
- Stolzer Meloner auf dem Weg zum Wettkampf - Wilhelm Ruprecht Frieling
Vilafranca de Bonany gilt als das Zentrum des Obsthandels auf der spanischen Baleareninsel Mallorca. An der Hauptstraße der rund zehn Kilometer vor Manacor gelegenen, vom Massentourismus bislang verschonten Siedlung finden sich zahlreiche Obststände mit schmackhaften Früchten. Autofahrer stoppen hier gern, um eine der legendären Melonen zu kosten und zu kaufen.
Wettstreit um die schwerste Melone
Seit 1994 feiern die „Meloners“ (Melonenbauern) an jedem ersten Septemberwochenende ein rauschendes Fest, bei dem sich alles um das zuckersüße Kürbisgewächs dreht. Höhepunkt dieser „Festa d´Es Meló“ ist der „Concurs d`Es Meló“. Bei diesem spektakulären Wettbewerb geht es ausschließlich darum, wer die schwerste Melone geerntet hat.
Zum Entscheidungskampf schultern die Bauern ihre gewaltigsten Melonen, die durchaus bis zu 18 Kilo schwer werden, und tragen sie stolz und siegessicher auf den Marktplatz. Nach 80 bis 90 Sonnentagen sind die grünen, gelben oder gestreiften Früchte reif und schwer. Begleitet von den begeisterten Rufen der Zuschauer wird jedes der länglichen Gewächse unter den Augen einer strengen Kommission exakt gewogen. Nachdem dieses Ritual mit großem Hallo erfolgt ist, wird der Sieger ermittelt, der eine Urkunde erhält und von allen Seiten beglückwünscht wird.
Wasser- und Honigmelonen
Auf dem bunten Markt, der das eigentliche Melonenfest ausmacht, lassen sich dann verschiedene Melonen bestaunen, kosten und erwerben. Jeder Händler schneidet bereitwillig seine Früchte in Scheiben, auf die sich Leckermäuler und Genießer stürzen.
Obwohl es auf Mallorca hunderte verschiedener Melonensorten gibt, werden die Früchte hauptsächlich in „sindria“ (Wasser-) und „meló“ (Honigmelonen) unterteilt. Besonders beliebt ist die ballrunde Sorte „Sugar Baby“, deren besondere Qualität sich schon aus ihrem Namen erschließt.
Wann ist die Melone reif?
Schwierig ist es, den richtigen Reifepunkt einer Melone zu ermitteln, und die Meloners schwören dazu auf allerlei erprobte Geheimrezepte. Wird die Frucht nämlich zu früh geerntet, ist sie noch bitter. Wartet der Obstbauer hingegen zu lange, kann sie leicht vergoren schmecken.
So klopft der eine mit dem Finger auf die Frucht und erntet sie nur, wenn sie wie eine Trommel klingt. Ein anderer ritzt mit dem Fingernagel auf das dem Stiel gegenüberliegende Ende und prüft so, ob das Obst auf dem Höhepunkt der Reife ist. Auf dem Melonenfest wird jedes Jahr aufs Neue darüber philosophiert, wie es gelingt, den höchsten Genuss zu erzielen.
Melonen sind Wasserspeicher
Mallorquinische Melonen bestehen zu 93 Prozent aus Wasser und sind ein honigsüßer und vollkommen natürlicher Durstlöscher, der vor allem in südlichen Ländern eine wichtige Rolle im Ernährungsplan spielt. Der regelmäßige Verzehr trägt dazu bei, die Nieren zu spülen und zu reinigen. Auf Mallorca treten inzwischen auch zunehmend Obstbauern in Erscheinung, die auf streng biologische Anbauweise Wert legen und auf Chemie verzichten.
Die „Festa d´Es Meló“ bietet selbstverständlich auch weitere Köstlichkeiten rund um die Melone. Es gibt Melone mit heimischem Serrano-Schinken, Melonensuppe und Meloneneis. Das Fruchtfleisch wird zu köstlichen Kuchen und Gebäck verarbeitet oder als Mischgetränk serviert.
Das mehrtägige Fest in Vilafranca de Bonany verdient mit seinen prächtigen Melonen das Prädikat, das „süßeste“ Volksfest der Insel zu sein.
