
- Teeglas mit Teebeutel - TEEKANNE GmbH & Co. KG
Die Stammfirma der TEEKANNE GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf belieferte die deutschen Truppen in den Kriegsjahren von 1914 bis 1918 mit Tee. Dieser war damals in kleinen Mullsäckchen verpackt, die mühsam und recht primitiv von Hand gefertigt wurden. Zwar waren die „Tee-Bomben“ recht praktisch, doch der verwendete Mull beeinträchtigte den Geschmack ganz erheblich. So tranken viele Soldaten lieber nur heißes Wasser statt die „muffige braune Brühe“ zu „genießen“. Selbst der Geruch erinnerte eher an feuchte Socken denn an aromatischen Tee.
Die „Tee-Bomben“ geraten nach dem Ersten Weltkrieg in Vergessenheit
Und so war es nicht wirklich verwunderlich, dass die „Tee-Bomben“ nach Kriegsende wieder in Vergessenheit gerieten – zumindest in Deutschland.
Erst gegen Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entdeckte der damalige Seniorchef der Firma TEEKANNE auf einer USA-Studienreise Tee in Kammerbeuteln aus Pergamentpapier. Das Spezialpapier war geschmacksneutraler als der früher verwendete Mull. Doch diese Beutelchen waren geklebt und der verwendeten Klebstoff verlieh dem Teeaufguss einen recht gewöhnungsbedürftigen Beigeschmack.
Wiederaufnahme der Teebeutelproduktion in den späten 1920er Jahren
Die TEEKANNE-Firmenleitung erkannte aber sofort das Potential der Aufgußbeutel für den deutschen Teemarkt und nahm die 1918 eingestellte Produktion an Teebeuteln wieder auf. Um aber wirtschaftlich produzieren zu können, mußten zunächst vollautomatische Maschinen entwickelt werden, die Aufgußbeutel in großer Stückzahl herstellen konnten.
Zunächst wurde wieder auf das Mullgewebe als Stoff für den Beutel gesetzt. Der Tee nahm aber bei der Berührung mit dem Mullgewebe einen zwar geringen, aber doch schmeckbaren Beigeschmack an. Ein geringer Teil der Aroma-Stoffe des Tees wurde außerdem von den Mullfasern absorbiert. Trotzdem kamen diese Mullbeutelchen Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland auf den Markt und fanden bis 1949 auch ihre Käufer.
Bei der Firma TEEKANNE scheute man nach Ende des Zweiten Weltkrieges keine Entwicklungskosten und fand in Adolf Rambold einen fähigen Mitarbeiter, der eine völlig neue Maschine baute. Die von ihm konstruierte Teebeutelmaschine produzierte Teebeutel nicht mehr aus Mull, sondern aus einem völlig geschmacksneutralen, perforierten Spezialpapier. Dieses Papier überzeugte auch die anspruchsvollsten Teetrinker, die Tee aus Mullbeuteln noch immer an einem leichten Beigeschmack erkannten.
Das Geburtsjahr des Teebeutels: der Doppelkammerbeutel kommt 1949 auf den Markt
Nach jahrelangen Fehlschlägen und mißglückten Faltversuchen kann 1949 als das Geburtsjahr des heute bekannten Teebeutels angesehen werden – in diesem Jahr kam der Doppelkammerbeutel auf den Markt. Ganz ohne Klebstoff wird das Beutelchen aus feinem Filterpapier gefaltet. Gelagert ist der Tee in zwei Kammern des Beutels. Dadurch kann das Wasser den Tee optimal umspülen und somit das Teearoma voll zur Entfaltung bringen.
Die Teepackmaschine PERFECTA produziert 400 Teebeutel pro Minute
Der komplizierte Faltvorgang bei der Herstellung wird heute von einer vollautomatischen Maschine vorgenommen. Seit 1990 sorgt die Teepackmaschine „PERFECTA“ für die hygienisch einwandfreie Teebeutelproduktion. Sie kann bis zu 400 Teebeutel pro Minute herstellen. Dabei füllt sie jeden Teebeutel mit 3 Gramm Tee. Außerdem erhält jeder Teebeutel einen Faden und ein Etikett, das Angaben über die enthaltene Teesorte enthält. Obwohl nicht unbedingt nötig, schätzen doch fast alle Teetrinker Faden mit Etikett, um den Beutel am Ende der Ziehzeit bequem aus der Tasse oder Kanne zu nehmen. Diese Teebeutel-Etiketten werden übrigens ebenso wie die Teebeutelumschläge gern gesammelt.
Bereits Mitte der 1960er Jahre wurden in Deutschland und auch in den USA mehr Teebeutel als loser Tee verbraucht. Die heutigen „Trendtees“ mit so blumigen Namen wie „Einfach schön“, „Innere Ruhe“ oder „Klarer Kopf“ gibt es fast ausschließlich als Aufgußbeutel. Und schließlich sind diese Beutelchen ja auch für die kleine Tasse Tee zwischendurch sehr praktisch.
Quellen und weiterführende Informationen:
- 75 Jahre Marke Teekanne 1882-1957. Düsseldorf, 1957
- Presseinformationen der TEEKANNE GmbH & Co. KG
