussagen Tepcos mit Flüssigglas abgedichtet werden konnte.

Radioaktives Kühlwasser im Pazifik bedroht Meeresökosysteme und Gesundheit

Nichts desto trotz ist die Lage im AKW Fukushima noch immer kritisch. Zudem sind bereits Millionen Liter an verstrahltem Kühlwasser in den Ozean geströmt. Die genaue Zusammensetzung des Kontaminationswassers ist nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass neben radioaktivem Jod-131, vor allem Cäsium, Strontium und vermutlich auch Plutonium enthalten waren. Schwere Stoffe sinken auf den Meeresgrund und setzen sich dort im Boden ab. Darum sind Lebewesen und Organismen wie Phytobenthos und Makrozoobenthos zuerst betroffen. Phytobenthos sind Pflanzen (Algen) der Gewässerböden (Benthos). Unter Makrozoobenthos werden die am und im Gewässergrund lebenden aquatischen Wirbellosen, die mit bloßem Auge erkennbar sind, zusammengefasst. Hierzu zählt die Vielfalt der Muscheln. Für Meeresorganismen aller Art gilt ein maximaler Wert von 400 Mikrogray. An der Pazifikküste um das betroffene AKW wurde dieser Wert immens überschritten, etwa um das 4385-fache bei Jod-131, informierte der Stern am 4. April 2011. Dort darf nicht gefischt werden. 30 Kilometer von der Küste entfernt sollen noch keine erhöhten Werte gemessen worden sein. Allerdings dauere es sieben bis 14 Tage, bis das Strahlenwasser bis dorthin geflossen ist.

Über verstrahlte Nahrung in die ganze Umwelt

Wenn nicht direkt durch den Verzehr von Meeresfrüchten, können die radioaktiven Substanzen spätestens nach der Aufnahme verseuchter Nahrung und verstrahlten Wassers durch die Fischfauna in die Nahrungskette bis auf die Teller der Menschen gelangen. Russland verhängte inzwischen ein Einfuhrstopp für Fisch aus Japan und zog damit die Konsequenz aus der ins Meer geleiteten Strahlenbrühe, so die Financial Times Deutschland. Die Schadstoffe werden in der gesamten Umwelt zirkulieren, denn Fische mit eingelagerten radioaktiven Substanzen werden von Vögeln gefressen, diese von anderen Räubern usw.. Ein Teil der schädigenden Stoffe wird sich an Partikel gebunden mit den Meeresströmungen in Richtung Nordosten ausbreiten können. Auch wenn sich die radioaktiven Substanzen im Wasser zunehmend verdünnt verteilen, kann keine Entwarnung gegeben werden.

Langzeitwirkungen von Cäsium, Strontium und Plutonium

Die Konzentration von Jod-131 soll den Grenzwert nunmehr bei Weitem überschreiten. Dennoch ist diese Schilddrüsen belastende Substanz mit einer biologischen Halbwertszeit von 80 Tagen hinsichtlich der Langzeitwirkung nicht so sehr problematisch wie Cäsium, Strontium oder Plutonium. Die physikalische Halbwertszeit von Cäsium beträgt 30 Jahre. Cäsium wird in alle Zellen verstoffwechselt, belastet also den gesamten Körper. Strontium weist eine biologische Halbwertszeit von sogar 50 Jahren auf und wird ähnlich wie Cäsium in die Knochen eingebaut. Die lang anhaltende Strahlenbelastung ist gefährlich für das blutbildende Knochenmark und kann Auslöser für Leukämie werden. Die Risikogruppe machen die Kinder aus, da sie sich im Wachstum befinden und verstärkt Stoffe einlagern. Gesundheitliche Schäden, wie Krebs, Veränderungen an Keimzellen und Erbanlagen können erst nach vielen Jahren und in mehreren Generationen auftreten. Mineralstoffreiche Nahrung setzt die Resorption radioaktiver Elemente herab.

Kontrollen sind besser als Vertrauen

Besonders wichtig wäre es, die Werte in und außerhalb der Sperrzone kontinuierlich zu kontrollieren. Ganz entscheidend für das endgültige Ausmaß des nuklearen Unglücks in Fukushima werden neben der weiteren Entwicklungen des havarierten Atomkraftwerkes die Kontrollen sein. Je zuverlässiger und kontinuierlicher gemessen wird, desto eher könnten Fischprodukte und Meeresfrüchte, die für den Verzehr gesundheitlich bedenklich einzustufen sind, aus dem Verkehr gezogen werden. Staatliche Grenzeingangskontrollen für Meeresfrüchte aus dem Pazifik hinsichtlich ihrer Strahlenbelastung sollen an Häfen eingeführt worden sein.

Quellen: