Vogelbeobachtung am Martinsweiher

Vogelbeobachtung am Weiher - Patricia Kutsch
Vogelbeobachtung am Weiher - Patricia Kutsch
Viele seltene Vogelarten machen Rast an den Weihern in Niederwalgern bei Marburg

Wo vor 20 Jahren noch Kies abgebaut worden ist, rasten und nisten heute unzählige Vogelarten: Die Martinsweiher bei Niederwalgern bieten bereits vielen Tieren Schutz und Nahrung. Nun sind die Uferregionen umgestaltet worden, um auch Fischen, Amphibien und Pflanzen Entwicklungsraum zu geben.

Aus Kiesgrube wurde Vogelschutzgebiet

Bis 1992 hat das ortsansässige Kieswerk ein zehn Hektar großes Gelände zwischen Niederwalgern und Roth ausgekiest. Nach den Auskiesungen bildeten sich dort die Weiher, die heute als Martinsweiher bekannt sind. Den Namen verdankt das Gebiet dem Pächter und Ornithologen Dr. Martin Kraft. Das Gelände liegt laut Landrat Robert Fischbach in einem EU-Vogelschutzgebiet, das von Niederweimar bis Friedelhausen reicht. „Hier entlang führt eine bedeutende Vogelzugstraße“, sagt der Ornithologe. Daher könne man von den Weihern aus zahlreiche Vogelarten beobachten. „Erst durch die Auskiesung konnten sich seltene Tiere hier wieder ansiedeln“, erklärt der Vogelfachmann. So könne man wieder „an die 65 Uferschwalben“ in Niederwalgern sehen.

Landkreis und Regierungspräsidium fördern den Naturschutz

Um den Naturschutz weiter zu voranzutreiben und das Gebiet zu entwickeln, wurden nun die Uferregionen abgeflacht. Die gesamte Maßnahme hat 25000 Euro gekostet und ist nach Auskunft von Fischbach gemeinsam von dem Regierungspräsidium mit der oberen Naturschutzbehörde und dem Landkreis mit der unteren Naturschutzbehörde abgewickelt worden. Die Gelder stellte das Präsidium aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe bereit. Bereits im November 2009 waren die Arbeiten an den Ufern abgeschlossen und Kraft konnte nun ein positives Fazit daraus ziehen: „Dieses Frühjahr konnten wir viele Watvögel hier beobachten“. Gerade für diese Vogelarten seien flache Wasserzonen besonders wichtig. Aber auch vier junge Turmfalken beobachteten in Niederwalgern die Welt aus einem Nistkasten an den Weihern. Genau 49 Weißstörche konnten ebenfalls in diesem Jahr beobachtet werden. „In Weimar sind bereits über 400 Vogelarten nachgewiesen“. Ein wichtiger Ort für die Beobachtung der Vögel seien die Weiher heute geworden. Durch die abgeflachten Ufer hofft Uwe Kröger von der unteren Naturschutzbehörde, dass sich vielleicht Schwimmblattgesellschaften bilden. „Das flache Wasser wird auch schneller warm und ist daher nicht nur gut für die Vögel, sondern auch die Amphibien“.

Wasserbüffel im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Aus den Mitteln des Regierungspräsidiums konnte ebenso eine Furt am Walgerbach bei den Weihern gestalten, damit die Rinder und Pferde, die dort weiden, den Bach queren können. „Es ist uns wichtig, dass hier Tiere weiden, denn sie sorgen für offene Uferbereiche und kurzrasige Landflächen“, dies wiederum mache das Gebiet für Vögel attraktiver. Mit diesen Maßnahmen ist nach Vorstellung des Ornithologen allerdings noch nicht Schluss: Kraft wünscht sich „eine Situation zu schaffen, die der Aue sehr ähnlich ist“, dafür könne er sich etwa vorstellen, Flusskrebse, Biber und europäische Sumpfschildkröten an den Weihern anzusiedeln. Geplant ist ebenso, Wasserbüffel dort weiden zu lassen. Auch für weitere Abflachungen und Steilwände plant er, Anträge bei der Naturschutzbehörde zu stellen.

„Das ist guter, erlebbarer Naturschutz“, begrüßt Weimars Bürgermeister Volker Muth die Maßnahme in seiner Gemeinde. Daher ist es auch wichtig, dass man „so schöne Gebiete nicht für die Menschen absperrt, denn wir stören die Tiere hier nicht“, so Kraft.Die Martinsweiher liegen entlang eines Radweges und können von Privatpersonen jederzeit besucht und eingesehen werden.

Patricia Kutsch, Patricia Kutsch

Patricia Kutsch - Ich bin in Marburg geboren und lebe noch heute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Von 2005 bis August 2010 war ich dort für die ...

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