Viva España - das 36. Bardentreffen startet am Freitag, 29. Juli

Nürnberger Bardentreffen - Viva España!  - Meyhome - pixelio.de
Nürnberger Bardentreffen - Viva España! - Meyhome - pixelio.de
Das 1976 gegründete Open-Air-Festival in Nürnberg hat sich vom deutschsprachigen Sängerwettbewerb zum multikulturellen Publikumsmagneten entwickelt.

Für das Bardentreffen wird die beliebte, mit Palmen bestückte Strandlandschaft auf der Insel Schütt wieder aufgelöst. Denn auf der größten der vier Pegnitzinseln geht während der drei Tage Bardentreffen wieder die Post ab. In diesem Jahr steht Spanien im Mittelpunkt des Bardentreffens 2011: vom weltberühmten Flamenco, dem spanischen Musik- und Tanzstil, der seit 2010 zum Weltkulturerbe zählt, bis zur Rumba Catalana. Galizische Dudelsäcke und das baskische Perkussionsinstrument Txalaparta runden das spanische musikalische Programm ab. 200.000 Besucher hatten sich im Jahr 2010 dieses außergewöhnliche Ereignis nicht entgehen lassen.

Geschichte des Bardentreffens

1976 wurde das Festival zum 400. Todestag des Meistersingers Hans Sachs aus der Taufe gehoben. Ein Nürnberger Werbespezialist war auf der Suche nach einem Programm, das speziell auf junge Leute zugeschnitten war. Da fielen ihm die "Meistersinger" von Richard Wagner ein. Und die Idee zum anfänglichen Sängerwettstreit in deutscher Sprache war geboren. Zu Beginn der Ära Bardentreffen reichten 9.000 Deutsche Mark, um diesen Wettbewerb zu finanzieren. Aber die "Barden" der ersten Jahre bekamen auch kein Geld für ihren Auftritt. Der musizierende Bankkaufmann konnte sich schon mal über eine geschenkte Mittelmeerreise freuen.

Profi-Barden aus der ganzen Welt geben in Nürnberg ihr Stelldichein

Seit den 1980er Jahren, als die deutsche Liedermacherszene à la Biermann in die Krise kam, hat sich das Programm und das Konzept stark gewandelt. Ein Etat von 300.000 Euro, der im Wesentlichen von einem Hauptsponsoren geschultert wird, ist heutzutage normal. Waren kritische deutsche Lieder früher Programm füllend, haben heute internationale Interpreten das Sagen beziehungsweise Singen. Sie lassen sich auch nicht mehr "mit nem Appel und nem Ei" abspeisen, wie damals, als die singenden Angestellten und Studenten noch die Bühne beherrschten. Heutzutage hört man dann auch bretonische Weisen, afrikanische Musik und Volkslieder in schwedischer Sprache. Volksmusik im internationalen Rahmen findet bei den Zuhörern sehr viel Anklang. Die Grenzen zum Rock- und Popkonzert sind manchmal fließend. Reine Instrumentalbands hatten bisher keine Chance. Die Veranstaltung mit bis zu 60 Konzerten findet, über die gesamte Nürnberger Altstadt verteilt, an sieben offiziellen Veranstaltungsorten statt.

