Die deutschen Kolonien wurden lange mit einer gewissen Hagenbeck-Romantik dargestellt. Bunte, friedfertige Völkchen, die dankbar waren, wenn ihnen die liebenswerten und grundgütigen, deutschen Kolonialherren die Last des Regierens und Verwaltens abnahmen. Kolonialisierung als Selbstverwirklichung. Nun gab es aber in allen Teilen des deutschen Kolonialreiches Eingeborene, denen die Erkenntnis der segensreichen Wohltat deutscher Kolonialherrschaft aus welchen Gründen auch immer versagt blieb. Wehe aber, es wurde gewagt, aufzumucken. Dann stritten die deutschen Kolonialherren für die guten Eingeborenen, welche die Errungenschaften weißer (nein, besser: deutscher) Kultur zu würdigen wussten. Und gegen jene, welche die ungebetenen Gäste (Kolonialherren) nicht im eigenen Lande haben wollten.
Unbarmherzige Kolonialherren in der Südsee
Ein Beispiel für die Unbarmherzigkeit deutsche Kolonialherrschaft ist der allgemein vergessene Krieg in der Südsee. Die Rebellion, der Aufstand der Sokehs auf Ponape gegen die deutschen Kolonialherren in den Jahren 1910/1911. Ponape gehört heute zu den „Föderierten Staaten von Mikronesien“, nachdem die Insel nach der deutschen Kolonialzeit zuerst von Japan im Auftrag des Völkerbundes, dann von den USA im Auftrag der Vereinten Nationen verwaltet worden war. Mikronesien liegt, grob gesagt, zwischen Papua-Neuguinea und Hawai. Erst 1899 war das Gebiet, das vorher zum spanischen Einflussbereich gezählt wurde, durch entsprechende Vereinbarungen „unter deutschen Schutz“ gekommen.
Der Aufstand der Sokeh auf Ponape
1910 kam es dann auf der Insel Ponape, welche zu den Karolinen gehört, zum Aufstand der Eingeborenen. Zum Aufstand des Volkes der Sokeh. Die Ursachen dafür waren sicher vielschichtig. Rücksichtslose Erziehungs- und Veränderungswut der Deutschen genauso, aber auch vorhandene Spannungen unter den Eingeborenenvölkern und sicher auch Machtkämpfe der führenden Köpfe innerhalb der einzelnen Völker. Der Gerechtigkeit halber muss auch gesagt werden: Es gab unter den deutschen Kolonialbeamten problembewusste Praktiker, welche vielleicht hätten vermeiden können, was durch mehr oder weniger verbohrte Theorie vom Schwelbrand zum Flächenbrand wurde. Landungs- und Expeditionskorps der kaiserlichen Marine mussten den Willen der Kolonialherren vollstrecken.
Die Vernichtung eines ganzen Volkes
Für die Sokeh kam der Aufstand der Vernichtung des Volkes gleich. 17 der führenden Köpfe des Volkes wurden von den deutschen in einem sicher zweifelhaften Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt. Während Verwaltung und Militär erstaunlich um Gerechtigkeit im damaligen Sinne bemüht waren, drangen dagegen gerade die Missionare auf Vergeltung und Rache. Auch kein schönes, sondern eher ein abschreckendes Bild vermeintlicher Gottesdiener, das jedoch keinesfalls auf ihre heutigen, sichtlich um Aufklärung bemühten Ordens- und Missionsbrüder übertragen werden darf.
Deporation, Verreibung, Todesstrafe
Die gnadenlose Jagd auf die Sokeh fand ihren krönenden Abschluss in der Deportation, der Heimatvertreibung, der Entwurzelung des ganzen Volkes. Nicht die Todesstrafen und die zwölf zu Zwangsarbeit verurteilten Rebellen, allein schon hart genug, vernichteten dieses Volk. Die Verschleppung wurde hier, wie so oft in der Geschichte, zum Genocid, zum Völkermord.
Das Buch lohnt sich
Viel Unbekanntes und Ungereimtes hat sich da ereignet. Thomas Morlang hat intensiv recherchiert, geht einfühlsam, fair und objektiv mit der Rebellion, dem Krieg in der Südsee um. Das Buch „Rebellion in der Südsee – Der Aufstand auf Ponape gegen die deutschen Kolonialherren“, Paperback, 200 Seiten, ISBN 978-3-86153-604-8 ist im Christoph Links Verlag Berlin zum Verkaufspreis von € 24,90.- erschienen. Ein Buch, das für jeden, der an der Geschichte der deutschen Kolonien ernsthaft interessiert ist geradezu ein „Muss“ darstellt.
