Von Goethe über Franz Liszt bis zu Thomas Mann

Kleines Lexikon Weimarer Persönlichkeiten – eine Rezension

Völkel (Hrsg.): kleines lexikon Weimarer Persönlic - Weimarer Verlagsgesellschaft
Völkel (Hrsg.): kleines lexikon Weimarer Persönlic - Weimarer Verlagsgesellschaft
In dem Nachschlagewerk sind viele Personen zu finden, die in dem wichtigen Ort der kulturellen und politischen Geschichte Deutschlands verweilten.

Weimar ist in der deutschen Geschichte mehr Symbol als Ort. Vor allem durch Goethe und Schiller war die thüringische Stadt für eine kurze Zeit der Parnaß des literarischen Lebens und gab der literarischen Strömung Weimarer Klassik ihren Namen. Aber auch in der politischen Geschichte spielt Weimar eine wichtige Rolle. Hier traf nach dem Ersten Weltkrieg die verfassungsgebende Nationalversammlung zusammen und beschloss die Reichsverfassung. Seither steht Weimarer Republik für den Anfang und das Ende einer demokratischen Idee – und den Beginn der unheilvollen Epoche des Nationalsozialismus.

Napoleon und Thomas Mann – Bekannte Besucher

Auch das Lexikon der Weimarer Persönlichkeiten zeugt von der Bedeutung der Stadt. Zahlreiche große Namen finden sich in dem Buch. Thomas Mann, der Weimar mehrfach besuchte, ist darunter. Oder auch Napoleon Bonaparte, der in Weimar einen kurzen Aufenthalt einlegte. Diese Auswahl ist durchaus überraschend, da der Titel eigentlich nahelegt, dass in dem Lexikon vor allem Personen zu finden sind, die zu der Weimarer Stadtentwicklung einen Beitrag geleistet haben. Aber hier folgt der Herausgeber Ulrich Völkel wohl eher dem Symbol Weimar als dem Ort.

Goethe und Weimar

Es ist fast unvermeidbar, dass Goethe das Zentrum des Buches ist. Zu bedeutend ist seine Rolle in der Weimarer Stadtgeschichte, und nicht zuletzt seinem Wirken ist es zu verdanken, dass Weimar über Jahre eine große Anziehungskraft auf auswärtige Besucher ausübte. Der Eintrag zu Johann Wolfgang Goethe beginnt allerdings mit dem Hinweis, er sei im Jahr 1802 geadelt worden. Das ist ein Fehler, denn Goethe erhielt das Adelsdiplom bereits im Jahr 1782 – wie auch später im Text vermerkt ist. Hier ist den Herausgebern vermutlich eine Verwechselung mit Friedrich Schiller unterlaufen, der im Jahr 1802 geadelt wurde.

Viel Literaturgeschichte, aber wenig Weimarer Stadtgeschichte

Insgesamt ist der Artikel zu Goethe für Weimarinteressierte wenig aufschlussreich. Es ist viel über sein literarisches Schaffen zu lesen. Aber über sein Leben, den Sturm und Drang oder seine Werke gibt jedes Literaturlexikon ausreichend Auskunft. Deshalb drängt sich bei dem Eintrag zu Goethe – und bei anderen Artikeln – die Frage auf, warum die Autoren des Lexikons den Schwerpunkt nicht auf die Bedeutung der Person für Weimar gelegt haben. Wer ein Lexikon über Weimarer Persönlichkeiten aufschlägt und den Eintrag zu Goethe liest, ist vermutlich weniger an seiner literarischen Bedeutung als vielmehr an Informationen über seine Beziehung zu der Stadt Weimar interessiert. Und für die Residenzstadt war Goethes Beitrag in der Verwaltung oder als Leiter des Theaters sicherlich relevanter als seine Reise nach Italien. Wünschenswert wäre darüber hinaus ein wenigstens kurzer Abschnitt über das Verhältnis zu Goethe nach seinem Tod, immerhin ist er in der Stadt nach wie vor allgegenwärtig.

Kritik: Literaturangaben und Layout

Zudem ist bedauerlich, dass die Autoren des Lexikons auf Literaturangaben verzichtet haben. Dadurch wird nicht nur eine weitere Beschäftigung mit den Personen, sondern auch die Überprüfung mancher Angaben erschwert. Darüber hinaus ist das Buch zwar handlich, aber leider ist der Innenrand zu eng, daher lassen sich manche Einträge nur unter Mühen lesen.

Ein empfehlenswerter Reiseführer für Weimar

Dennoch ist das Buch besonders für Besucher der Stadt Weimar geeignet. Bei einem Bummel durch die Stadt können sie dank des Buches viele Ereignisse der Geschichte Revue passieren lassen und sich über die Namensgeber berühmter Häuser, Straßen und Plätze informieren. Besonders hilfreich ist hierbei das Verzeichnis am Ende des Buches, in dem Straßen und Plätze, die einen Namen tragen, aufgelistet sind. Dadurch erfährt der Weimarbesucher beispielsweise, dass Marlene Dietrich einst Musik in Weimar studierte, die Müllerhartungstraße nach dem Begründer der Weimarer Orchesterschule und der August-Bauderl-Platz nach einem SPD-Politiker und thüringischen Staatsminister aus Zeiten der Weimarer Republik benannt ist. Diese Informationen bereichern einen Besuch in der traditionsreichen Stadt – und hierfür ist ein Buch über Weimarer Persönlichkeiten letztendlich da.

Ulrich Völkel (Hrsg.): kleines lexikon Weimarer Persönlichkeiten. wtv 2009. Broschiert, 296 Seiten. Euro 19,90.

Sonja Hartl - Als freie Kritikerin, Autorin und Redakteurin lese, arbeite und lebe ich in Bonn.

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