Vielseitige Kokosnuss

Die Philippinen sind zweitgrößter Exporteur

Vitaminreicher Bukosaft aus der Kokosnussschale - (G. Dürselen)
Vitaminreicher Bukosaft aus der Kokosnussschale - (G. Dürselen)
Die Philippinen sind nach Indonesien der zweitgrößte Kokosnussexporteur der Welt: Ein Viertel der landwirtschaftlichen Anbaufläche ist für den Kokosnussanbau reserviert

Etwa drei von zehn Philippinos leben vom Anbau und der Verarbeitung der Kokosnuss. Ganze Landstriche sind in den Philippinen mit den bis zu 30 Meter hohen Palmen bedeckt. Wo einst dichter Regenwald die über 7000 philippinischen Inseln bedeckte, stehen jetzt Kokosplantagen.

Die Kokosnuss hat für jeden Tag des Jahres eine andere Verwendung, sagen die Philippinos und nennen die Kokospalme darum den "Baum des Lebens": Die Früchte sind Nahrungsmittel und dienen der Seifen- und Kosmetikherstellung. Die Fasern der Fruchthülle sind hart und widerstandsfähig; darum werden aus ihnen Teppiche und Matten, Seile und Netze gefertigt. Das Holz der Kokospalmen nutzen philippinische Farmer als Brennstoff und zum Bau ihrer Häuser. Mit den Blättern decken sie ihre Dächer, und sie verarbeiten sie zu Besen. Mit den halbierten Schalen der Kokosnüsse säubern die Frauen den Fußboden.

Bio-Treibstoff

Spätestens seit dem Frühjahr 2008 ist die Kokosnuss wegen eines weiteren Verwendungszweckes im Gespräch: Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic unternahm einen Testflug von London nach Amsterdam: Die A 380 war mit Biosprit aus Kokosnussöl, unter anderem aus den Philippinen, betankt. Fluggesellschaftseigner Sir Richard Branson sprach von einem "historischen Durchbruch" für die gesamte Branche und hielt es für möglich, dass schon in zehn Jahren Verkehrsflugzeuge mit Biokraftstoff fliegen werden.

Allerdings flog bei dem Testflug nur eines der vier Triebwerke mit einem Gemisch aus herkömmlichem Treibstoff und Biokraftstoff. Experten sagen voraus, dass bis zum routinemäßigen Einsatz noch viel geforscht werden müsse. Bei aller Begeisterung über den Biosprit gibt es auch viele Kritiker. Diese monieren, dass wegen des Biotreibstoffs Monokultur in den Anbaugebieten entstehe. Dies beeinträchtige die Biodiversität; außerdem gingen wertvolle Anbauflächen für die Produktion von Lebensmitteln verloren. Die Philippinen gelten noch immer als ein Hot Spot der Artenvielfalt: Wird immer mehr Regenwald zugunsten der Biospritplantagen abgeholzt, gehe diese Vielfalt bald verloren, sagen die Naturschützer dem Inselstaat voraus.

Die Kopra

63 bis 70 Prozent Fett enthält das Kokosfleisch: ideal für die Herstellung von Öl. Daraus werden Seifen, Kosmetika, Speisefett und Kerzen hergestellt. Grundlage für die Ölgewinnung ist die Kopra - das getrocknete Kokosfleisch.

Kokosnuss in Medizin und Kosmetik

Philippinische Frauen behandeln ihr Haar vor dem Waschen mit warmem Kokosnussöl: Das Haar soll dadurch glänzend und fest werden. Als beliebtes Erfrischungsgetränk wird der vitaminreife Saft der noch unreifen Kokosnuss angeboten. Der Bukosaft wird in der grünen, halbierten Kokosnussschale serviert. Im Gegensatz zum Kokosnussfleisch enthält der Saft nur wenig Fett, dafür aber umso mehr Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Bis zu einem halben Liter Bukosaft enthält eine einzige Kokosnuss. Er soll unter anderem helfen gegen Darmparasiten und Vergiftungen. Außerdem gilt er als entwässernd und anregend für die Verdauung und die Nieren.

Kokosnusswein

Tuba heißt der Wein, den die philippinischen Farmer aus dem Saft des Kokosnuss-Stammes gewinnen: Dazu ritzen sie die Blüten der Kokosnuss an, hängen ein Gefäß unter die Tropfstelle und können bereits nach einem Tag bis zu fünf Liter süßen Kokoswein ernten. Mit Hilfe des natürlichen Zuckers geht der reine Palmsaft rasch in Alkohol über. Wer den Tubawein etwa einen Monat lang gären lässt, bekommt Kokos-Essig. Durch Destilation entsteht der beliebte Lambanog - der Kokosschnaps. Die Palmen, die zur Schnaps- und Weinherstellung benutzt werden, tragen keine oder nur kleine Früchte. Zu erkennen sind sie an den Tritten, die die Bauern in die Rinde gehauen haben: Um an den Saft der Palme zu kommen, muss der Farmer klettern - die Frucht dagegen erntet er mit einer langen Stange.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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