Vier Fäuste für den Gmündner Bud Spencer-Tunnel

Wird es den Bud Spencer-Tunnel tatsächlich geben? - wrw  / pixelio.de
Wird es den Bud Spencer-Tunnel tatsächlich geben? - wrw / pixelio.de
Kennen Sie das Städtchen Schwäbisch Gmünd? Vermutlich nicht. Doch vielleicht haben Sie in den letzten Tagen schon davon gehört oder werden noch davon hören.

Bauprojekte in Baden-Württemberg sind nicht erst seit Stuttgart 21 eine heikle Sache, besonders wenn es darum geht, die Bevölkerung umfassend einzubinden. Während in der Landeshauptstadt nicht einfach nur ein Bahnhof unter die Erde verlegt wird, so wird in Schwäbisch Gmünd auch nicht einfach nur ein Tunnel gebaut. Nein, es wird ein Tunnel mit Bürgerbeteiligung gebaut. Und da die Einwohner beim Bau nicht selbst mit anpacken können, hat man sich in der 60.000-Einwohner-Stadt im Osten Stuttgarts gedacht, man lässt sie an der Namensfindung partizipieren. Wenn die großen in der Landeshauptstadt ein Referendum über den Bau des Bahnhofs machen, will man hier wenigstens eine Abstimmung über den Namen des Tunnels auf der Internetseite von Schwäbisch Gmünd. Vorbildliche Basisdemokratie nennt man das wohl.

Schwäbisch Gmünd als Musterbeispiel der Basisdemokratie

Oberbürgermeister Richard Arnold und sein Gemeinderat hatten dabei aber nicht mit dem Erfindungsgeist und der Dynamik der Internetgemeinde gerechnet. So setzte sich nach der üblichen anfänglichen Zurückhaltung bei einer solchen Aktion schließlich ein Namensvorschlag durch: Bud Spencer. Den regionalen Bezug erfüllte der Vorschlag mit links, denn der Western-Star hatte zu seiner Zeit als italienischer Profischwimmer unter seinem bürgerlichen Namen Carlo Pedersoli in den 1950er Jahren an einem Wettkampf in Schwäbisch Gmünd teilgenommen. Angefeuert von einem inzwischen 70.000 Mitglieder starken Aufruf auf Facebook setzte sich der „Bud Spencer-Tunnel“ daraufhin zunehmend durch, die vorbildlich demokratische Abstimmung hatte sich verselbstständigt. Seitdem ist Schwäbisch Gmünd im Ausnahmezustand.

Der Medienrummel um den Bud Spencer-Tunnel ist groß

Zahlreiche regionale und nationale Medien, wie Spiegel Online, der Stern oder Sat1 haben über die Sache berichtet und sogar der potentielle Namensgeber selbst hat sich zu Wort gemeldet. So ließ Bud Spencer durch seinen Verlag verlauten, dass er gerne bereit wäre, zur Einweihung des Tunnels nach Schwäbisch Gmünd zu kommen, sollte das Bauwerk zukünftig tatsächlich seinen Namen tragen.

Zwar lief die Abstimmung nur bis zum 25. Juli 2011, doch durch die Initiative der Internetgemeinde und den erzeugten Medientrubel scheint das Ergebnis eindeutig auszufallen. Dieses wird jedoch erst am 27. Juli 2011 auf der Gemeinderatssitzung in Schwäbisch Gmünd bekannt gegeben, die auf Grund des erwarteten Medieninteresses vom zu kleinen Sitzungssaal im Gmündner Rathaus kurzerhand ins nahe gelegene Kongress-Zentrum verlegt wurde.

Die Entscheidung über den Tunnel liegt in Berlin

Die Entscheidung darüber, wie der Tunnel letztendlich wirklich heißen wird, liegt nun zunächst beim Gemeinderat. Dessen Empfehlung wird dann an das zuständige Regierungspräsidium weitergeleitet, und weil es sich um eine Bundesstraße handelt, liegt das letzte Wort schließlich beim Verkehrsministerium in Berlin. Wir können also gespannt sein, ob sich die Basisdemokratie durchsetzen wird!

Fabian Fechner, Fabian Fechner

Fabian Fechner - Ich habe an der Uni angefangen zu schreiben, mich mehrere Semester bei unserem Studentenmagazin engagiert und bei der Betreuung des Blogs ...

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