Vogel Gryff, Wild Maa und Leu - Vogel Gryff-Tag in Basel

Die Floßfahrt des Wilden Mannes - Thomas Peter
Die Floßfahrt des Wilden Mannes - Thomas Peter
Beim Vogel Gryff-Tag im schweizerischen Basel stehen die drei Ehrenzeichen der Gesellschaften »Zur Hären, Zum Rebhaus und Zum Greifen« im Mittelpunkt.

Als höchster Kleinbasler Feiertag gilt im rechtsrheinischen Teil der Stadt der Vogel Gryff-Tag im Januar. 1225 beim Bau der Mittleren Brücke ist »die mindere Stadt« zunächst als Brückenkopf entstanden, erhielt aber bereits 1285 neben dem eigentlichen Basel den Städtebrief. In diese Zeit datiert auch die Entstehung der »Drei Ehrengesellschaften«, welche die Aufgabe hatten, Kleinbasel zu verteidigen und vor allem die Stadtmauern zu bewachen. Alljährlich fand die Waffeninspektion der militärpflichtigen Mitglieder statt, wobei der Aufmarsch im Harnisch und mit Fahnen, angeführt von den »Ehrenzeichen« der Zunft-Gesellschaften, jeweils zu einem fröhlichen Volksfest ausartete. Dabei hat die Vereinigung der Fischer und Jäger »Zur Hären« als Wappenhalter den Wilden Mann, die Gesellschaft »Zum Rebhaus«, die aus der Vereinigung der Rebleute und Bauern entstanden ist, den Leu und die »Zum Greifen« mit den Handwerkern der Klöster Klingental und Sankt Clara den Vogel Gryff.

Vogel Gryff, Leu und Wild Maa tanzen vor den Gesellschaftsbrüdern

Je nachdem, welche Gesellschaft an der Reihe ist, fällt das Fest auf den 13., 20. oder 27. Januar. Punkt halb elf steigt der »Wild Maa« an einer Fischerhütte bei der Schwarzwaldbrücke auf sein Floß und nun geht es unter ohrenbetäubenden Böllerschüssen den Rhein hinunter, in Richtung der Anlegestelle beim ehemaligen Kloster Klingental. Dabei tanzt und gebärdet er sich bereits wild auf dem Wasser, was angesichts seiner Ausrüstung nicht so einfach ist: 30 Kilo, inklusive der Tanne, die er schwenkt, wiegt das ganze Kostüm. Endlich an Land, warten schon seine Kollegen, der Vogel Gryff und der Leu. Nun tanzen sie zunächst einzeln und dann gemeinsam vor dem Statthalter der Gesellschaft, die dieses Jahr den Vorsitz hat. Dann klappern die drei, begleitet vom Gejohle der Kinder, die anderen Oberen der Gesellschaften in der Stadt ab, die Vorgesetzten, Meister, Schreiber und wie sie alle heißen.

In der Messe findet das traditionelle Gryffemähli statt

Um die Mittagszeit ist erst mal Pause und es gibt Suppe im Waisenhaus, dem zweiten ehemaligen Kloster in Kleinbasel. Währenddessen machen sich die 450 Gesellschaftsbrüder in ihrem würdigen Ornat, meist im schwarzen Anzug und ebenso behütet, gemessenen Schrittes auf, gen Messe, zum dortigen Festsaal. Hier findet das traditionelle »Gryffemähli« statt, das aufgrund seiner sechsstündigen Dauer wohl eher ein Festmahl genannt werden kann. Am Nachmittag kommt das »Spiel«, also die drei Ehrenzeichen, in den Festsaal zum Tanzen, aber bald geht ihre Tour weiter. Zwischen 40 und 45mal müssen sie insgesamt herumspringen, auf den Straßen und in Restaurants, wo sie auch zwischendurch einkehren und einen Umtrunk nehmen können. Das Ganze geht bis kurz vor 23 Uhr, wenn sie ins Stammhaus zurückkehren und anschließend die Abschlusstänze im Café Spitz und im Hotel Merian stattfinden.

Thomas Peter, Autor, Christine Krueger

Thomas Peter - Nach dem Studium der Rechtswissenschaft seit 1987 Tätigkeit als Jurist. Ab 1997 Freier Autor mit dem Schwerpunkt Hörspiele. Seit ...

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