Der Sommer 2010 war an den deutschen Kinokassen mäßig erfolgreich. Laut Branchenportal insidekino.com war der stärkste Film der Season ausgerechnet der dritte Teil der Teenie-Vampirreihe Twilight, „Eclipse – Biss zum Abendrot“ mit 3,6 Millionen Besuchern. Deutsche Filme fanden insgesamt zwar Anklang, aber keiner tat sich in den heißesten Wochen des Jahres besonders hervor. Wer Abwechslung zur Dauerbestrafung mit kindlichen Animationsfilmen und fragwürdigen Fantasy-Spektakeln à la „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ oder „Kampf der Titanen“ sucht, dem dürfte das Herbstprogramm aus Hollywood zusagen.
„The American“ und „Wall Street: Geld schläft nicht“: Stilsichere Thriller im Herbstkino
George Clooney hat Stil. Manchmal kann das aber zu viel sein. So in seinem neuen Thriller „The American“. In der Rolle des Auftragskillers Jack begibt sich der sympathische Hollywoodstar in ein beschauliches italienisches Dorf, um sich auf seinen neuen Auftrag vorzubereiten. Anton Corbijns Thriller ist visuell beeindruckend geraten. Die Drehorte sind gut ausgewählt und Clooney spielt den Killer, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, überzeugend. Problematisch ist nur, dass alles ein bisschen zu nett, zu friedlich geraten ist, um ernsthaft spannend zu sein. Trotzdem für gehobene Unterhaltung empfehlenswert. (Filmstart: 16. September 2010)
„Wall Street: Geld schläft nicht“
23 Jahre nach dem 80er Jahre Kassenknüller „Wall Street“ mit Michael Douglas in der Rolle des Börsengangsters Gordon Gekko hat Oliver Stone eine Fortsetzung inszeniert. Inspiriert durch die Finanzkrise von 2008 lässt er diesmal Gekko nicht als Feind, sondern als Anti-Helden agieren, der nach der Entlassung aus dem Gefängnis die Beziehung zu seiner Tochter retten will und vor der Finanzkrise zu warnen versucht. Shia LeBeouf („Transformers“-Filmreihe) spielt den Verlobten von Gekkos Tochter, ebenfalls ein Broker an der Wall Street, der in eigener Sache die Hilfe von Gekko benötigt, nachdem sein Mentor ermordet wurde. Thrill, Spannung und Action sind garantiert. Möglicherweise wird dies Oliver Stones Rückkehr zum ganz großen Kino. (OT: „Wall Street: Money Never Sleeps“; Filmstart: 21. Oktober 2010)
Horror im Herbstprogramm: „Resident Evil: Afterlife”, “Devil”
„Resident Evil: Afterlife“
Computerspielverfilmungen sind so eine Sache. Den wenigsten gelingt es, den Spielkick auf die Leinwand zu übertragen. Die „Resident Evil“-Reihe scheint allerdings ein Rezept gefunden zu haben, das funktioniert. Im mittlerweile vierten Teil tritt Milla Jovovich abermals als Kampfamazone Alice an. Nachdem fast die gesamte Menschheit dem T-Virus zum Opfer gefallen ist, das Menschen in Zombies verwandelt, ist Alice auf der Suche nach einer Heimstätte. Diese glaubt sie in L.A. zu finden, doch auch hier hat das Virus gewütet. Gemeinsam mit einigen Überlebenden rüstet sie sich gegen Albert Wesker, den Kopf der Umbrella Corporation, der maßgeblich für den Ausbruch des Virus verantwortlich ist.
