In größeren Unternehmen wird die Virtualisierungstechnik sehr erfolgreich eingesetzt. Von den Anwendungen für den "Hausgebrauch" und den Vorteilen daraus, hört man dagegen fast gar nichts. Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten in den eigenen vier Wänden sehr vielfältig.
Was macht eine Virtualisierungssoftware?
Die Software bildet einen kompletten Computer nach. Dabei sind einige Komponenten fest vorgeschrieben: Prozessor, Arbeitsspeicher, Grafikkarte da ohne diese ein Computer nicht funktionieren kann. Die Anderen - Festplatte, CD-ROM-Laufwerk, Netzwerkkarte, USB-Anschluss und so weiter - können angelegt, verändert oder auch entfernt werden, wie im richtigen Rechner.
Einige Komponenten werden direkt verwendet, um die Performance hoch zu halten. Zu diesen Komponenten gehören normalerweise der Prozessor, der Parallel-Anschluss - hier werden die Kommandos praktisch direkt auf den Parallel-Anschluss des richtigen Rechners umgeleitet - CD-ROM-Laufwerk - wodurch auf bei einem Brenner das Brennen aus der virtuellen Umgebung möglich wird.
Andere Komponenten werden dagegen emuliert und dem virtuellen System als "richtige" Hardware vorgegaukelt. So zum Beispiel bei einer Festplatte. Es wird nicht die echte Festplatte verwendet. Das Virtualisierungsprogramm schreibt und liest die Festplatten-Kommandos in eine Datei. Kopieren der Festplatte würde also auf dem echten Rechner zu einem einfachen Datei-Kopieren. Dadurch ist das Backup eines virtuellen Systems sehr einfach. Das virtualisierte System merkt von der Virtualisierung nichts. Für dieses System ist die virtuelle Umgebung ein "echter" Computer.
Virtualisierungsprogramme für Privatbenutzer
Für den privaten Benutzer gibt es unter unterschiedlichen Betriebssystemen unterschiedliche Programme zur Virtualisierung. Hier eine Auswahl an der bekanntester Vertreter.
Windows:
- VMWare Server: kostenlos, Registrierung erforderlich
- VMWare Player: kostenlos, kein Anlegen neuer virtueller Maschinen möglich, Microsoft Virtual PC: kostenlos
- VirtualBox: Open Source Version ohne USB-Unterstützung und kostenlose Version für Privatanwender mit USB-Unterstützung
Linux:
- VMWare Server: kostenlos, Registrierung erforderlich
- XEN: Open Source
- VirtualBox: Open Source Version ohne USB-Unterstützung und kostenlose Version für Privatanwender mit USB-Unterstützung
Mac OS X:
- VMWare Fusion: Kosten circa 75 Euro
- Parallels Desktop: Kosten circa 60 Euro
- VirtualBox: Open Source Version ohne USB-Unterstützung und kostenlose Version für Privatanwender mit USB-Unterstützung
Einsatzmöglichkeiten im privaten Bereich
1. Testrechner
Um neue Programme gefahrlos testen zu können, ist es sehr praktisch, diese auf einem virtuellen Rechner zu tun. Funktioniert die Software nicht so wie erwartet, kann man entweder durch die Funktion "Snapshot", die in fast allen Programmen integriert ist, zu einem früheren Zustand des virtuellen Systems zurückkehren. Hier zum Beispiel zum Zeitpunkt vor der Installation der Software. Oder man spielt das letzte Backup wieder zurück, die gesicherten Dateien einfach kopieren und die "defekte" damit ersetzen.
Funktioniert die Software wie erwartet, kann man diese auch auf dem "echten" Rechner installieren und die eventuell schon damit erstellte Dateien aus der virtuellen Umgebung kopieren.
2. Sichere Surf-Umgebung
Die Gefahr durch die Viren ist immer gegeben. In einer virtuellen Umgebung kann man dafür gefahrlos für den "echten" Rechner surfen, da ohne Ihren Willen - Ordnerfreigaben oder ähnliches - die Virtuelle Umgebung keine Verbindung zum "echten" Rechner hat und somit auch keine Viren sich verbreiten können. Nach dem Surfen kann man die virtuelle Installation wieder auf den "sauberen" Zustand zurücksetzen - SnapShots - und beim nächsten Mal wieder mit einer sauberen Surf-Maschine unterwegs sein. Als virtuelle Umgebung kann hier sowohl Windows oder auch Linus dienen. Fertige Linux Installationen gibt es für einige Programme kostenlos aus dem Internet, fertig installiert.
3. Test vor dem Umstieg oder als Ergänzung
Viele Menschen wollen von Windows auf Linux umsteigen, haben aber Angst das funktionierende System dabei zu zerstören. Hier kann die Virtualisierung weiter helfen. Man kann auf dem funktionierenden System ein virtuelles Linux installieren, ohne Angst zu haben, Windows zu zerstören oder Daten zu verlieren. Fehler in der virtuellen Maschine sind schnell beseitigt und man kann gefahrlos mit dem neuen, noch nicht vertrauten System experimentieren.
Irgendwann kommt dann der Moment, in dem man sich für Linux entschieden hat, "aber" es noch ein paar Programme gibt, die man unter Linux nicht findet zum Beispiel Steuersoftware. Hier bittet es sich an, Linux zu installieren und unter Linux Windows als virtuelles System zu betreiben. Damit arbeitet man normalerweise mit Linux, und nur bei Bedarf startet man den virtuellen Windows mit der notwendigen Software.
Viel Spass beim Virtualisieren!
