Bald naht er wieder, der Tag, vor dem sich so mancher fürchtet. Denn am 1. April kann es passieren, dass einer Person glaubhaft ein Ammenmärchen aufgetischt wird, das eine Person kurzzeitig im Glauben lässt wahr zu sein, mit einem kurzen „April, April“ am Ende des Tages zerstört wird und den Reingefallenen abends ärgerlich stimmt, der Erzählung zu viel Gehör geschenkt zu haben. Die Sitte sich einen Spaß zu erlauben, kurz jemand in den April zu schicken, beruht auf einer langen Tradition. Ihr wurde jedoch nicht immer mit der heutigen Leichtigkeit begegnet, denn der erste Tag eines Monats galt allgemein als Unglückstag.
Spurensuche in der Heiligen Schrift und der Chronik
Wie so viele Bräuche lässt sich auch der erste April mit der Bibel begründen, hier jedoch nicht in der heute bekannten scherzhaften Form. So gilt der 1. April als Tag, an dem Judas Iskariot geboren wurde, welcher später Jesus verriet und somit zu seiner Kreuzigung beitrug. Je nach Überlieferung ist dieser Tag auch der Todestag von Judas Iskariot, auch als Himmels- oder Engelssturz bekannt, da Satan vom Himmel gestoßen wurde.
Doch auch historisch hat sich am 1. April einiges ereignet, was den Glauben an einen Unglückstag verschärft hat. Etwa der Augsburger Reichstag aus dem Jahr 1530 fiel auf einen solchen Tag. Dort sollte über das Münzwesen entschieden werden, reichlich Spekulanten setzten auf diesen Tag als Münztag und verloren ihr gesamtes Kapital. Die Häme, wegen des Risikos an einem solchen Datum Geld zu setzen, folgte prompt von Außenstehenden.
Ebenfalls auf den ersten Tag im April fiel die Eroberung von der holländischen Stadt Brielle im achtzigjährigen Krieg 1572. Hierbei vertrieben die Wassergeusen – ein Volk von holländischen Bettlern mittels reicher Kaufleute unterstützt – die Spanier, um ihren Anführer Fernando Álvarez de Toledo. Den Spaniern wurde „eine Nase gedreht“, in den holländischen Geschichtsbüchern ist das Ereignis niedergeschrieben als: „Am 1. April verlor Alba seine Brille!“.
Jemand wird in den April geschickt, mittels Aprilscherz durch den Aprilnarren
1618 wurde erstmals in Bayern das „April schicken“ belegt, in anderen Teilen Deutschlands zählt das Jahr 1631 als Geburtsjahr für dieses Brauchtum. Trotz des Beweises gehen Historiker von einem früheren Zeitpunkt aus, da das Schicken in den April im ganzen indogermanischen Raum dokumentiert werden kann. Auch die Funktion eines „Aprilnarren“ ist mittels Literatur nachweisbar. So schrieb Abraham a Santa Clara im 18. Jahrhundert: „Heut´ ist der erste April, da schickt man den Narren wohin mal will.“ Streitig ist bis jedoch heute, wer nun der eigentliche Aprilnarr ist. Fest steht lediglich, dass sich ein Narr nicht im klassischen Sinne wie am Königshofe verkleidet bzw. dauerhaft in diese Rolle gezwängt wird. Spätestens nach einem Tag legt er die Rolle des Narren ab und trägt für gewöhnlich keinerlei Schaden davon. Fraglich ist allerdings, ob derjenige, der in den April geschickt wird als Narr bezeichnet wird oder doch eher der Verursacher des Scherzes.
Im Gegensatz zum „Narren“ muss man den „Scherz“ des Aprils als solchen jedoch Jahrhunderte später suchen. Wörterbücher zu Zeiten der Gebrüder Grimm finden für dieses Wort noch keinen Zugang, erst ab dem Zeitalter Schillers und Goethes wird der Scherz zu Aprilzeiten niedergeschrieben.
Beginnend mit der Moderne wurden Aprilscherze alltagstauglich. Jedes Jahr muss besondere Vorsicht gewahrt werden sofern dieser Tag naht. Die Liste der Späße in den Medien oder der Aufgaben, die es zum 1. April zu erfüllen gilt, ist lang. Sie reicht von Warnmeldungen über das Umweltgift „Dihydrogen-Monoxid“ – auch als H2O bezeichnet - bis zum „Augenmaß“, welches die Person besorgen muss, die in den April geschickt werden soll.
Schon gewusst?
In England fällt der Tag zum Streichspielen ebenfalls auf den ersten des Aprils. Hier wird der Spaß als „All fool´s day“ bezeichnet, was übersetzt so viel heißt wie „Aller Narren Tag“. Auch den Aprilnarren kennen die Angelsachsen mittels „making an April fool“ – einen Aprilnarren machen.
Was in Deutschland der 1. April ist, wird in Spanien am 28. Dezember begangen. Dort heißt dieses Ereignis „Tag der unschuldigen Kinder“ (Dia de los Santos Inocentes). Hierbei sind die Kinder mit Mehl beschmiert und verlangen von Passanten einen Wegzoll, sofern diese nicht ebenfalls ein Mehlbad nehmen möchten. Eigentliche sollte 1978 die neue spanische Verfassung am 28. Dezember in Kraft treten. Da die spanische Regierung diesen Tag als Unglückstag jedoch fürchtete, erhielt die Verfassung ihre Gültigkeit erst zum 29. Dezember.
Als ältester medialer Aprilscherz, welcher am 1. April 1774 in einer deutschen Zeitung abgedruckt wurde, gilt wohl jener heute nicht mehr denkbar Witz, dass Hühner verschiedenfarbige Eier legen können, wenn man nur die Umgebung der Legetiere mit der entsprechenden Farbe anmalen würde. Dazu muss angemerkt werden, dass zu damaliger Zeit nur weiße Eier bekannt waren.
Wenn das Kalenderblatt vom März das nächste Mal auf den April wechselt, sollte man allerorts Vorsicht wallten lassen, wenn es heißt, dass die Regierung Aprilscherze unter Strafe stellt. Vielleicht wird man einfach nur zum Narren gehalten.
