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Von der Geschichte der Perspektive in der Kunst

graphische Darstellung Perspektive - Christine Rödel
graphische Darstellung Perspektive - Christine Rödel
Seit der perspektivischen Darstellung in der Malerei und Kunst unterlag die Bedeutung der Perspektive ständig anderen Prioritäten.

Der Begriff Perspektive stammt aus dem Lateinischen. „Perspicere“ der Begriff bedeutet wörtlich übersetzt „hindurchsehen“. In Bezug auf die perspektivische Darstellung ist die den Sehbedingungen entsprechende Wiedergabe von Räumen und Objekten gemeint.

Perspektive schafft Illusion

Mit der Perspektive wird räumliches Sehen wiedergegeben. An diesem Vorgang sind beide Augen beteiligt, obwohl der Raum oder das Objekt lediglich nur einmal gesehen wird. Anders ausgedrückt heißt es auch, dass eine zweidimensionale Fläche mit drei Dimensionen dargestellt wird und damit eine Illusion erzeugt. Doch die Illusion ist eine Ironie oder im Bezug auf die Perspektive eine Scheinwirkung, da Raum nicht tatsächlich vorhanden ist, sondern nur vorgetäuscht wird.

Geschichte der Perspektive

Erste perspektivische Darstellungen gab es bereits im 6. Jahrhundert vor Christus zu sehen. Figuren wurden in verkürzter Form und in Schrägansicht dargestellt. Ein Jahrhundert später tauchten erste Bühnenwandbemalungen in perspektivischer Darstellung auf. Man sprach von der Skenographie. Der griechische Begriff setzt sich aus „Scene“, der Kulisse und „graphein“, dem Zeichnen zusammen. Bis zum Mittelalter galt die Malerei als schlichtes Handwerk. Erst mit dem Anbruch der Renaissance wurde hieraus einer der edelsten Berufe. Die allgemeine Begeisterung stieg nochmals mehr, als die perspektivische Darstellung an Bedeutung gewann und alles veränderte. Das vorher Geschaffene, galt nunmehr als primitiv. Die gleichzeitige Darstellung von Innen- und Außenansichten bereitete Probleme bezüglich des Maßstabes. Als Bezugssystem für die sehr deutliche Darstellung der Verkürzungen, wurden oftmals Fliesenböden genutzt, deren Raster der Orientierung dienten.

Bedeutung der perspektivischen Darstellung in unterschiedlichen Kulturen

Die Perspektive in der Malerei gewann nicht in allen Kulturen gleichermaßen an Bedeutung. Einige Kulturen hielten an ihren Prioritäten für die Darstellung fest und ignorierten diese Form.

Die Ägypter zum Beispiel zeigten kein Interesse daran. Sie hielten an der Gewichtigkeit religiöser und sozialer Symbole fest. Sie mischten verschiedene Perspektiven, so dass verschiedene Teile eines dargestellten Körpers in der Profilansicht und andere des gleichen Objektes in der Vorderansicht zu sehen waren.

Die von den Römern ursprünglich darstellten naturalistischen Landschafts- und Architekturbilder verwarfen die Byzantiner nach dem Untergang des Römischen Reiches wieder. Die strenge Ordnung und göttliche Symbole gewann erneut die Oberhand. Doch im 13. und 14. Jahrhundert und dem damit verbundenen erneuten Interesse am antiken Rom, kehrte die Vorstellung wieder, dass Kunst der Spiegel der realen Welt sei. In der byzantinischen Kunst wirkten die dargestellten Formen lediglich durch die Darstellung von Licht und Schatten räumlich.

Neuer Realismus

Giotto Di Bondone führte um 1320 einen neuen Realismus in der Malerei ein. Das Gebäude in dem Gemälde „Das Fest des Herodes“ wurde über Eck dargestellt. Die Wände sind gänzlich weggelassen, um ebenfalls das Innere darzustellen. Gennino Gennini, ein Gelehrter, leitete um 1400 die Faustregel ab, dass die Schrägen des Gebäudesockels nach oben verlaufen müssen und die oberen Teile schräg nach unten. Taddeo Gaddi, ein Schüler Giottos übernahm dessen Lehre und übersteigerte sie extrem. Er überlud die Werke mit naturalistischen Details.

Anfang des 15. Jahrhunderts führten der Bildhauer und Architekt, Filippo Brunelleschi und der Architekt und Schriftsteller, Leon Battista Alberti, in Florenz die Entwicklung und Anwendung Perspektive zur Anerkennung als wichtiges Hilfsmittel in der Kunst.

Brunelleschi, der Erfinder der Linearperspektive

Die italienischen Künstler entwickelten ihre eigenen Theorien aufgrund von Beobachtungen, einfache Messmethoden, oder beschränkten sich auch lediglich auf sinnliche Wahrnehmung. Die Maler nördlich der Alpen kopierten Bilder, die sie in nach außen gewölbten Spiegel sahen. Damit erzielten sie Licht-, Raum- und Tiefenwirkung. Bei der eigentlichen und endgültigen Darstellung wurde das Bild wieder entzerrt.

1413 demonstrierte er mit seinen Guckkasten als erster die Technik der Linearperspektive und galt somit als Erfinder. Um 1435 brachte Alberti eine weitere Möglichkeit zur perspektivischen Darstellung hervor. Diese zeigte sich eher geometrisch. Er unterteilte den menschlichen Körper in drei Armlängen, auch als braccias bezeichnet, wovon eine braccia das Maß zur Unterteilung der Grundlinie ausmacht. Paolo Uccellio, Piero della Francesca und Andrea Mantegna befassen sich ebenfalls unermüdlich mit der Entwicklung der perspektivischen Darstellung. Während Uccellio sich der Plastizität von Pflanzen und Tieren widmete, war Francesca der Meinung, dass jegliche Schöpfung in der Geometrie basiere. Mantegna schloss sich der Methode Albertis an und schuf die erste umfassende illusionistische Raumgestaltung.

Quelle: Die Geschichte der Malerei, Wendy Beckett, DUMONT-Verlag, 1995, 228 Seiten

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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