Vokalquintett Amarcord sang in der Marienkirche Pirna

Das Leipziger A-cappella-Ensemble faszinierte mit einem Programm, das den Bogen vom gregorianischen Choral bis zu Spirituals und Folksongs schlug.

"Ich erinnere mich" – Amarcord. Zwei der fünf Sänger dieser mittlerweile weltweit gefragten Gruppe stammen aus Pirna, so dass ein wiederholtes Konzert in der Stadtkirche St. Marien lange an der Zeit war. "Hear the voice" lautete das Motto des Abends unter dem kunstvoll verzierten Kirchendach am 24. April 2010 – und er hielt, was er versprach. Sowohl die Akustik im 18 Meter hohen Kirchenschiff war prächtig, als auch der filigran abgestimmte Gesang der Leipziger Künstler Wolfram und Martin Lattke (Tenor), Frank Ozimek (Bariton) sowie Daniel Knauft und Holger Krause (Bass).

Amarcord: Tenorstimmen in hoher Reinheit beim Konzert in Pirna

Besonders im ersten Teil des Programms, der Collection Francaise mit Gesängen von Pierre de la Rue, Perotin, Darius Milhaud, Gioacchino Rossini, Francis Poulenc u. a., beeindruckte Amarcord mit sauber interpretierten und sehr gefühlvollen Vokalstücken. Die beiden Tenorstimmen bewegten sich in höchster Reinheit durch den Raum, wie auch nach der Pause wieder etwa in den "Minnesängern" von Robert Schumann oder dem kleinen Singstück "An den Mond" von Carl Steinacker (1785-1815).

Im Schlussteil, den "Folksongs nach Ansage", konnte das Ensemble Amarcord, das 1992 von ehemaligen Sängern des Thomanerchores Leipzig gegründet wurde, aus seinem überaus reichhaltigen und vielgestaltigen Repertoire schöpfen, so etwa mit Können und Komik gleichermaßen im deutschen Volkslied "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach".

15.-22. Mai 2010: 11. Festival für Vokalmusik Leipzig

Im Leipziger Gewandhaus geht das Konzertjahr 2010 der "Amarcords" hochkarätig weiter. Dort treffen sie sich vom 15.-22. Mai 2010 mit acht weiteren A-cappella-Gruppen zum 11. Festival für Vokalmusik Leipzig. Es folgen Auftritte in der Türkei (Juni), Frankreich (Juli), Russland (November) und den USA (Dezember).

In der großen Pirnaer Hallenkirche wird es um das weitere Musikleben auch nicht still werden. Begehrt war die 1502-1546 erbaute Marienkirche in den vergangenen Jahren als Konzertstätte des ambitionierten regionalen Musikfestivals "Sandstein und Musik". Sinfonik mit Werken beider Haydns und Mozarts ist im Programm des MDR-Musiksommers am 26. Juni um 17.00 Uhr in St. Marien zu hören.

Erwähnt seien die Pirnaer Abendmusiken, jeden Donnerstag 19.30 Uhr. Hier wechseln sich feine Kammer-, Chor- und Orgelkonzerte ab.

Ludwig Güttler im Pirnaer Advent

In der Adventszeit wartet die Marienkirche mit einer "Sächsischen Bläserweihnacht" auf, die das Ensemble Ludwig Güttler gestaltet (4. Dezember, 17.00 Uhr). Bachs Weihnachtsoratorium, Kantaten 1-3, gibt es in Pirna mit Solisten, Kantorei und Kurrende St. Marien sowie der Neuen Elbland Philharmonie unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Thomas Meyer am 11. Dezember um 16.00 Uhr. Die Kantaten 4-6 folgen dann am 2. Januar 2011, in gleicher Besetzung und ebenfalls 16.00 Uhr.

Seit beinah fünf Jahren ist die Pirnaer Marienkirche wieder ein gern besuchter Konzertort, denn seither zeigt sich das Innere des wuchtigen Hauses frisch restauriert. Der Bau der Kirche begann in katholischer Zeit und wurde nach der Reformation unter starkem Einfluss des ersten evangelischen Superintendenten Antonius Lauterbach beendet. Immer wieder zieht heutzutage das beeindruckende spätgotische Gewölbe der Kirche die Blicke auf sich. Dort sind vielfältig gestaltete Schleifen- und Tauwerksrippen zu entdecken. Der cirka zehn Meter hohe Sandsteinaltar von 1614 wird zu den bedeutendsten der Spätrenaissance gezählt.

Sven Bernitt, Stephanie Taubert

Sven Bernitt - Sven Bernitt ist seit 2002 unabhängiger Buchhändler in Dresden (www.leselust-dresden.de) und war einige Jahre Journalist in ...

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