Vom Beobachter zum Kämpfer – Kreymeier und fernsehkritik.tv

Kampferfahren. - wikia.com
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Alles begann klein, beschaulich und satirisch. Aus dem Beobachtungsprogramm von fernsehkritik.tv ist eine Frontberichterstattung geworden.

Was Holger Kreymeier mit seinem Magazin fernsehkritik.tv macht, ist eigentlich harmlos. Er kommentiert Sendungen, welche im Fernsehen laufen und deren Qualität durchaus zu bemängeln wäre. Soweit das Konzept, wie es auch Stefan Brunk bereits einmal auf Suite101 dargelegt hat. Doch aus dem der einstigen Satiresendung, welche nur aus Beobachtung und Kommentar bestand, ist eine Sendung geworden, die zunehmend kommunikativer und auch kämpferischer wurde.

9Live und die frühen Tage

Kreymeier ist von Haus aus Journalist und arbeitete bis 2009 beim NDR. Wegen eines GEZ-feindlichen Clips wurde er jedoch 2009 entlassen. Seitdem haben sich seine Tätigkeiten im Bereich der Medienkritik massiv ausgeweitet. Längerfristige Auseinandersetzung mit „Call-In“-Sendungen, wie sie auf dem, inzwischen geschlossenen, Privatsender 9Live liefen, gehörten unter anderem dazu. Im Zuge einer einstweiligen Verfügung musste er unter anderem die Dokumentation „Anrufen und verlieren“ von Marc Doehler aus dem Netz nehmen. In letzter Instanz gewann er jedoch, auf Grund von „Aufgabe des Gegners“. Der Film ist inzwischen wieder bei YouTube zu sehen. Die Dokumentation belegt eindrucksvoll an verschiedenen Szenen, mit welchen Mitteln die „Call-In"-Shows gearbeitet haben bzw. noch immer arbeiten. Nach der Einstellung des Senders 9Live hat Kreymeier nun einen neuen Kampfplatz gefunden: RTL.

Alte Kämpfe, neue Schauplätze

Als Reaktion auf einen Bericht über die Games-Convention in Köln, in welchem Hostess Laura da Silva ihre, wenig fundierten, Äußerungen vor den Kamera des Privatsenders zum Besten gab, nahm Kreymeier mit Hilfe seiner Zuschauerschaft auf verschiedenen Ebenen den Kampf auf. Inzwischen beschäftigt auch diese Auseinandersetzung verschiedene deutsche Gerichte. Das Nachbeben dieses Berichts auf Ebene von medienrechtlichen Auseinandersetzungen auf diesem Gebiet wird noch länger anhalten.

Doch neben den formaljuristischen Auseinandersetzungen, die Kreymeier auf sich zieht und welche immer wieder auch durch die Fangemeinde von fernsehkritik.tv finanziell mitgetragen werden, hat sich über die Jahre hinweg vor allem eine feste und aktive Community rund um das Programm gebildet, die sich nicht scheut, dem Fernsehkritiker immer wieder zuzuarbeiten, wie verschiedene Gastbeiträge, die Forumsaktivität oder auch die verschiedenen Fantreffen in mehreren deutschen Städten belegen.

Sinnbild eines neuen Mediendiskurses

Fernsehktitik.tv stellt dabei ein Sinnbild eines neuen Mediendiskurses dar. Er ist zwar nicht, wie es zum Beispiel im Öffentlichkeitsbegriff von Habermas verankert ist, herrschaftsfrei, doch baut er zunehmend Hierarchien ab. Das besondere an der Entwicklung des Magazins in diese Richtung ist, dass es ein Kollektiv sukzessive schafft, sich ökonomisch überlegenen Gegnern zusehends zu stellen und selbst auch eine Diskurshoheit zu erringen. Bei aller Kritik, die auf Grund der veränderten Gestaltung der Sendung gestattet sein mag, zeigt sich doch hier ein Beispiel dafür, dass ein kleines Onlinemagazin mit der Zeit auch großen Unternehmen wie RTL an die Wäsche kann.

Neue Folgen gibt es circa einmal im Monat, die nächste am 12.10.2011. Zu sehen sind sie immer auf www.fernsehkritik.tv

Daniel , D.L.

Daniel Lucas - Daniel Lucas ist Student der Germanistik und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine publizistische Tätigkeit umfasst im ...

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