Historische Schauplätze für kostenlose Open-Air-Konzerte

Die nach Luftangriffen 1945 völlig zerstörte Klosterkirche St. Katharina ist ein beliebter Schauplatz, der schnell gefüllt ist. Jedoch findet ein stetiges "Männlein- und Weiblein-Laufen" statt, und so können immer wieder neue Fans noch ein Stehplätzchen oder Sitzplätzchen auf dem Fußboden ergattern. Professionelle Bardentreffen-Besucher sind mit kleinen Camping-Klappstühlen ohne Lehne ausgestattet, die sie überall schnell entfalten können. Im Kreuzigungshof (Heilig-Geist-Spital), in dem ein Altenheim untergebracht ist, ist der Innenhof bestuhlt. Dort versetzen beispielsweise Barden aus Irland oder Russland mit sanften und klangvollen Weisen das Publikum in Begeisterung. In der Katharinenruine und im Kreuzigungshof wird wegen begrenzter Aufnahmekapazitäten der Besucherzustrom kontrolliert und bei Bedarf der Zugang gesperrt. Über die riesige Bühne am Hauptmarkt hat man von den Sonnenterrassen der Cafés einen wunderschönen Blick. Die verschiedenen Veranstaltungsorte sind voneinander in Laufweite entfernt, das erleichtert den raschen Wechsel von Bühne zu Bühne. Touristen haben die Gelegenheit anlässlich des Bardentreffens auch die wunderschönen Nürnberger Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, also "zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen": Augen- und Ohrenschmaus.

Zaungäste des Bardentreffens

Nicht nur auf den offiziell ausgewiesenen Bühnen findet man in Nürnberg am Wochenende zu Beginn der bayerischen Sommerferien interessante Musikanten. So war im Jahr 2002 Mark Lane aus Bisbane/Australien beim großen Nürnberger Ereignis zu Gast und konnte das von den Ureinwohnern Australiens Yidaki genannte Didgeridoo aus einem von Termiten ausgehöhlten Eukalyptusast einem breiten Publikum vorstellen. Am Rande der Open-Air-Veranstaltung tummeln sich viele Musikgruppen der unterschiedlichsten Couleur, deren Mitglieder im "richtigen Leben" meist bürgerliche Berufe haben. Die tolle Atmosphäre des Bardentreffens reizt sie einfach, der Öffentlichkeit Kostproben ihres Könnens zu präsentieren.

Heimliche Stars

Vor der Industrie- und Handelskammer Nürnberg am Hauptmarkt gibt sich seit Jahren ein musikalisches Ensemble der besonderen Art die Ehre. Die Band "la-boum" wird ihrem Namen gerecht und schafft mit ihrem spritzigen Repertoire eine super Stimmung bei den sich zahlreich um sie scharenden Besuchern des Bardentreffens. Auf komplizierte, begleitende Technik verzichten sie gänzlich. Ihre Musik ist eine gelungene Mischung aus Ska - einer in den späten 1950er Jahren in Jamaika entstandenen Tanzmusik - , Folk, Polka und Indie. Ihre Instrumente sind Banjo, Gypsy-Gitarre, Kontrabass, Minischlagzeug und Waschbrett. Wer sich in Bezug auf die Beschreibung des Musikstils darunter nichts vorstellen kann, einfach hingehen und zuhören, der Sound ist wirklich umwerfend und unverwechselbar. Die Band hatte in Erlangen bereits Auftritte im Kulturzentrum E-Werk und auf der Bergkirchweih.

Tipps für Bardentreffen-Besucher

Wer nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Nürnberg kommt, kann die Park + Ride-Möglichkeiten rund um die Stadt nutzen. Von Erlangen auf der B4 kommend gibt es den Parkplatz Thon, von dort ist man mit der Tram in 16 bis 18 Minuten mitten drin. Herrenhütte ist über die A3, Ausfahrt Nürnberg Nord, zu erreichen, mit der U-Bahn ist man in zirka acht Minuten in der Altstadt. Kulinarisch wird man anlässlich dieses Musikereignisses bestens versorgt, man hat die Auswahl zwischen Nürnberger Spezialitäten und internationalen Leckereien, oder man bringt seinen eigenen Proviant mit.

Quellen:

  • Website BR-Online, Studio Franken
  • Kulturreferat der Stadt Nürnbeg
Ines von Külmer, Ines von Külmer

Ines von Külmer - Von Beruf bin ich Dipl.-Übersetzerin für die Sprachen Englisch und Französisch. Ich habe etliche Jahre in der Industrie ...

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