
- Cover Frannys Reise - Droemer Knaur
"Frannys Reise" handelt von einem Mädchen, das mit fünfzehn Jahren stirbt und vom Himmel aus auf ihr Leben und Sterben zurückblickt. Dem Buch der Autorin Constanze Köpp war ein ungewöhnlicher Erfolg beschieden. Zuerst als Book on Demand erschienen, wurde es ein Jahr später von einem großen Verlag veröffentlicht. Im Interview erzählt die Autorin, wie dieser Erfolg möglich wurde.
2008 ist Ihr Buch „Frannys Reise – eine kleine Geschichte über das Leben und das Sterben“ bei Droemer Knaur erschienen. Wie kam es zu diesem Buch? Haben Sie schon früher geschrieben?
Als Kind schon füllte ich jede Woche ein neues Tagebuch, formte meine eigene Sprache und entdeckte in literarischen Vorbildern die Kunst von Wortspielereien. Ich wünschte mir bereits als junges Mädchen, eines Tages Bücher zu schreiben, die nicht nur Familie und Freunde berühren. Und ich wollte Themen wählen, die zur Tabuliste der Menschen gehören. Ich habe mich natürlich gefragt, was ein Buch haben muss, dass man es von der ersten bis zur letzen Seite verschlingt. Was es haben muss, dass man es nicht vergisst. Dass es nicht nur Zielgruppenleser hat, sondern es bekannt wird wie „Der kleine Prinz“. Ich hatte immer hohe Ansprüche, übte mich in viel Geduld (als ungeduldiger Zwilling) und wurde doch erst kämpferischer durch jene Verlagsabsagen, die ja am Ende gar keine waren. Aber bevor ich die Muße hatte, mich an einen ganzen Roman zu wagen, füllte ich Ordner mit Gedichten, schrieb für Menschen große Reden und später Kolumnen zu gesellschaftlichen Themen, die wachrütteln.
Der Tod einer jugendlichen Mukoviszidose-Patientin ist ein extrem schwieriges Thema. Wie ist es gekommen, dass Sie darüber schreiben wollten? War die Umsetzung ein Problem?
Im Vordergrund steht ja nicht die Krankheit, sie ist fast austauschbar, und doch musste ich ihr einen Namen geben. Aber der Tenor meines Werkes ist die Liebe zum Leben, die Liebe zum Glauben, die Liebe zur Freundschaft, die Liebe zu Tugenden und Werten. Ich möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen ein Stück Angst verlieren vor Themen, die sie lieber von sich schieben. Aber was wir wegschieben, nimmt uns nicht die Angst. Im Gegenteil. Irgendwann sehen wir uns wieder mit der Angst konfrontiert, mit einem Thema, das uns hätte weniger schwer erschienen, wenn wir zuvor offener damit umgegangen wären. Und dass ich FRANNY im Buch habe sterben lassen, liegt daran, dass ich sonst nicht über den Himmel hätte schreiben können.
Zuerst ist Ihr Buch bei BoD erschienen. Haben Sie sich sofort dafür entschieden oder wurde Ihr Manuskript von Verlagen abgelehnt?
Ich bot es zunächst in Kurzversion großen Verlagen an, aber ich bezweifle, dass es je gelesen wurde, denn ich war unbekannt! BoD war bekannt, und der Weg über BoD war der schnellste, um in den Markt zu stoßen. Durch rigorose Eigen-PR und Spendenaktionen für Kinderhospize machte ich auf FRANNY aufmerksam. Droemer Knaur entdeckte schließlich mein Werk und erkannte darin eine große Chance, und so wechselte FRANNY nach nur knapp einem Jahr das Verlagsheim! FRANNY ist kein saisonaler Kassenschlager, FRANNY ist ein Longseller. Auch „Der kleine Prinz“ wird seit 1943 sicherlich immer noch täglich gekauft!
Welche Werbemaßnahmen haben Sie für das BoD-Buch ergriffen? Welche können Sie empfehlen und welche sind ein Schuss in den Ofen?
Keine Aktion ist wirklich ein Schuss in den Ofen, solange man sich finanziell nicht übernimmt. Postkarten kann man schon nahezu kostenlos drucken lassen, diese werden dann verteilt. Weiter ging FRANNY auf Wanderschaft durch viele Bundesländer, ich bin aktiv in Bücherforen. Verlinkungen, Aufkleber & Co – es gibt so viele Dinge, die man tun kann. Ein Autor sollte so kreativ sein wie der Inhalt seines Buches!
Schließlich hat Droemer Knaur das Buch verlegt. Normalerweise würde man denken, ein bereits veröffentlichtes Buch interessiert einen Verlag nicht – wie ist es zu dieser Wendung gekommen?
Der Verlag fand mich zuerst. Sie glaubten gleich an den Erfolg von FRANNY. Und ich wiederum hatte immer geahnt, eines Tages gefunden zu werden. Jeder Autor erhofft sich ein etabliertes, großes Verlagshaus für sein Buch. Ich war von Anfang an so überzeugt von FRANNY, brauchte nur die richtigen Finger, in die es gelangen müsste. Droemer Knaur wusste, dass ich keine stille Autorin bin, die sich auf Verlags-PR allein verlassen würde. Ich bin nicht weniger aktiv als zu BOD-Zeiten, bin mittlerweile sogar süchtig nach Lesungen. Wenn meine Zuhörer gerührt sind und Tränen fließen, berührt das wiederum auch mich, und es erfüllt mich mit Stolz. Ich habe unglaubliche Begegnungen durch mein Werk gehabt. Und wenn FRANNY weiterhin ihre Leser bewegen, muss ich einfach sagen: Tränen wiegen manchmal mehr als Geldscheine!
Wurde am Buch noch etwas verändert, oder wurde die BoD-Fassung übernommen, so dass es „Frannys Reise“ jetzt tatsächlich zweimal gibt?
Nein, als es noch einmal „ernst“ für mein Werk wurde, habe ich die Chance ergriffen, all das Gedachte, aber Ungeschriebene, in die neue Ausgabe einfließen zu lassen. Ich habe anfangs schwer loslassen können nach dem Buchdruck, immer wieder produzierte mein Kopf neue Gedanken. „Frannys Reise“ hieß bei BoD „Frannys Weg“ – diese Ausgabe gibt es nur noch in wenigen Mengen, wenn sie abverkauft ist, wird es diese nie wieder geben. Ebenso wie die Hörbücher der BoD-Ausgabe, die ein kleiner Verlag damals ebenfalls für sich entdeckte und publizierte. Nun liegen die Rechte bei Droemer Knaur und ich wünsche mir, dass ein neues Hörbuch auf den Markt kommt!
Können Sie BoD-Autoren raten, worauf es ankommt, um das Buch noch einem Verlag schmackhaft zu machen?
Verlage wollen Zahlen sehen. FRANNY war bei BoD meistens unter den Top 10, und so wurde der Verlag auf FRANNY aufmerksam. Wenn gleich der Buchhandel seine Regale leider noch immer kaum mit BoD-Ausgaben bestückt, so schauen doch Verlage schon bei den BoD-Rankings nach – und manchmal kommt es eben zu einer Übernahme, wie bei mir! Ein fundiertes Exposé mit Fakten, Statistiken, Recherchen zum Thema bringt auf alle Fälle Pluspunkte! Aber einen langen Atem braucht man schon, wenn man keine Kontakte im Verlagsgeschäft nutzen kann.
Constanze Köpp: Frannys Reise. Eine kleine Geschichte über das Sterben und Leben. Pattloch 2008. Gebunden, 96 Seiten. EUR 9,95.
