
- Strand-Grasnelke - Adele Sansone
Wer im Frühsommer auf Föhr eintrifft, wird in Wyk von den Rosen der Insel begrüßt. Ob in weiß oder rosa, ob Dünen- oder Friesenrose, aber auch Strandflieder oder knallgelbes Labskraut leuchten einladend. Von den Salzwiesen bis zu den Vorgärten, die der Insel und dem Wattenmeer angepasste Vegetation erfreut den vom Festland kommenden Besucher.
Dünen-Rose oder Bibernell-Rose (Rosa spinosissima)
Sie zeichnet sich vor allem durch ihre filigranen gefiederten Blätter aus. Die Blüten sind etwa drei bis maximal vier cm groß und fünf- bis neunzählig, reinweiß oder cremefarben. Sie ist, wie schon ihr Name sagt, Sand- und Dünenliebhaberin. An der Küste ist sie bestandsbildend, im Frühsommer führt so mancher Wander- oder Radweg auf Föhr durch ganze duftende Reihen davon. Die Früchte sind nicht knallorangefarben, wie bei der Friesenrose, sondern fast schwarz. Dankbar werden sie von den Vögeln als natürliches Futter angenommen, dafür bedanken sich die Vögel eifrig mit der Verbreitung der Samen. Auf manchen Inseln der Nordsee ist die Dünen-Rose seltener geworden, da sie in ihrem Verbreitungsgebiet durch die Friesenrose starke Konkurrenz erhalten hat.
Kartoffel-Rose, auch Friesenrose genannt (Rosa rugosa)
Diese Rose fällt schon durch ihren kräftigen Wuchs und die etwas runzelig wirkenden kräftig-grünen Blätter auf, die Stängel bis zu den Blättern sind stachelig bewehrt. Aber ihr wahres Kennzeichen sind die dunkelrosa, fast pinkfarbenen Blüten, obwohl es sie auch in weiß gibt. Im Herbst bildet sie große orangerote Hagebutten aus. Sie gedeiht vor allem in den Braundünen, ist aber auch in viele Gärten an der ganzen Nordseeküste eingewandert.
Als "Friesenrose" wurde sie berühmt, denn man benutzte sie als Malvorlage auf friesischem Teegeschirr. Manchmal bezeichnet man sie auch, wegen ihrer großen Früchte, als Apfelrose. Auch Kamtschatka-Rose wird sie genannt, was auf ihre ursprüngliche Herkunft deutet. Von der heimischen Vogelwelt wird sie geliebt, nicht nur wegen ihrer schmackhaften Früchte, auch für den Nestbau ist sie bestens geeignet. Der Mensch schätzt sie wegen ihrer Farbigkeit, aber auch ihrer vielfältigen Verwendbarkeit: aus den Blättern kann man Tee oder Likör bereiten, aus den Blütenblättern Rosenmarmelade und aus den Hagebutten Marmelade oder Wein.
Echtes Labkraut (Galium verum)
Knallgelb leuchtet es dem Wanderer entgegen, das ist kein Raps, sondern es sind die Wölkchen des Echten Labkrauts. Die lanzettlichen quirlig stehenden Blätter des Labkrauts sind mit einer kleinen Stachelspitze versehen. An der Oberseite sind sie dunkelgrün, an der Unterseite behaart. Die winzigen, aber reich stehenden Blütenrispen leuchten von weitem. Das Labkraut liebt die Grau- und Braundünen, der Boden sollte sandig und warm sein.
Der Name "Labkraut" deutet auf das wichtige Labferment hin, das in seinem Pflanzensaft enthalten ist. Dadurch gerinnt die Milch schneller, das Labkraut wurde daher früher zum Käsemachen verwendet. Dazu wurden aus den Stängeln Siebe geflochten, die Milch durchgegossen, dabei löste sich das Labferment aus den Stängeln und die Milch begann zu gerinnen. Heute wird das Labkraut nur mehr als Heilpflanze verwendet.
