Vom Ginster bis zur Zistrose - Pflanzen der Phrygana auf Samos

Zistrosenwürger - Adele Sansone
Zistrosenwürger - Adele Sansone
Bei einem Urlaub auf den griechischen Inseln fallen sie dem Touristen sofort ins Auge, die Hänge voll blühender Ginsterbüsche.

Vom Meer aus ansteigend erstrecken sich weite Flächen aus niedrigwachsenden Büschen, gelegentlich durchsetzt von einigen solitären Bäumen. Sogar beim Landeanflug auf die griechische Insel Samos ist diese Landschaft bereits deutlich zu erkennen.

Der Lebensraum Phrygana in Griechenland

Dieser Lebensraum (Habitat) wird bereits von Theophrastos, dem antiken griechischen Pflanzenexperten (3. Jahrhundert vor Christus) beschrieben und in seinen Pflanzenwerken als Phrygana bezeichnet. Im westlichen Mittelmeerraum wird das gleiche Habitat Garigues genannt. Hierbei dominieren die dornbewehrten Kugelbuschgewächse, welche gut an Wind und Trockenheit angepasst sind und gegen den Fraß durch Ziegen oder Schafe geschützt sind. Ihre Gehölze werden kaum über einen Meter hoch und unterscheiden sich vom typischen Küstenbewuchs.

Dieser Bewuchs dominiert auch als Erstbesiedlung, wenn wieder einmal durch Flächenbrände große Flächen zerstört wurden. Die Phrygana birgt im Schutz der dornigen Büsche aber auch Orchideen, wie das Knabenkraut oder andere wunderbare Wildblumen. Auch ein Großteil der bekannten mediterranen Gewürzpflanzen, wie Rosmarin, Thymian, Salbei oder Oregano gedeihen hier. Im Frühsommer geht man durch ein atemberaubend aromatisches Blütenmeer.

Der Übergang zur Macchia ist meist fließend oder mosaikartig übergreifend.

Typische Pflanzen der Phrygana

Typische Sträucher der Phrygana sind vor allem die stachelbewehrten Pflanzen, die sich auch oft genug ähneln: Dornginster, dorniger Ginster, Dornbusch-Wolfsmilch oder dornige Bibernell, sogar der kleine Sternklee weiß sich mit seinen kugeligen stachelbewehrten Früchten zu wehren.

Kopfiger Thymian, Thymbra-Bergminze, Griechischer Salbei, Krähenbeerenblättriges Johanniskraut, Rosmarin oder Schopflavendel sind die duftenden Vertreter. Zistrosen, Nadelröschen, Brandkräuter, Mittelmeer-Strohblume, Griechische Steinimmortelle und die vereinzelt herausleuchtenden Orchideen, wie Zungenständel, Knabenkraut oder Ragwurz gilt es zu entdecken. Einige Beispiele frei herausgepickt:

Dornbusch-Wolfsmilch (Euphorbia acanthothamnos)

Dieser stachelbewehrte polsterförmige Strauch aus der Familie der Euphorbien, ein Kissen, das allerdings nur von Weitem einladend wirkt, ist häufig vertreten. Die Dornbusch-Wolfsmilch ist ein Endemit Griechenlands. Die gelblich-grünen Blütendolden mit drei bis vier Strahlen wandeln sich im Folgejahr zu Dornen um.

Dornginster, Pfriemenginster, Dorniger Ginster und Besenginster

Die im Überfluss gelb leuchtenden Ginsterbüsche beherrschen die Phrygana. Wer über die Inseln wandert, ist dankbar, wenn er auf die unbewehrte Form trifft. Die zu den Schmetterlingsblütlern gehörenden Ginsterarten blühen von Januar bis Juli. Der Dornige Ginster (Genista acanthoclada) bildet kleine Polster mit dornigen Stängeln und wurde früher getrocknet als Brennstoff verwendet. Pfriemenginster (Spartium junceum) und der ähnliche Besenginster ((Cytisus scoparius) haben viele lange dünne Stängel mit nur wenigen Blättern. Der behaarte Dornginster (Calicotome villosa) kann bis zu 3 Meter hoch werden.

Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)

Als fiebersenkende Heilpflanze bekannt, als Blume eine kleine Schönheit aus der Familie der Gentianaceae, sticht sie mit ihren rosa Sternblüten ins Auge. Die zartere Vertreterin, das ährige Tausendgüldenkraut (centaurium spicatum), begegnet einem häufiger an Wegrändern.

Zistrosen (Cistus) und Zistrosenwürger (Cytinus ruber)

Die kleinen Sträucher sind neben dem Ginster die Hauptvertreter in der Phrygana. Ob in rosa, wie die graubehaarte Zistrose (Cystus creticus) oder die ebenfalls rosablühende weißliche Zistrose (Cistus albidus) oder die weißblühenden Montpellier-Zistrose (Cistus montpeliensis) oder die salbeiblättrige Zistrose ( Cistus salviifolius), sie begleiten den Wanderer über weite Strecken.

In der Nähe der Zistrosen lässt sich mancherorts ein auffällig an einen Erdstern erinnernder rot-weißer Schmarotzer entdecken, der Rote Zistrosenwürger (Cytinus ruber).

Kleines Glossar

  • Euphorbiaceae: Wolfsmilchgewächse beinhalten sowohl Zwerggewächse, als auch baumartige Pflanzen (Baumartige Wolfsmilch). Allen Arten ist der milchige Saft eigen, der in der Heilkunde schon seit der Antike von dem Heilkundigen Euphorbos verwendet wurde.
  • Leguminosae oder Fabaceae: Schmetterlingsblütler mit den Blütenblättern in Schmetterlingsform beherbergen in ihrer Familie kleine Graspflanzen (Klee), aber auch stattliche Bäume (Johannisbrotbaum).
  • Cistaceae: Zistrosengewächse gehören zur Ordnung der Malvenartigen und nicht zu den Rosenartigen. Sie billden immergrüne Büsche auf sonnigen, trockenen Stellen. Die rosenähnlichen Blüten haben fünf rosa oder weiße Kronblätter. Aus dem Harz wird Myrrhe gewonnen.

Übersichtsartikel: dazu: Wildpflanzen in Griechenland, Ein Blick auf die Insel Samos

Quellen: Wildblumen aus Griechenland, Vangelis Papiomytoglou; Mediterraneo Editions 2006 Kosmos Naturführer: Was blüht am Mittelmeer? Peter und Ingrid Schönfelder; Franckh Kosmos Verlag 2005

Fotohinweis: Sämtliche Bilder stammen von der Insel Samos

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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