Von der Walkmühle zum Kupferhammer zur Cafe Mühle im Mühlengrund

Kupferhammer Mühlengrund Orlagau - Jörg Rüdiger
Kupferhammer Mühlengrund Orlagau - Jörg Rüdiger
Die Mühlen bei Lausnitz waren immer beliebte Ausflugsziele in Thüringen, bis sie alle brach lagen. Jüngst eröffnete im Kupferhammer ein Cafe mit Workshops.

Eine der am frühesten besiedelten Gegenden von Deutschland sei in Thüringen das Tal, durch das sich der kleine Fluss, die Orla, schlängelt. An seinen rund 35 Kilometern ist Platz für zahlreiche Mühlen, die im Laufe der Jahrhunderte ihre Funktionen wie auch die Besitzer wechselten. Jüngst eröffnete hier, an dem beliebten Ausflugsziel, im Lausnitzer Mühlengrund, eine Cafe Mühle.

Die Besitzer des Rittergutes in der Region von Lausnitz

In der Region um Lausnitz hatte sich ein altes Thüringer Geschlecht niedergelassen. Die Ritter von Stein sind hier bereits im 13. Jahrhundert namentlich erwähnt. Erbstreitigkeiten, Güterteilungen, Misswirtschaften zwingen im Jahr 1743 zur Zwangsversteigerung von dem Rittergut, das um 1551 in ein oberes und ein unteres Gut geteilt wurde. Das untere Rittergut ersteigerte Phillip von Ellroth, wo es bis 1945 im Familienbesitz bleibt. Von Stein behält das obere Gut, bis es an das Haus Hohenlohe geht und später an einen Landwirt verkauft wird. Nach dessen Flucht nach Westdeutschland wird es von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft bis 1990 bewirtschaftet und die Bausubstanz ihrem Schicksal überlassen.

Harrasmühle, Papiermühle, Kupferhammer und Eisenhammer an der Orla

Unweit der Rittergüter und der Siedlung Lausnitz befindet sich der Mühlengrund, ein idyllischer Platz, dessen Ambiente die Orla bestimmt. Hier sei das erste Industriegebiet im Orlatal entstanden. Neben der Harrasmühle, einer Papiermühle, einem Eisenhammer wurde auch der Kupferhammer hier betrieben. Doch im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Funktionen der Mühlen. Es wurde gewalkt, Kupfer geschmiedet, Öl gepresst, Pulver gemahlen, für die Gerberei erforderliche pflanzliche Gerbmittel aus Rinden zermahlen, Eisen und Kupfer geschmiedet. Der Eisenhammer und die Papiermühle wurden nach einem Bombenangriff teilweise wieder aufgebaut, doch der permanente Baustoffmangel während der hier sozialistisch regierten Periode, lässt die Bauten zusehends verkommen.

Mühle wird mit Hammerwerk ausgestattet

Die Ersterwähnung vom Kupferhammer geht auf 1629 zurück. Er wurde während des dreißigjährigen Krieges gebaut und diente seit 1631 als Waffenhammer. Nach Kriegsende wurde die Mühle als Walkmühle für die zahlreichen Tuchfabriken betrieben. Außerdem diente sie auch zur Herstellung von Pulver.

Ab 1704 erhielt die Mühle ein Hammerwerk, mit dem Kupfer weiter verarbeitet werden konnte. Das war auch bei weiteren Mühlen üblich, wie dem Fronauer Hammer bei Annaberg oder dem Eisenhammer bei Weida.

Ab 1843 erwarb die Tuchmacherinnung von Neustadt an der Orla das Mühlengebäude und baute es um. Mit der Wasserkraft der Orla wurden nun Maschinen betrieben, die Stoffe webten. Auch hier schlossen sich zahlreiche Besitzerwechsel mit sehr unterschiedlichen Unternehmungen an.

Platz für Seidenraupen und Künstler

Während des Zweiten Weltkrieges pflanzten die derzeitigen Besitzer eine Vielzahl von Maulbeerbüschen an, die als Futter für Seidenraupen zur Herstellung von Fallschirmseide dienen sollten. Kurz vor Kriegsende war hier die ausgebomte Niederlassung des Filtertütenherstellers Melitta untergebracht.

Nach Kriegsende lebte hier der Maler und Grafiker, Heinrich Kiefer, der später in Neustadt an der Orla sein Atelier betrieb und einen Zeichenzirkel ins Leben rief. Knapp zwanzig Jahre lang wurde das Anwesen ab 1970 als Ferienlager genutzt, wo zahlreiche Kinder in dem nahezu unberührten Gelände ihre Schulferien verbrachten. In dieser Zeit wurden auch die Hammeranlage und das Mühlrad deinstalliert.

Der Steinmetz und die Cafe Mühle im Mühlengrund

Im Jahr 2000 rief Jörg Rüdiger das Unternehmen Steinmetz und Steinbildhauer hier am Kupferhammer ins Leben und begann neben den üblichen Tätigkeitsbereich des Steinmetzens auch mit der Restauration des Kupferhammers. Liebevoll und nach ökologischen Gesichtspunkten aufwendig restauriert, erstrahlt das beliebte Ausflugsziel in neuem Glanz. 2008 zog die Firma nach Neustadt und am Kupferhammer wurde Platz, um es für einen erholsamen, gastronomischen und kulturellen Bereich zu erschließen. 2012 eröffnete Annett Müller hier ein Wochenendcafe, die Cafe Mühle, das Spaziergänger bewirtet oder Festveranstaltungen ausrichtet. Außerdem werden Workshops im Bereich Bildhauerei, Malerei, Keramikarbeiten, Yoga und Reiki veranstaltet.

Der Kupferhammer ist mit dem Fahrzeug über die B281 zu erreichen. Ab der Bushaltestelle Lausnitz Richtung Mühlengrund, circa 2 km, zu laufen, oder ab Neustadt an der Orla entlang der Orla, Richtung Neunhofen, fortführend Richtung Mühlengrund wandern.

Quelle: Jörg Rüdiger und www.orlasenke.de

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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