In Deutschland brachten zwei Studenten alles ins Rollen: Markus Deindl (25) und Josef Kiener (33) planten ein Projekt im Fach Erlebnispädagogik. Dazu nahmen sie im März 2008 das Videospiel Wii von Nintendo mit in ein Münchner Pflegeheim und luden eine Gruppe Senioren zum Bowlingspiel ein.
Nach der viertelstündigen Einweisung entpuppte sich die immer munterer werdende Truppe als talentiertes Bowlingteam. Vier Seniorenheime später war schließlich die Idee für einen deutschlandweiten Bowling-Wettbewerb geboren, zu dem sich interessierte Senioreneinrichtungen auf der extra dafür eingerichteten Website „Senioren an die Konsole!“ anmelden können.
Ein Videospiel, das von Senioren Körpereinsatz und Köpfchen erfordert
Das Besondere an diesem Videospiel ist sein intuitives Steuersystem. Der Spieler sitzt nicht passiv im Sessel und drückt wild mit den Daumen auf eine Fernbedienung (gamepad). Vielmehr ist bei Wii sein ganzer Körpereinsatz gefragt. Beim virtuellen Wurf Richtung Kegel am Ende der Bahn schwingt der Spieler also tatsächlich seinen Arm wie beim Bowling. Statt der schweren Kugel hält er die kabellose Fernbedienung (Wii-Remote) in seiner Hand und nimmt den Finger vom Knopf, sobald die Kugel seine Hand verlassen soll. Das Ziel liegt in sicherer Entfernung auf dem Bildschirm des heimischen Fernsehgerätes. Bewegungssensoren im Bedienteil registrieren dabei jede Bewegung, die in Echtzeit verarbeitet und als Aktion einer Figur auf dem Bildschirm sichtbar wird.
Nach den ersten Versuchen verbessert sich der Bewegungsablauf von Wurf zu Wurf, dabei kommt es unter anderem auf den Wurfwinkel oder die eigene Positionierung auf der Bowlingbahn an. Unmerklich werden dabei motorische Fähigkeiten trainiert, Wahrnehmung, Reaktion und Geschicklichkeit gefördert und schließlich auch noch der Kreislauf in Schwung gebracht - ein seniorengerechtes Training für alle Sinne also. Außerdem bringt das Spiel allen Beteiligten ganz offensichtlich eine Menge Spaß, es entstehen komische Situationen mit großem Gelächter.
Spielspaß für drei Generationen
Student Deindl kam auf die Projektidee übrigens während eines Familienfests. Da sollte das Konsolenspiel eigentlich die kleineren Gäste bei Laune halten. Am Ende aber lieferten im Tennis-Doppel die Großeltern den Enkeln ein heiß umkämpftes Match.
Und so schafft es Wii nicht nur, Senioren in Schwung zu bringen, sondern vereint die ganze Familie vom Enkel bis zur Oma im Wohnzimmer bei gemeinsamen virtuellen Aktionen. An einer Schule in Niedersachsen wird Wii im Pilotprojekt schon im Sportunterricht eingesetzt. Abwechslung könnte das neue Spiel künftig auch in traditionelle Damen-Kaffeekränzchen oder ehrwürdige Skatrunden bringen. In Seniorentreffpunkten erweitert Wii das gewohnte Angebot an Brett- und Gesellschaftspielen. Mit seiner Hilfe lassen sich soziale Schranken einfacher überwinden und Kontakte leichter knüpfen.
Gute Erfahrungen machten die beiden Projektleiter aber auch mit einer Gruppe Demenzkranker. Den hoch betagten Damen und Herren, die sich nurmehr schwer in der Realität zurechtfinden, fiel es besonders leicht, sich auf das virtuelle Spiel an der großen Leinwand einzulassen – auf die die Münchner Studenten das Geschehen auf der Bowlingbahn mit einem Beamer projeziert hatten.
Wii als ideales Weihnachtsgeschenk für Senioren
Wer sich und/oder seinen Angehörigen unterhaltsame und anregende Feiertage bescheren möchte, zahlt für das Wii von Nintendo rund 250 Euro. In diesem Grundpaket stecken die Wii-Konsole, eine Remote (Fernbedienung mit Bewegungsensoren) und die Software mit fünf Sportspielen (Golf, Bowling, Tennis, Boxen und Baseball). Für die Ausübung von Sportarten, bei denen man beide Hände benutzt wie beim Boxen, empfiehlt sich der Kauf eines zusätzlichen Nunchuk-Controllers für rund 20 Euro. Auch wenn wie beim Tennis-Doppel zum Beispiel vier Spieler gleichzeitig in Aktion treten wollen, sollte man ausreichend Wii-Remotes (Einzelpreis circa 40 Euro) zur Verfügung haben.
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