In einer kleinen Gasse namens "Steinweg", die in Köln zwischen dem Marsplatz und der Bolzengasse liegt, war zwischen den Hausnummern 7 und 11 ein Relief zweier Steinfiguren zu finden. Zur Zeit sind sie dort nicht mehr aufzufinden, da länger anhaltende Bauarbeiten an jener Stelle begonnen haben. Da der Fund dieser seinerzeit weder weitere Aufschlüsse über den Grund ihres Vorkommens noch über ihre Herkunft preisgab, entstand eine Sage über sie: Die Sage über die Steinefrau und den Steinemann oder, wie es in Köln gesagt wird, Dä steine Mann un de steine Frau.
Was die Legende besagt
Während Käthe eine Gastwirtschaft betrieb, hatte sich ihr Ehegatte Hans zur Ruhe gesetzt. Er verbrachte die Zeit, in der Käthe ihre Gäste bediente, mit Faulenzen und Schnapstrinken in ihrer Stube. Eines Abends entdeckte er ein Fass mit Schnaps gefüllt, welchem er nicht widerstehen konnte. So kam es, dass Käthe ihren Mann nach Schließen der Gaststätte schlafend auf dem Boden fand, nicht weit entfernt von dem nun um einiges leichteren Fass. Hierüber gerieten beide in eine heftige Auseinandersetzung, die Käthe mit den Worten "Eh' du von mir noch ein einziges Mal ein Glas Schnaps bekommst, da will ich lieber zu Stein werden. Gott sei mein Zeuge" beendete. Hans erwiderte dies mit der Aussage: "Eh' dass ich in meinem Leben noch ein einziges Mal ein Glas Schnaps von dir annehme, da will ich lieber zu Stein werden."
Die Anspannung verflog auch die nächsten Monate nicht: Während Käthe sich das Schnapsfass umschnallte, um es von Hans fernzuhalten, hoffe Hans vergeblich darauf, dass ein Gast ihm einen Schnaps ausgäbe. Das erklärte das Wegbleiben der Stammgäste und eine noch gereiztere Käthe. Es entstand also wieder ein Konflikt, der dazu führte, dass Hans seine Rüstung wieder anzog und Käthe verlassen wollte, in dem Glauben, im Krieg, in welchem er zuvor gekämpft hatte, sei es angenehmer als in einem Haus mit Käthe. Um ihren Mann bei sich zu halten, schüttete Käthe zwei Gläser Schnaps ein und stieß mit ihrem Mann an. Beim zweiten Anstoßen versteinerten beide, denn bei ihrem Versprechen war Gott Zeuge. Man soll also kein Versprechen geben, was man nicht halten kann und niemals "nie" sagen.
Einmal im Jahr, so sagt man, nämlich in der ersten Stunde jedes neuen Jahres, erwachten beide zum Leben und gingen durch Kölns Straßen, bis im zweiten Weltkrieg ihr Haus zerstört wurde und Steine Mann als verschollen gilt. Steine Frau wurde anschließend ins Depot des Stadtmuseums transportiert. Vielleicht ist der Steine Mann aber doch noch in irgendeinem Gerümpel vorhanden und trifft einmal jährlich seine Frau. So überwand ihre Liebe nicht nur die Versteinerung, sondern auch den Tod.
Was die Forschung besagt
Durch Untersuchungen wurde herausgefunden, dass der "Steine Mann" anfangs alleine war und den Ritter Heinrich von Gürzenich darstellte. Das erste Mal wurde sie im 13. Jahrhundert erwähnt. Nach 1570 wurde seine Begleitung, eine Marketenderin aus Holz, hinzu gestellt, welche aufgrund ihrer Farbe oft für eine Steinfigur gehalten wurde.
Quellen:
Dä steine Mann un de steine Frau
Plum, Yvonne: Sagen und Geschichten aus Köln. Bachem: Köln 2009
