Verursacht Facebook Stress?

Birgt Facebook versteckte Gefahren? - Sean MacEntee
Birgt Facebook versteckte Gefahren? - Sean MacEntee
Lachen Sie nicht - das Facebook-Stress-Syndrom ist ein durchaus ernst zu nehmendes Problem, das rund 10 Prozent aller Benutzer betrifft.

Laut einer an der Edinburgher Napier-Universität durchgeführten und vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie leidet eine beachtliche Minderheit von Facebook-Nutzern an von Facebook ausgelösten Angstgefühlen. Je mehr “Freunde” ein Benutzer hat, um so größer ist der Stress.

Was sind typische Facebook-Risiken?

Einer von zehn Befragten gab an, sich von Facebook gestresst zu fühlen, und drei von zehn Befragten bekannten Schuldgefühle nach Ablehnung von Freundschaftsanfragen. Gerade diese Einladungen von Facebook-Freunden scheinen eine besondere Quelle von Unsicherheit zu sein: 10 Prozent der Befragten lehnten sie ganz ab und zwei Drittel (63 Prozent) gaben zu, ihre Beantwortung so lange wie möglich hinauszuzögern.

Die Studie fand auch heraus, dass den Gefühlen von Angst, Stress und Unsicherheit wenig positive Faktoren gegenüberstehen, die sie neutralisieren könnten. Der Druck von Gleichaltrigen zwingt viele Benutzer, überhaupt auf Facebook zu sein, ohne dass sie die Vorteile des sozialen Netzwerks klar benennen könnten.

Auslöser des Facebook-Stress-Syndroms

Dr. Kathy Charles, Leiterin der Studie, vergleicht Facebook mit Spielsucht: “Wie beim Glücksspiel lässt Facebook seine Benutzer in einer Art neurotischer Schwebe, in der sie nicht wissen, ob sie noch eine Weile ausharren sollen oder nicht, um ja nichts Gutes zu verpassen.” Und gerade dieses unproduktive Ausharren ist es, das Angstzustände beziehungsweise Unzufriedenheit hervorruft.

Benutzer mit vielen “Freunden” (mehr als 500) empfinden sich als Mini-Fernsehkanal, auf dem sie ständig Neuigkeiten über sich senden müssen. Je mehr Kontakte, desto größer ist das Publikum und damit der Druck, sich darzustellen. “Man ist ein Mini-Prominenter und je größer das Publikum ist, um so größer ist der Druck, Nachrichten über sich selbst zu produzieren,” erklärt Dr. Charles.

Wie benutzt man Facebook, ohne sich stressen zu lassen?

Mit 500 Millionen Facebook-Nutzern weltweit kann man sich dem Einfluss von Facebook schlecht entziehen. Und es macht ja auch Spaß und ist ein schneller Weg, mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben. Wichtig ist, sein Facebook-Verhalten kritisch zu betrachten und bei überwiegend negativen Gefühlen wie Stress, Angst oder Unsicherheit doch einmal die Notbremse zu ziehen und sich eine Weile aus dem sozialen Netz auszuklinken.

Mit 175 Studierenden war die Zahl der Befragten der oben genannten Studie nicht nur klein, sondern auch einseitig. Tatsächlich haben vorherige Studien herausgefunden, dass Facebook durchaus die soziale Kompetenz fördert. Fest steht, dass weitere, größer angelegte Studien folgen müssen, um Facebook-Risiken und (Neben-)Wirkungen auf das Sozialverhalten und das persönliche Wohlbefinden zu ergründen.

Wem Facebook zu stressig ist, der kann ja Twitter versuchen - hier wird’s erklärt. Übrigens geht Twittern auch auf Deutsch und vom Handy.

Quellen:

  • BBC News. “Facebook 'friends' cause stress, research finds”. BBC.co.uk, 16. Februar 2011
  • Napier-Universität Edinburgh. “Facebook stress linked to number of ‘friends’”. Napier.ac.uk, 16. Februar 2011
  • Süddeutsche Zeitung. “Facebook-Freunde steigern den Stress”. Sueddeutsche.de, 18. Februar 2011.
Simone Preuss, Steffen Löffler

Simone Preuss - Simone Preuss ist freiberufliche Autorin und Übersetzerin (Englisch–Deutsch, Deutsch–Englisch). Nach dem Studium der ...

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