
- Meditative Nil-Fahrt - François Maher Presley
Es empfiehlt sich für eine Nil-Reise darauf zu achten, dass das ausgesuchte Kreuzfahrtschiff nicht länger als 18 Monate in Betrieb ist. Die in den Reisekatalogen mit “Fünf Sterne de Luxe” ausgezeichneten Schiffe entsprechen nicht internationalem Standard. Oft befinden sich die älteren Schiffe in sehr schlechtem Zustand, sind baufällig und die Hygiene ist schlecht. Da die Kabinen klein sind, sollte auf zu viel Gepäck verzichtet werden.
Nilfahrten von Kairo nach Assuan werden wenig oder gar nicht angeboten. Die Gefahr von fundamentalistischen Überfällen ist zu groß. So bleibt nur Luxor als Beginn des Gleitens auf dem Nil durch die Wüste an gigantischen ägyptischen Palästen und Tempeln vorbei.
Luxor - die Paläste
El Uqsor (Die Paläste) heißt die Stadt, seit die Araber sie eroberten. Zuvor kannten die Griechen den Platz als Thebai (nicht Theben). Das aus Lehmhütten bestehende Dorf Waset erlangte seine Bedeutung mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten durch Pharao Mentuhotep I., als Hauptstadt des neuen Mittleren Reichs. Da der hier übliche Gott Amun im Mittleren Reich zum Reichsgott, dem Sonnengott Re erhoben wurde, wurden Tempel, Säulenhallen und Kapellen von unvorstellbarer Größe und Schönheit errichtet. Neben dem Luxor-Tempel sind hier der Karnak-Tempel, das Tal der Könige mit 64 Pharaonen-Gräbern, das Tal der Königinnen, der Hatshepsut-Tempel, das Ramesseum, die Memmonskolosse und das kleine und interessante Luxor-Museum.
Märkte und Basare
Erschlagend wie das Ägyptische Museum in Kairo ist die verbale und körperliche Aufdringlichkeit der hiesigen Ägypter. Es lohnt sich der Besuch des Einheimischen-Basars, wo gute Stoffe zu kleinen Preisen angeboten werden. Edelsteine, Gold und Silber kauft man besser nicht. Die Edelsteine bestehen aus gefärbtem Glas, Goldfarbe verdeckt sonstiges Material, das Silber ist oft nur dünn versilbert. Die Reiseleitung erhält durchgehend auf alles Provisionen.
Dagegen ist eine Hochzeit auf der Straße im Armenviertel ein bleibendes Erlebnis. Das kostet nichts und dennoch wird man reichlich (Erlebniswert) beschenkt. Doch sollte man die Annahme von tatsächlichen Geschenken vermeiden, die verpflichten - das kann sehr teuer werden.
Tal der Könige
Auch im Tal der Könige, am Westufer des Nil, wurden die Pharaonen in Pyramiden beigesetzt. Hier sind es allerdings “natürliche” Bauten, denn, das war auch einer der Gründe, warum dieses Tal ausgesucht wurde, die Berge sind den Pyramiden gleich. Hier musste man nur noch die Gänge und Kammern in den Stein schlagen. Außerdem waren die Könige des Neuen Reiches Sonnenanbeter und hofften, von hier aus, im Westen geht die Sonne bekanntlich unter, eben diese in die Nacht zu begleiten, wenn sie in die Unterwelt ging, dem Reich der Toten, um dann am nächsten Morgen mit ihr wieder aufzuerstehen.
Esna mit dem Tempel des Chnum
Es geht nun Nil aufwärts an vielen Orten und schönen Tempelanlagen vorbei. Die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes Esna ist der Tempel des Chnum, der unter den Römern und Ptolemäern erbaut wurde und dem Schöpfergott Chnum geweiht ist. Dieser Prachtbau ist allerdings nur durch ein Kesseltreiben, also einen Basar-Weg vom Hafen bis zum Tempel zu erreichen.
Edfu: Horus Tempel
In Edfu findet man den größten und einen der besterhaltenen (Horus) Tempel Ägyptens mitten im Ort, umgeben von den Hütten und Häusern der Einwohner, die allerdings ausschließlich als Schlepper ihr Geld verdienen.
Abu Simbel in der Wüste
Um nach Abu Simbel zu gelangen (280 km südlich von Assuan durch die Wüste), muss man in unerträglicher Hitze in Kolonne durch Militär bewacht eine grauenvolle Fahrt zurückzulegen, um dann allerdings vor einem Bauwerk zu stehen, das an Schönheit, Größe, Inhalt und Aufwand alles vergessen lässt. Dennoch sollte man besser fliegen.
Der Gott-Mensch Ramses II.
Ramses II. ließ dort einen sagenhaften Tempel erbauen, der heute auch als das Wahrzeichen Ägyptens gilt. Die davor thronenden Kolossalfiguren zeigen den Pharao in vier Phasen seines Lebens, vom jungen bis zum alten Mann. Der Ausdruck der sich verändernden Gesichter ist überwältigend, die gesamte Innenanlage mit den verschiedenen Götterstatuen und der des Pharaos, die Wandmalereien und Räume und deren Gestaltung fasziniert und macht einem erst den Begriff “Erbe der Menschheit” wirklich deutlich.
Ramses II. wollte mit diesen Tempelanlagen seine Herrschaft über das ganze Ägypten und über Nubien deutlich machen, zeigt sich hier erstmals als Gott, neben dem von Ober- und Unterägypten, neben dem der Finsternis. Am 21. Februar und am 21. Oktober eines jeden Jahres scheint die Sonne derart in den Tempel, dass einmal die “drei” Götter im Glanz erstrahlen (nicht der Gott der Finsternis), einmal erleuchtet die Statue des “Gottes” Ramses II. allein.
Königin Nefertari
Eine kleinere, rechts neben der seinigen stehende Anlage ist seiner großen Liebe Nefertari gewidmet. Die Darstellungen Nefertaris überstrahlen die der anderen sechs weiteren Hauptfrauen des Königs, der über sie schrieb: “Schon im Vorbeigehen hat sie mein Herz gestohlen”.
Diese Tempelanlage drohte, wie einige andere im aufgestauten Nil zu versinken, ein Ergebnis des Staudammes, der große Stolz Ägyptens, doch konnte die Weltgemeinschaft mit großem Aufwand an Geld, Menschen und Material die Tempelanlagen abbauen und genauso an höherer Stelle wieder aufstellen. Ähnlich taten es die Deutschen mit einer kleineren Tempelanlage.
Das Old Cataract Hotel und Agatha Christie
Erschöpft von den Sehenswürdigkeiten, denn auch Assuan ist ein Wunderwerk der Geschichte, und von der Hitze (im Sommer bis 50 Grad) muss man sich einen Fruchtcocktail oder ein Tässchen Tee im Old Cataract Hotel zukommen lassen und kann in dem angeblich besten Hotel Ägyptens sich auf die Spuren der Agatha Christie begeben, die Blicke über einen der vielen neuen Seen gleiten lassen, vorbei an alten Ruinen nubischer Ortschaften, hin zum Mausoleum von Aga Sir Sultan Mohammed Shah (Aga Khan), der sich hier am “schönsten Fleck der Erde” 1957 beisetzen ließ und in dem Roman „Tod auf dem Nil“ blättern.
