„Die größte Klugheit einer klugen Frau besteht darin, ihre Klugheit nicht zu zeigen", meinte Virginia Woolf einmal. Virginia Woolf war klug. Sie gehörte zu den erfolgreichsten englischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts.
Virginia Woolfs frühe Jahre
Am 25. Januar 1882 erblickte Virginia Stephen in London das Licht der Welt. Ihr Vater war der Schriftsteller Sir Leslie Stephen (1832–1904). Von ihm hatte sie wohl ihr Talent geerbt, aber wahrscheinlich auch ihre Krankheit. Schon als junges Mädchen litt sie an Depressionen - die Erste wurde vermutlich durch den frühen Tod ihrer Mutter ausgelöst. Weitere familiäre Schicksalsschläge folgten. 1905 begann Virginia für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, unter anderem für das Times Literary Supplement. Ihre Mitarbeit am Times Literary Supplement dauerte bis an ihr Lebensende. Virginia Woolf war außerdem Mitglied der renommierten Bloomsbury Group - ein Treffpunkt von intellektuellen Literaten, Malern, Verlegern, Kritikern und Wissenschaftlern. Am 10. August 1912 heiratete Virginia den Autor und Publizisten Leonard Woolf, den sie einige Jahre zuvor kennen gelernt hatte. 1915 zog das junge Ehepaar von Bloomsbury nach Richmond im Süden Londons. Im selben Jahr erschien auch Virginias Woolfs erster Roman The Voyage out (Die Fahrt hinaus), ein biographisches Buch, denn viele der Charakter ähneln ihren Verwandten. 1917 gründeten Virginia und Leonard ihren eigenen Verlag - die Hogarth Press.
Virginia Woolfs Leben in East-Sussex
Szenenwechsel: Grüne sanfte Hügel durchziehen die Landschaft, die Luft ist frisch. Südlich von London liegt die Grafschaft East Sussex, die Virginia sehr liebte.
1919 kauften Virginia Woolf und ihr Mann Leonard das aus dem 18. Jahrhundert stammende Monks House in Rodmell. Rodmell ist ein kleines Dorf, das idyllisch an der Ouse südöstlich von Lewes, der Hauptstadt East-Sussex liegt. Dennoch gaben sie ihr Londoner Domizil nicht auf. Virginias Schwester Vanessa Bell und ihr Mann Duncan Grant lebten bereits seit 1916 in East-Sussex, im Charleston Farmhouse in der Nähe des Dorfes Berwick. Malsüchtig, wie sie waren, dekorierten sie fast jeden Zentimeter ihres Landsitzes. Das Innere von der Dorfkirche übrigens auch! Viele zeitgenössische Schriftsteller und Künstler besuchten Virginia und Vanessa im malerischen East-Sussex.
1922 erschien Jakobs Room (Jakobs Raum). Der Protagonist trägt viele Züge ihres Bruders Thoby, der 1906 an Typhus starb. 1925 veröffentlichte Virginia Woolf einen ihrer bedeutesten Werke, den Roman Mrs Dalloway. Zwei Jahre später erschien der Roman To the Lighthouse (Zum Leuchtturm), der eine Art Autobiographie ihrer Kindheit ist. 1928 veröffentlichte sie Orlando, eine humorvolle Liebeserklärung an ihre Freundin, der Schriftstellerin Vita-Sackville West (1892 - 1962). Das feministische Essay A Room Of One's Own (Ein Zimmer für sich allein) erschien ein Jahr später. Das folgende Zitat stammt aus diesem Essay:„ Frauen waren jahrhundertelang ein Vergrößerungsspiegel, der es den Männern ermöglichte, sich selbst in doppelter Lebensgröße zu sehen."
Der Zweite Weltkrieg und Virginia Woolfs Tod
1931 wurde The Waves (Die Wellen) veröffentlicht, 1937 erschien The Years ( Die Jahre) und 1938 - ein Jahr vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges - das feministische Werk Three Guineas (Drei Guineen).
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beschäftigten Leonard und Virginia Woolf sehr. Nachdem ihr Haus in London 1940 durch Bomben zerstört wurde, lebten sie nur noch in Monks House. Am Ende konnte Virginia den Stress des Zweiten Weltkrieges nicht mehr aushalten. Am 28. März 1941 ertränkte sie sich in der Ouse. Erst einige Wochen später wurde ihre Leiche gefunden. Posthum erschien ihr Werk Between the Acts (Zwischen den Akten). Die Asche von Virginia Woolf und ihrem Mann Leonard, der 1969 starb, ist im Garten von Monks House begraben.
www.dhm.de/lemo/html/biografien/WoolfVirginia/
www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/virginia-woolf/