Paul W.S. Anderson, Autor und Regisseur der Action-Horror-Reihe und Ehemann von Jovovich schuf den 4. Teil in 3-D. Dafür verwendete er James Camerons Fusion Camera System, das jener für die Dreharbeiten zu „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ konzipiert hatte. Herausgekommen ist der übliche Horror-Schwachsinn, der allerdings stilsicher inszeniert wurde. Für einen Abend mit Popcorn ist der Streifen bestens geeignet. (Filmstart: 16. September 2010)
„Devil“
M. Night Shyamalan, einstiger Kultregisseur von Filmen wie “The Sixth Sense” (1999) oder “Signs” (2002), ist mit späteren Produktionen beim Publikum in Ungnade gefallen. Mit dem Fantasyspektakel „Die Legende von Aang“, die derzeit im Kino läuft, versucht er einiges an Reputation wieder gut zu machen. Shyamalan ist aber nicht nur Regisseur, sondern schreibt auch Romane. In seiner Trilogie „The Night Chronicles“ verbindet er Übernatürliches mit alltäglichen Situationen. So auch in der Adaption des ersten Romans „Devil“, in der fünf Fremde in einem Fahrstuhl stecken bleiben. Einziges Problem: Einer von ihnen ist der Teufel in Menschengestalt und der hat nicht vor, auch nur eine Seele entkommen zu lassen. Ein klaustrophobes Angsterlebnis! (Filmstart: 25. November 2010)
Der alljährliche Slasher-Horror „Saw“, in dem die Protagonisten in tödliche Spiele verstrickt werden, darf natürlich auch nicht fehlen. Auf Grund des nachlassenden Interesses soll Teil 7 der letzte Film der Reihe sein und trägt den Titel „Saw 3D – Vollendung“. Wie könnte es auch anders sein. (Filmstart: 2. Dezember 2010)
Drama um „Facebook“ und Dilemma der Ex-CIA Agenten
„The Social Network“
Ein Film über das soziale Netzwerk Facebook scheint auf den ersten Blick merkwürdig und uninteressant. Man sollte dennoch einen zweiten Blick wagen. Unter der Regie von David Fincher („Sieben“, „Zodiac“) entstand ein Drama um die Gründung des Großkonzerns, die in einem Hinterzimmer in Harvard begann und Mark Zuckerberg zum jüngsten Milliardär der Welt werden ließ. Dass nicht alles problemlos verlief und Neider schnell zur Stelle waren, versteht sich von selbst. Mit an Bord sind Jesse Eisenberg („Adventureland“) als Mark Zuckerberg und Sänger Justin Timberlake. „The Social Network“ basiert auf Ben Mezrichs Roman „The Accidental Billionaires“ (2009). (Filmstart: 7. Oktober 2010)
„R.E.D.“
Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovich und Hellen Mirren agieren gemeinsam vor der Kamera. Das ist schon eine kleine Sensation für sich. Willis spielt Ex-CIA Agent Frank Moses, der nach seiner Pensionierung ein ruhiges Leben führen möchte. Dies wird allerdings gehörig durcheinandergebracht, als bewaffnete Attentäter aufkreuzen, die ihn liquidieren wollen. Um sich und seine Freundin zu schützen, ruft Frank seine alte Truppe zusammen. Gemeinsam versuchen sie die Hintermänner ausfindig zu machen. Der deutsche Regisseur Robert Schwentke sorgte bereits mit den Thrillern „Tattoo“ und „Flightplan“ für großes Kino. Hier hat er die A-Liste Hollywoods versammelt, um zynisch-derb Gas zu geben. (OT: „Red“; Filmstart: 28. Oktober 2010)
Fantasy mit Stil: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“
Für Harry Potter beginnt der Anfang vom Ende. Einen Monat nach dem Tod des Zaubermeisters Dumbledore begeben sich Harry, Ron und Hermine auf eine gefährliche Reise. Ihr Ziel ist es, die fünf Horkruxen, Teile von Lord Voldemorts Seele, zu vernichten, so dass dieser nie wieder die Herrschaft über die Zaubererwelt erlangen kann. In der Zwischenzeit haben die Todesser, Voldemorts Armee, die Kontrolle über die Zauberschule Hogwarts übernommen. Für Harry beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um Voldemorts totale Machtergreifung zu verhindern. Um noch einmal die Kassen ordentlich klingen zu lassen, teilte Warner Bros. den siebten und letzten Teil der Erfolgsreihe in zwei Filme auf. Die erste Hälfte von „Die Heiligtümer des Todes“ läuft im November an, die zweite folgt dann im kommenden Sommer. (OT: „Harry Potter and the Deathly Hollows“, Part 1; Filmstart: 18. November 2010)
Drei Wochen nach Harry Potter startet mit „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ der dritte Teil von C. S. Lewis beliebter Romanserie im Kino. Da der zweite Teil an der Kinokasse schwächelte, hatte sich Walt Disney Pictures aus der Finanzierung zurückgezogen. Dafür sprang 20th Century Fox ein. Die Aussichten sind gut, da „Die Reise auf der Morgenröte“ der erfolgreichste Roman der Reihe war. (Filmstart: 9. Dezember 2010)
