Versunkene Schätze: Auf der Goldspur der Konquistadoren

Schatztruhe. Schaufensterauslage in Rio de Janeiro - tokamuwi / pixelio.de
Schatztruhe. Schaufensterauslage in Rio de Janeiro - tokamuwi / pixelio.de
Die Goldgier der spanischen Eroberer war unermesslich. Ihre Beute schickten sie auf Schiffen übers Meer in die Alte Welt. Doch viele kamen nicht an.

Die Konquistadoren führten im 16. und 17. Jahrhundert ihre blutigen Beutezüge von Mexiko bis Peru. Ihr Motiv: die sagenhaften Goldschätze der Azteken und Mayas. Die wertvolle Fracht wurde auf die Karavellen verfrachtet und sollte den langen Weg über den Atlantik nach Spanien antreten. Doch die Segler der Eroberer waren viel zu überladen. Oftmals gerieten die Schiffe in ein tropisches Gewitter oder in einen Wirbelsturm und versanken rettungslos in den Fluten. Oder aber sie wurden von Piraten gekapert, die in der Karibik ihr Unwesen trieben.

Schätze aus Gold, Silber, Edelsteinen, Keramiken, Perlen und Waffen im Wert von rund 50 Milliarden Euro liegen noch auf dem Meeresgrund. Eine Herausforderung für wagemutige Abenteurer, die mit modernstem Gerät - Sonar, Laserkameras und ferngesteuerten Mini-U-Booten – diesen Schätzen auf der Spur sind.

Endstation Bermudas

Die größten Schiffsfriedhöfe finden sich vor der Küste Mittel- und Südamerikas. In den tückischen flachen Riffen und den gefürchteten Windflauten der Sargasso-See vor den Bermudas liegt das nasse Grab der spanischen Schatzgaleonen, die auf dem Weg von Havanna durch die Straße von Florida einem Hurrikan zum Opfer fielen oder von Piraten versenkt wurden:

In der "Tortugas"-Falle versanken im Hurrikan am 4. September 1622 gleich 12 von 28 Karavellen eines spanischen Konvois, nur einen Tag nach dem Auslaufen aus Havanna. Eine 25 Meter lange Karavelle wurde bislang in 400 Meter Tiefe geortet, 17.000 Gegenstände geborgen, unter anderem Feldsteine, die im Bug lagen und die wertvolle Fracht ausbalancieren sollten. Hier fand der berühmte amerikanische Schatztaucher Mel Fisher 1986 auch das Wrack der Atocha, eine spanische Galeone, die 1622 im Sturm vor Havanna unterging. An Bord befanden sich zwei Millionen Pesos in Gold und Silber – nach heutigem Wert etwa 600 Millionen Euro.

In der Nähe der Atocha – vor der Küste von Hispaniola (heute: Dominikanische Repubilk) - lief die NS. De la Conception, ein mit mehr als 100 Tonnen Gold und Silber beladenes Schiff, am 31. Oktober 1641 auf ein Riff. Von 300 Matrosen überlebten nur wenige. Der Millionenschatz wurde noch nicht geborgen.

Versunken in Stürmen, gekentert an Riffen, geentert von Piraten

Der Frachter Tolosa kam 1724 aus Europa und brachte Nachschub in die Kolonien: Kanonen, Pulver, Wein, wertvolles Porzellan und Schmuck. Doch die Fahrt der Tolosa endete an einem Korallenriff, als das Schiff plötzlich in einen tosenden Sturm geriet. Von 600 Mann überlebten nur 40 – sieben retteten sich in den Topmast, der noch aus dem Wasser ragte.

Vor Serranillas, südlich von Kuba gelegen, versanken am 6. November 1605 vier Schiffe aus der Flotte von Luiz Hernandez de Cordoba. Die Ladung, bestehend aus 2297 Tonnen Gold, Silber und Smaragden aus Kolumbien mit einem Schätzwert von 500 Millionen Euro, wurde nie geborgen.

Acht Kilometer südlich der Westspitze der Isla Coche explodierte 1815 das mit 74 Kanonen bestückte spanische Kriegsschiff San Pedro. Alle 500 Matrosen starben. An Bord befand sich eine Fracht im heutigen Wert von mehreren Millionen Euro.

Das Riff von Chanduy vor Ecuador war Endstation der Santa Clara, die hier 1681 im Sturm versank - mit 100.000 Gold-Dukaten an Bord. Im gleichen Jahr, am 14. September, enterten Piraten die spanische Galeone Rosario. Doch die 700 Rohsilberbarren an Bord blieben unbeachtet – die Seeräuber hielten sie für Zinn.

Piratennester und Schatzinseln

Eine Piratenhochburg im 17. Jahrhundert war Port Royal im Südosten von Jamaica. Hier hielten die Seeräuber entführte Spanier fest, um hohe Lösegelder zu erpressen. In Port Royal plante der berüchtigte Freibeuter Henry Morgan 1669 auch einen Angriff auf einen kolumbianischen Hafen. Doch sein Flaggschiff, die Oxford, sollte nie auslaufen – Pulverfässer an Bord gerieten in Brand, das Schiff flog in die Luft, samt Kapitän Morgans sagenhaftem Schatz.

Die Eilande der Antillen gelten als mögliche Schatzinseln. Auch auf der kleinen Isola Misteriosa bei Kuba sollen schiffbrüchige Piraten Gold vergraben haben – vermutlich in unterirdischen Kasernen, deren Eingänge unter der Wasserlinie liegen.

Reinhard Hauke - 45 Jahre alt, Online-Redakteur und Webdesigner. Themen: Geschichte, Archäologie, Natur und Umwelt, Reisen

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