
- Salah Naouras neues Kinderbuch - Beltz & Gelberg
In Salah Naouras neuem Kinderbuch „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“ scheint alles stimmig: Sprache und Ton des Autoren Salah Naoura tragen den Leser durch die scheinbar alltägliche Geschichte. Matti geht in die fünfte Klasse, sein kleinerer Bruder Sami noch in den Kindergarten. Mattis Vater ist Busfahrer, seine Mutter Sprechstundengehilfin. Doch der Alltag erleidet dann eine Schieflage, als die Eltern den Kindern nicht die Wahrheit sagen. Beim Ansehen einer Tiersendung erfolgt am Ende der Sendung ein Spendenaufruf für die Netzgiraffe in Afrika. Sami, der die Tiere und die Sendung über alles liebt, fragt daraufhin seine Eltern, ob sie spenden? Matti beruhigt Sami mit dem Hinweis, dass die Eltern jeden Monat für alle Tiere der Erde spenden, für die Delfine, die Wale und natürlich auch die Netzgiraffe. Sami ist glücklich. Als Sami abends seine Mutter, die gerade von der Arbeit heimkehrt ist, fragt, ob sie schon für die Netzgiraffe gespendet habe, entgegnet die Mutter und streicht ihm dabei übers Haar, dass sie das nur so gesagt hätten, weil Sami so süß ist.
Lügen ziehen weite Kreise
Für Sami bricht eine Welt zusammen, das Universum liegt in Scherben. Er rennt weinend in sein Zimmer. Das Buch handelt vom Lügen der Erwachsenen. Den Lügen des Vaters, die wiederum Lügen nach sich ziehen und Freundschaften zerbrechen lassen. Doch die Erzählung bleibt nicht bei den aussichtlosen Situationen, sondern schlägt immer wieder ins Gute um. Es bietet Lösungsvorschläge an, auch wenn sie nicht immer real sind. Beispielsweise kommt Matti die Idee, um für Sami die Welt zu retten, dass sie gemeinsam zur Bank gehen, um das Zigarettengeld des Vaters und das Geld zum Ausgehen der Mutter für die Netzgiraffe spenden. Die Geschichte erfährt durch das Korrigieren der Fehler eine ungewöhnliche Mischung aus Melancholie, Komik, Ernsthaftigkeit und Humor, erklärt LUCHS Jury-Mitglied Hartmut El Kurdi bei der Laudatio auf das Buch Salah Naouris im Literaturhaus in Hamburg.
Vom Mut, über sich selbst hinauszuwachsen
Naouras neuer Kinderroman zeigt, dass Eltern überfordert sein können. Die Geschichte ermutigt aber auch Kinder wie Erwachsene dazu, über sich selbst hinauszuwachsen, erzählt vom Mut, immer wieder neu zu beginnen und davon, dass es nie die Schuld der Kinder ist.
Seit 1986 vergibt die ZEIT alljährlich den Kinderbuchpreis LUCHS, um mit dem LUCHS, Bücher zu unterstützen, die diese brauchen. In den achtziger Jahren war die Zusammenarbeit einer ARD-Anstalt mit dem ZEIT-Verlag für die Vergabe des Kinderbuchpreises, zu dessen Jury u.a. die ZEIT-Redakteurin Susanne Gaschke, Karsten Binder von Radio Bremen und Hartmut El Kurdi gehören, einmalig. „Literatur soll magisch sein“, erklärt Karsten Binder bei der Preisverleihung im Literaturhaus in Hamburg. Doch gerade im Genre Kinderbuch ist es schwierig, unter der Flut seichter Literatur das Qualitätsbuch zu finden.
Von Lächelknöpfen
Moritz Müller-Wirth, Feuilleton-Chef der ZEIT, ist selbst Vater und eifriger Vorleser von Kinderbüchern. Aus seiner Sicht gebe es so viel lieblos produzierte Massenware. Dabei fördern gute Kinderbücher das Lesen. Denn im guten Buch hallt die Sprache nach und verändert im Alltag die eigene Weltsicht. Ein gutes Kinderbuch darf „Gefahren und Grausamkeiten“ durchaus zeigen, aber es müsse auch einen „Funken Licht“ sowie „Lächelknöpfe und Glücksinseln“ bieten. "Für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene, nur besser“, betont Moritz Müller-Wirth von der ZEIT am Abend der Preisverleihung.
„Ich bin ein Amateur des Kinderbuches“
Der schwedische Schriftsteller und Journalist Per Olov Enquist, der 1934 in Hjoggböle in einem Bauernhaus am Polarkreis geborgen wurde, sieht sich selbst „als Amateur des Kinderbuches“. 2003 wurde sein zweites Kinderbuch „Großvater und die Wölfe“ mit dem ZEIT-LUCHS Kinderbuchpreis ausgezeichnet. Während seiner Kindheit hat er selbst nur drei Kinderbücher gelesen: Robinson Crusoe, das Alte Testament und ein Buch über ein Lama, in dem er eine Vaterfigur suchte und sah. Obgleich alle drei Bücher keine richtigen Kinderbücher sind, sondern deswegen als Kinderbücher bezeichnet werden, weil sie von Kindern gelesen werden, bereitete die Kinderlektüre den Boden für Teile von Enquists späterem Erwachsenenleben. Dabei ist es unwichtig, welche „komischen Schlüsse“ Kinder aus den Büchern ziehen, die sie eigentlich noch gar nicht richtig verstehen können, erklärt Wolfgang Butt, Übersetzer von Enquists Romanen aus dem Schwedischen, der den erkrankten Schriftsteller am Abend der Preisverleihung vertritt. „Wichtig ist, dass die Wörter einen Zusammenhang bilden und auf der Suche nach dem Grund in dir und mir hilfreich sind“, erklärt Wolfgang Butt abschließend.
Das Kinderbuch "Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums" des ln Berlin lebenden Autors Salah Naoura ist im Beltz & Gelberg-Verlag erschienen und kostet EUR 12,95.
ISBN 978-3-407-79438-3
