
- Der Todeszauberer, Kliesch Vincent - http://bilder.buecher.de/produkte/32/32558/3255855
Julius Kern ermittelt wieder. Nach seinem äußerst erfolgreichen Erstlingswerk, dem Thriller "Die Reinheit des Todes" setzt der Autor und Stand-up-Comedian Vincent Kliesch mit "Der Todeszauberer" die Reihe um Hauptkommissar Julius Kern fort. Doch der Spannungsaufbau erinnert sehr an das erste Buch und entwickelt kaum eigenen Stil.
Ein Serienmörder kommt nach Berlin
Ein Serienmörder, dessen Identität dem Leser sehr schnell bekannt ist, treibt jetzt - nachdem er bereits siebzehn Frauen in anderen Städten getötet hat - sein blutiges Spiel in Berlin. Hier ermittelt Julius Kern, der zuletzt den Putzteufel-Mörder in "Die Reinheit des Todes" zur Strecke gebracht hat. "Der Todeszauberer", der wegen seiner Vorgehensweise von der Polizei auch Schläfenmörder genannt wird, konnte bisher nicht gefasst werden. Zwar weisen alle Opfer eine Schlagwunde an der rechten Schläfe auf, ansonsten gibt es jedoch keine einheitliche Vorgehensweise des Täters. Unterstützung bei den schwierigen Ermittlungen bekommt Kern von der hübschen Fallanalytikerin Eva Fuchs. Auch Kerns Erzfeind, Massenmörder Tassilo Michaelis meldet sich zurück und scheint Informationen über den psychopathischen Zauberer zu haben. Die Spuren führen schließlich in die Berliner Varieté-Szene.
"Der Todeszauberer" ähnliche Geschichte in neuem Gewand
Die Geschichte von "Der Todeszauberer" kommt dem Leser des erfolgreichen Erstlingswerks bekannt vor. Dass dieser - anders als die ermittelnde Polizei - den Täter wieder früh kennt, tut der Spannung keinen Abbruch. Schade ist nur: Die Geschichte ist der Ersten sehr ähnlich, der Spannungsaufbau annähernd gleich. Was in "Die Reinheit des Todes" überraschte und spannend verpackt war - wie etwa die wechselnden Handlungsebenen - wirkt jetzt etwas zu bemüht, an dem erfolgreichen ersten Buch anzuknüpfen. Wie auch in "Die Reinheit des Todes" begeht ein kranker Serienmörder mit schrecklicher Kindheit bestialische Verbrechen an Frauen. Bereits im Prolog meint man sich an den Putzteufel aus Teil 1 zu erinnern, wie dieser mit seinem späteren Opfer auf dem Sofa sitzt und der einsamen Frau ins Ohr flüstert. Die Polizei tappt bei ihren Ermittlungen lange im Dunkeln. Wieder nimmt der böse und eiskalte Tassilo - der hier mit zahlreichen Zitaten glänzt - Kontakt zu Kern auf und mischt sich in die Tätersuche ein. Insgesamt eine ähnliche Geschichte mit ausgetauschtem Serienkiller - darunter leidet die Spannung. Daran ändern auch die Zaubertricks und die Varieté-Kulisse nichts.
Hauptkommissar Julius Kern in der Familienkrise
Nachdem Kommissar Kern in "Die Reinheit des Todes" den Fall des Putzteufel-Mörders erfolgreich gelöst hatte, kehrte er ins LKA Berlin zurück. Auch die Krise mit Ehefrau Nathalie schien zunächst überwunden. Dies ändert sich jedoch wieder in "Der Todeszauberer". Und diese Nebenhandlung wird von Kliesch durchaus unterhaltsam inszeniert: Nathalie Kern, die auf die unregelmäßigen Arbeitszeiten und gefährlichen Einsätze ihres strebsamen Ehemannes zunehmend zickig reagiert, wird stocksauer, als er angeblich sogar Tochter Sophia in Gefahr bringt. Sie setzt Julius Kern vor die Tür. Doch der - gar nicht müde - war schon zuvor nicht abgeneigt von der hübschen Münchner Fallanalytikerin Eva Fuchs, die Kern schon länger schöne Augen macht. Mehr sei nicht verraten. Highlights am Rande: Die eingestreuten Dialoge der beiden - Kern und Fuchs - auf berlinerisch bzw. in bayerischem Dialekt sind wirklich zum Schmunzeln.
Hohe Erwartungshaltung nicht ganz erfüllt
Der ohne Zweifel hohen Erwartungshaltung an Klieschs Nachfolge-Thriller wird die Geschichte des "Todeszauberers" nicht ganz gerecht - zu sehr spürt man die Bemühungen, an Teil 1 anzuknüpfen. Hauptkommissar Julius Kern kommt ein bisschen zu sehr als Streber rüber, der kleine Flirt mit der neuen bayerischen Kollegin entschädigt aber. Leidlich spannend ist das Buch trotzdem, auch am Ende - beim fulminanten Showdown. Zu hoffen bleibt, dass Vincent Kliesch bereits an Buch 3 schreibt und hier dem Leser neue Thriller-Kost - wieder mit mehr Gänsehaut-Effekt - liefert. Ob Gegenspieler Tassilo Michaelis auch wieder auftaucht, dürfte dann mit Spannung erwartet werden.
Vincent Kliesch: "Der Todeszauberer", Blanvalet Taschenbuch Verlag 2011, 352 Seiten, EUR 8,99
