
- Geselle P. Budziat bei der Arbeit - Foto Rudolf Stanzel
Im Spätmittelalter war jeder für seinen Schornstein selbst verantwortlich, und musste auch selbst für dessen Reinigung sorgen. Die ersten Schornsteine waren im heutigen Sinne keine, sondern nur ein Loch im Dach über der Feuerstelle. Erst als die Gebäude mehrstöckig wurden, musste man den Rauch geziehlt ableiten. Das geschah anfangs mit hölzernen Röhren, für deren Reinigung der Hausherr verantwortlich war. In den Häusern der höheren Herrschaften war es meist der Heizer der dafür verantwortlich war.
Norditalien war die Wiege der Schornsteinfeger
Da der Ofenbau mit Kachelöfen und engeren Schornsteinen in Norditalien entstand , kamen von dort auch die ersten Kaminkehrer die das ganze professionell betrieben. Auch in Deutschland wurde die Bebauung immer enger und damit die Feuergefahr durch Kaminbrände immer größer.
In Basel gab es 1661 die ersten Schornsteinfeger aus Locarno, die auch die Überwachung der Feuerstellen übernahmen. Wien erließ 1664 eine Ordnung für Rauchfangkehrer. Zwischen 1703 (Berlin) 1709 (Leipzig) 1710 (Dresden) bildeten sich die ersten Zünfte. Da die Ausbildung noch keinen einheitlichen Regelungen folgte, wurden oft Maurer mit der Bauaufsicht für Feuerstellen beauftragt. Ihnen oblag später dann auch das Reinigen der Schornsteine. In vielen Städten ließen sich auch Schornsteinfeger aus Savoyen, dem Tessin und dem Piemont nieder.
Ein krisensicherer Beruf
Die Lehrzeit betrug anfangs 4 bis 6 Jahre. Die Gesellen und Lehrlinge wohnten im Hause des Meister, der einen fest umrissenen Bezirk betreute. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte der Beruf des Schornsteinfegers auch zu den wandernden Berufen. So wie es heute noch bei den Zimmerleuten üblich ist. 1937 wurde von Himmler das Schornsteinfegergesetz unterschrieben, in dem die Kehrbezirke endgültig festgelegt wurden. Da der Schornsteinfeger Zutritt zu allen Wohnungen hatte waren systemtreue Meister natürlich gehalten, Wohnungen von eventuellen Regimegegnern zu überwachen. Über diesen Teil der Geschichte gibt es kaum schriftliche Aufzeichnungen. Wie so viele andere Gesetze wurde auch dieses Gesetz ohne große Ändrungen von der DDR und der BRD übernommen. Zur Krisensicherheit sei noch gesagt das 2007 von 8327 Schornsteinfegern nur 383 arbeitslos waren.
Schornsteinfeger 2011
Das heutige Bild des Schornsteinfegers hat sich gewaltig verändert. Da die Kohleheizungen deutlich zurück gegangen sind, muss er kaum noch Kamine reinigen. Seine Hauptaufgabe besteht heute in der Überwachung der Ölheizungen und deren Emissionen. Da jeder Hauseigentümer verpflichtet ist diese Überwachung durchführen zu lassen und auch die Kosten dafür zu tragen hat, kann man sagen der Beruf des Schornsteinfegers ist immer noch ein krisensicherer Beruf.
Was bringt die EU ab 2013
Das Thema Umweltschutz und Anpassung an EU-Recht wird ab 2013 größere Änderungen für den Beruf des Schornsteinfegers bringen. Ab 2013 wird es für jeden Hauseigentümer möglich sein, den Schornsteinfeger seiner Wahl mit der Betreuung seiner Kamine zu beauftragen. Es gibt dann keine festen Kehrbezirke mehr, für die jeweils nur ein Schornsteinfeger verantwortlich ist. Der Schornsteinfeger darf ab dann auch einer Nebentätigkeit nachgehen. Da sich der Klimaschutz durch neue Gesetze auch verändern wird, ist es dann möglich, dass der bisherige Schornsteinfeger mit der Überwachung der neuen Klimaschutzregelungen beauftragt wird.
Quellen
Berufsbild Schornsteinfeger Infoblatt für Schulabgänger ca. 1980
Schornsteinfegermeisterverordnung 25.6.1984 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft
Gespräche mit Schornsteinfegern
