
- Mindo - Malte Fähnders
Über allem thront der mächtige Pichincha. Auch ihm ist es zu verdanken, dass es blüht und sprießt und kreucht und fleucht und schwirrt in und um Mindo. Der uralte, aber noch aktive Vulkan Pichincha war vor mehr als achtzig Jahren ausgebrochen. Seine Lava hat den Boden der Umgebung bereichert, auch in Mindo.
Der Nebelwald rund um Mindo
Jeden Morgen scheint die Sonne. Immer. Erst zu Mittag stauen sich die Wolken vor dem ansteigenden Bergmassiv der Anden. Am Nachmittag kommt dann sehr häufig Regen. Je nach Jahreszeit ist es ein feiner Nieselregen für kurze Zeit oder ein stundenlanger Guss, ähnlich fast den vielen Wasserfällen in der Umgebung.
In solch klimatischen Verhältnissen wuchert die Pflanzenwelt ungebändigt. Allein die Vielfalt an Orchideen ist gewaltig. Die kerzengeraden Papayabäume wachsen, wo es sie hintreibt. Für alle Lebewesen scheint der Tisch reich gedeckt, und die eine Vielfalt folgt der nächsten. Mindo gewann sogar einmal einen internationalen Preis für die größte Vielfalt an Vogelarten. In jedem Jahr wird erneut gezählt. Die Zahl der einheimischen Vogel-Experten nimmt stetig zu. Ornithologen aus dem Ausland finden in Mindo daher viele mehr oder weniger gute Führer.
Der Tourismus boomt im ekuadorianischen Dorf
Inzwischen kennt fast jeder Ekuadorianer das Dorf Mindo aus Erzählungen. Neben den Galapagos-Inseln und dem Markt in Otavalo ist Mindo zu einem wichtigen Reiseziel innerhalb Ecuadors geworden. Das Dorf wächst unaufhaltsam. Aus den 800 Einwohnern von vor zehn Jahren sind 2500 geworden. Mehr als 60 Hotels gibt es in und um Mindo. An den Wochenenden kommen so manches Mal mehrere Busladungen von einheimischen Touristen aus der nahen Hauptstadt Quito. Doch nach dem Wochenende ist der Spuk wieder vorbei und Ruhe kehrt in das Dorfleben ein.
Die Entwicklung wird von den Dorfbewohnern durchaus kritisch gesehen. Zwar verdienen viele Menschen sehr gut am Tourismus, es entstehen Arbeitsplätze in den Hotels und, anders als in den Dörfern in der Nähe, hat Mindo bereits vier Internetcafés, die auch von den Dorfbewohnern genutzt werden. Jedoch verdrängen die vielen Menschen die Tiere, derentwegen die ersten Touristen einst nach Mindo kamen. Immer seltener entdeckt man einen Tucan auch im Dorf. Besucher müssen schon ein paar Kilometer wandern, bis sie einen der Vögel sehen können. Außerdem wollen viele Jugendliche lieber kurzfristig an den Touristen verdienen als mühsam in der Landwirtschaft oder einem traditionellen Handwerksberuf zu arbeiten. Gerade die ältere Generation betrachtet diese Entwicklung durchaus mit Sorge.
Mindo - Ein internationaler Treffpunkt
Manche Besucher bleiben. Der Ort lässt sie nicht los. Sie wollen den Ort nicht verlassen. Belgier, Schweizer, US-Amerikaner, Deutsche - viele Leute kommen nicht mehr weg. Es entstehen neue Projekte, ein Kinderhaus, ein Öko-Hotel oder ein Schulungszentrum für ökologischen Landbau. Volontäre aus aller Welt unterrichten an der Schule. Die Vielfalt ist enorm.
Mindo ist in jedem Fall eine Reise wert. Dieser Ort hat seine ganz eigene Magie. Doch die gilt es auch zu bewahren, sonst verliert Mindo seinen Zauber. Wenn Besucher bewusst alle Lebewesen respektieren wollen, kann eigentlich nur wenig schief gehen.