Strand-Grasnelke (Armeria maritima)
Sie ist eine Pflanze der oberen Salzwiesen. Ab Mai leuchten die rosa Köpfchen über Graspolstern, diese vermeintlichen Graspolster sind die grasartigen, leicht fleischigen Blätter der Grasnelke. Die Köpfchen bestehen aus bis zu 15 Einzelblüten, die auf den ganz fein behaarten Stängeln stehen. Die Grasnelke liebt trockene, aber auch tonige Böden, verträgt aber auch die salzigen Böden ganz gut.
Eigentlich ist die Grasnelke keine Nelke, sie gehört zu den Bleiwurzgewächsen. Grasnelken sind sehr formenreich und es gibt sie vom Strand bis ins Hochgebirge. In viele Ziergärten hat eine kultivierte Form ebenfalls Eingang gefunden. Die Strand-Grasnelke ist eine geschützte Pflanze, also nicht ausgraben und einfach mitnehmen.
Strandflieder oder Halligflieder (Limonium vulgare)
Er ist kein Flieder (Syringa), aber die fliederfarbenen zarten Blüten, die auf einer Rispe wachsen, erfreuen das Auge des am Strand dahinwandernden Besuchers. Die Blätter sind gelblich-grün, lanzettlich und haben an ihrer Unterseite aktive Salzdrüsen, durch die Salz ausgeschieden werden kann. So ist es dem Strandflieder möglich auf den untersten Salzwiesen zu wachsen. Die Blattrosette bleibt über den Winter erhalten und dient den gefiederten Wintergästen als Futter. Besonders reich blüht der Strandflieder ab August, dann verwandelt er die Strände in ein violettes Blütenmeer. Er ist, wie die Strand-Grasnelke ein Bleiwurzgewächs. Die Wurzeln färben bei Berührung die Hände bleigrau ein, daher stammt der Name. Wie viele andere Pflanzen auch steht der Strandflieder, auch Wattflieder genannt, unter Schutz.
Queller oder Salzhornkraut (Salicornia europaea)
Was am Sandstrand an vereinzelte seltsame Grasbüschel erinnert, ist eine der Pionierpflanzen der Salzwiesen. Der Queller ist jene Pflanze, die den höchsten Salzgehalt aushält. Ein wenig erinnert er in der Wuchsform an das Zinnkraut. Seine Stängel sind fleischig verdickt und armleuchterartig verzweigt. Die Blätter sind reduziert auf kleine Schuppen, um die Verdunstung zu minimieren. Die Blüten erscheinen winzig in den Achseln der Blätter.
Der Queller ist imstande in den Salzwiesen enorme Mengen an Salz aufzunehmen. Anders als der Strandflieder besitzt er keine Salzdrüsen, durch die er das Salz wieder ausscheiden kann. Der hohe Salzgehalt lässt das hochstehende Wasser einströmen, die Pflanze quillt auf (Name). Die Bestäubung erfolgt bei ihm sinnvollerweise durch Schwimmpollen. Wenn die Salzkonzentration in der Pflanze zu hoch wird, wird das Chlorophyll dadurch zerstört. Die Pflanze wird kräftig rot (Oktober). Da der Queller dichte Rasen bildet, ist er neben dem Strandflieder ein wichtiger Verlandungspionier. Der Queller kann auch als Gemüse, nur leicht blanchiert, aber ohne Zugabe von Salz, genossen werden. Er soll so ähnlich schmecken, wie grüne Bohnen.
Früher verwendete man die Pflanze wegen ihres hohen Natriumgehalts bei der Glasherstellung (Glasschmalz), ebenfalls gebrauchte man sie zur Sodagewinnung.
Kleines Glossar
- Salzwiesen - sind küstennahe Streifen, die regelmäßig vom Meerwasser überflutet werden. Nur extrem salzwasserresistente Pflanzen überleben hier.
- Graudünen - Festliegende, meist von Süßgräsern dominierte, gehölzfreie oder gehölzarme Dünen mit beginnender Bodenbildung landwärts der Strandhaferdünen an den Küsten der Nord- und Ostsee.
- Braundünen - Hier besteht schon eine größere Humusbildung, eisenhydroxidhaltige Säuren werden ausgewaschen und geben der Düne eine Braunfärbung.
Quellen:
Pflanzen und Tiere der Küste, Christian Pott, Ulmer;
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