Von Austernfischer bis Silbermöwe, die Vogelwelt auf Föhr

Rotschenkel - Adele Sansone
Rotschenkel - Adele Sansone
Moin, Moin - nicht nur die Nordsee und das Wattenmeer gilt es in Nordfriesland zu entdecken, auch seine Vogelwelt zieht den Besucher in Bann.

Wer ist nicht bezaubert von der Vielfalt der Vogelwelt, wenn er das erste Mal die Inseln der Nordsee besucht. Gerade Föhr ist für Naturliebhaber ein wahres Paradies. Wer sich die Mühe macht und schon frühmorgens sein Fahrrad nimmt und in eines der Marschgebiete radelt, oder gar zur Godelniederung bei Witsum, mit Fotoapparat und viel Geduld ausgerüstet, kann einen herrlichen Tag mit Natur pur verbringen. Noch im Schlaf meint man die verschiedenen Vogelstimmen dann zu hören. Und wer sich an das einmalige Erlebnis einer Wattwanderung macht, wird sie treffen, die Watvögel, die ihn in respektvollem Abstand begleiten. Manche davon kann man sogar als Andenken, freilich in Holz, mit nach Hause nehmen. Fünf interessante typische Wattenmeer-Vögel stellen sich hier vor:

Der Austernfischer (Haematopus ostralegus)

Er ist unverwechselbar und da er auch nicht gerade ein Einzelgänger ist, auch nicht zu übersehen und zu überhören schon gar nicht: der Austernfischer. Schwarzweißes Gefieder und rote Beine und ein langer roter Schnabel, etwa krähengroß, so stellt sich der Wattenmeervogel vor. Der Austernfischer brütet mit Vorliebe in den Salzwiesen und Dünen. Das Weibchen legt vier Eier ins Nest, wie alle Limikolen (Watvögel). Da der Vogel sehr wehrhaft ist, kann er sich sogar gegen Möwen behaupten. Er ist auch dementsprechend wenig scheu. Man kann ihn also im Frühsommer schön aus der Nähe betrachten. So ist es vergnüglich, die Watvögel-Kindergärten zu beobachten, wenn ein Elternvogel mit Futter ankommt und die Jungtiere bettelnd um ihn herum laufen und ein enormes Geschrei veranstalten. Im August zieht er gegen Süden, kehrt aber schon Anfang März ans Wattenmeer zurück. Auf seiner Speisekarte stehen Austern (siehe Namen), Krebse, Schnecken, aber auch Wattwürmer.

Die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisea)

Ein schlanker zierlicher Vogel, hektisch im Gebaren, hellgraues Federnkleid und eine schwarze Kapuze. Der Schnabel ist korallenrot, die Füße ebenfalls, die Schwanzfedern verlängert. Die Küstenseeschwalbe brütet in lockeren Kolonien auf den Salzwiesen und in der Nähe von Prielen. Sie fischt gerne in den seichten Ufergewässern. Aber auch mitten unter den Möwen, die den Schiffen folgen, kann man sie entdecken. An der Nordseeküste sind an die 9.000 Paare ab Mai zu finden. Sie ist der Zugvogel mit dem längsten Zuweg, da ihr Winterquartier von den Küsten Chiles und Südafrikas bis Patagonien und die antarktische Packeiszone reicht. Dabei legen die Schwalben eine Strecke von über 20.000 km zurück, die sie mit Hilfe von verschiedenen Rastgebieten bewältigen.

Die Eiderente (Somateria mollissima)

Sie wird größer als die Stockente, hat eine lange schräge Stirn und wirkt ein wenig plump. Das Weibchen ist unauffällig braun gefiedert. Das Männchen ist im Prachtkleid (Paarungszeit) auffällig schwarz- weiß gefiedert, im Schlichtkleid (Sommer) dunkel- bis schwarzbraun. Die Eiderente ist an der Nordsee auch als Wintergast zu finden. Sie brütet in einem Bodennest, das mit Dunen (ausgerupften Federn von der Bauchseite des Weibchens) ausgekleidet wird. Die Jungen werden bald nach dem Schlüpfen in einem "Kindergarten" (Jungschofe) von mehreren Weibchen zusammen geführt. Dabei kann es sich auch um verschieden alte Junge handeln, aber auch verschiedene Entenarten gemischt, wie Tafelente oder Reiherente. An der Nordseeküste brüten dank jahrelanger Schutzmaßnahmen wieder etwa 1.200 bis 1.400 Paare.

Der Rotschenkel (Tringa totanus)

Auch dieser Schnepfenvogel ist leicht an seinen knallroten Beinen zu erkennen. Auch die Schnabelbasis ist kräftig rot gefärbt. Noch dazu sitzt er gerne auf Pfählen, wo er sein Revier überwacht und bietet sich dabei wie ein Modell den Kameralinsen nur so an. Sein Gefieder ist braun-weiß gestreift, die gefleckte Brust erinnert ein wenig an Drosseln. Seine flötenden melodischen Triller sind außerdem ein Markenzeichen. Der Rotschenkel läuft auf Futtersuche mit raschen Schritten im Watt und an den Prielen hin und her, er wagt sich aber auch schwimmend in tieferes Wasser. Der Rotschenkel brütet in den küstennahen Grasgebieten, sein Nest versteckt er dabei gut.

Silbermöwe (Larus argentatus)

Sie ist die häufigste unter den Großmöwen. Ihr markanter gelber Schnabel mit rotem Fleck und das silberfarbene Gefieder an Flügeln und Rücken machen sie gut erkennbar. Jungvögel sind noch braun-weiß gescheckt, ihr Silberkleid bekommen sie erst im vierten Lebensjahr. Silbermöwen sind ganzjährig zu beobachten. Ernährten sie sich ursprünglich von Fisch und Fischresten, betätigen sie sich heute auch auf Mülldeponien und mitten in Tourismusorten. Sie sind nicht wählerisch. Leider vergreifen sie sich auch an Küken und Eiern bei anderen Möwen, aber auch bei den Seeschwalben, weshalb sogar einige Zeit versucht wurde den Bestand an Silbermöwen zu dezimieren. Gebrütet wird in den Dünengebieten.

Kleines Glossar

  • Ordnung Charadriiformes - Wat-, Möwen und Strandvögel
  • Familie Haematopodidae - Austernfischer
  • Familie Laridae - Möwen
  • Familie Sternidae - Seeschwalben
  • Ordnung Anseriformes - Entenvögel
  • Limikolen - Watvögel
  • Priel - ist ein natürlicher, oftmals mäandrierender Wasserlauf im Watt und in der Marsch.
  • Salzwiesen - sind küstennahe Streifen, die regelmäßig vom Meerwasser überflutet werden. Nur extrem salzwasserresistente Pflanzen überleben hier.

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Quellen: Pflanzen und Tiere der Küste, Christian Pott, Ulmer; BLV Vögel, Einhard Bezzel, BLV München

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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