Vom Deppenapostroph und der Akzent-Taste

Der Apostroph - Autor
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Durch Einflüsse des englischsprachigen Raums wird der Apostroph in zunehmendem Maße falsch verwendet. Hier steht, wie's richtig geht.

Man braucht nur mit offenen Augen durch eine Stadt zu gehen. Allüberall leuchten und stehen Schilder und Anzeigen mit falsch gesetztem Apostroph. Ob Uschi's Nähladen oder Samstag's geöffnet, schnell wird der kundige Spaziergänger fündig. Aber wie wird es richtig gemacht?

Der Apostroph

Das fängt schon beim Artikel für Apostroph an. Der Duden ist da eindeutig. Es heißt "der Apostroph". Wie groß aber die Unsicherheit über die richtige Verwendung ist, zeigt ein kurzer Text bei Google. Während die Suche nach "der Apostroph" (immer mit Anführungszeichen) knapp 3.000 Ergebnisse bringt, sind es bei "das Apostroph" immerhin knapp 2.000. 40 % aller Schreiber verwenden also für den Apostroph das falsche Geschlecht! Der Apostroph ist ein Auslassungszeichen und wird dann gesetzt, wenn ein oder mehrere Buchstaben weggelassen werden (und nur dort, wo sie sprachlich dann auch fehlen). Über die Ausnahmen kann man aber einen eigenen Artikel schreiben. Eine wichtige ist die, dass man die Zuschreibung (etwa die Darwin'sche Evolutionslehre) mit Apostroph trennt.

Der Deppenapostroph

Im Volksmund wird der falsch gesetzte Apostroph auch gerne mal als Deppenapostroph bezeichnet. Allerdings übertreibt diese Bezeichnung, denn die Falschverwender können nicht immer als Deppen bezeichnet werden, zumindest, wenn eine Hochschulausbildung abgeschlossen wurde. Warum aber wird der Apostroph so oft falsch eingesetzt?

Apostroph im Englischen

Im englischen Sprachraum wird das Genitiv-s durch einen Apostroph abgetrennt. So würde für Tom's Bar auch im Deutschen der Apostroph gesetzt, wenn Tom ein englischer Name sein soll. Aber auch im Englischen wird der Apostroph nicht für den Plural gesetzt. Today's twins, die heutigen Zwillinge (eigentlich: des heutigen Tages Zwillinge, so ist das Genitiv-s erklärbar), ist eine Kombination aus Genitiv und Plural, einmal mit, einmal ohne Apostroph.

Falscher Apostroph im Genitiv

Im Deutschen kennen wir das durch den Apostroph abgetrennte Genitiv-s nicht. Es wird auch nicht benötigt. selbst in kritischen Fällen. So gehört Andreas Kiosk Andrea, während der Kiosk, der Andreas gehört, Andreas' Kiosk wäre. Korrekterweise wird das Genetiv-s nämlich dann nicht angehängt, wenn ein s, wenn es nach einem s, ß, x, z und tz folgt, etwa in Schmitz' Katze. Selbst bei gesprochenen Worten, bei denen am Schluss zwar ein e steht, aber nicht gesprochen wird (häufiger in der französischen Sprache).

Trotzdem findet man die Bezeichnung mit falschem Apostroph sehr häufig im öffentlich verwendeten Deutsch. Ob Uschi's Bastelecke oder Udo's Bar, Oma's Suppe oder Frank's Werkstatt, man braucht nur die Augen zu öffnen. Selbst auf Verpackungen (etwa von Lebensmitteln) wird der Apostroph nicht selten falsch eingesetzt.

Apostroph im Plural

Im Deutschen wird der Plural nie durch einen Apostroph getrennt. Nie. Und es gibt auch keine Ausnahmen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Der Deppenapostroph

Auch wenn nicht jede falsche Anwendung gleich als Deppenapostroph bezeichnet wird, so gibt es ihn doch. Ein Deppenapostroph ist ein über das Genetiv-s und den Plural hinaus gesetzter Apostroph, wo er wirklich nie hingehört und wo man sich fragt, wie der Schreiber darauf kommt. Beispiel: nicht's. Über 700.000 Links listet Google für diese Schreibweise auf – natürlich nur auf den deutschen Seiten. Knapp 12.000 sind es für "Samstag's", mehr als doppelt so viel für "Sonntag's". Das könnte man mit jedem Wort machen, das auf -s endet und hinter einem Konsonanten steht. Obwohl: Es geht auch nach Vokalen, so bei der Schlagzeile "Alle's über Game's erfahren". Hier wurde gründlich gearbeitet! Gelegentlich wird dieser Apostroph auch als Horrorapostroph bezeichnet.

Warum die Umstände?

Eine ganz besondere Form des Apostrophs findet sich immer häufiger. So wird der Akzent Akut immer wieder benutzt. Dabei muss man zwei Tasten verwenden, die Akzenttaste und danach die Leertaste. Und so ´ sieht das dann aus. Gar drei Tasten braucht man für den Gravis, `. Vom Apostroph ' ist der Akzent jedoch alleine dadurch zu unterscheiden, dass er immer über einem Buchstaben steht und eine Betonung angibt, etwa im á oder à. Diese Taste braucht man im normalen Schriftverkehr ausgesprochen selten, während der Apostroph, richtig eingesetzt, doch immer wieder auftaucht. Er aber sitzt auf der Tastatur über dem Gatter #. Nirgendwo anders.

Fazit

Die richtige Anwendung des Apostrophs ist gar nicht schwer – meist ist es überflüssig. So sollte sich der kundige Schreiber bei jeder Anwendung vergewissern, ob es wirklich richtig eingesetzt wird. Die richtige Rechtschreibung ist, entgegen mancher anderslautender Behauptungen, auch im Internet wichtig und lässt Aussagen glaubhafter erscheinen. Nobody is perfect, aber Mühe geben sollte man sich.

Links

www.duden.de

www.google.de

www.deppenapostroph.de

Gerald Zimmer - Gerald Zimmer ist als selbstständiger Redakteur für zahlreiche Garten- und Heimtiermagazine tätig. Seine zahlreichen ...

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