Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder in der gesichtslosen Lady-einen-Gaga-machenden Austauschspopmusik, bei der man manchmal dem Pop ein zweites „o“ gönnen möchte, um wenigstens ansatzweise eine Standortbestimmung durchführen zu können. Eines dieser Zeichen und Wunder ist das Debütalbum „Broken Uncle’s Inn“ der jungen Italiener „Voodoo Highway“, die den Hörer auf wundersame Weise in jene Zeit der Rockmusik zurückbringen, als diese noch jede Menge oben angedeuteten Popo in den Schlaghosen hatte.

Bereits im Intro beginnt die Zeitreise in die 1970er Jahre

Kann man ein Intro – die normalerweise fürchterlich überflüssig sind – treffender betiteln, als es „Voodoo Highway“ getan haben? „Intro (From 1972)“ führt den Hörer zurück in jenes glorreiche Jahrzehnt, das so viel wundervolle Hardrock-Musik hervorgebracht hat, und die konsequenten Anachronisten machen beim Opener „Till It Bleeds“ direkt mit einem „Highway Star“-artigen Schrei des Sängers Federico Di Marco genau in dieser Richtung weiter. Um das Zeitreise-Potpourri zu vervollständigen kommen Jon Lord-Gedächtnis-Hammondorgelklänge ebenso hinzu wie satt bratende, schön verzerrte Gitarrenakkorde. Hier sprüht die Lust am Rocken kilometerweise in den Himmel hoch, das macht Freude und Durst auf ein eiskaltes Bier! Die kommenden knapp 40 Minuten wecken Gedanken an ein saftiges Steak auf dem Grill, an Dieselgestank, Motorenöl und verschwitzte Hemden. Anders ausgedrückt: Das macht einfach nur Spaß!

„Broken Uncle’s Inn“ von „Voodoo Highway” – ein wohltuender Anachronismus

Gespannt hört man weiter. Beim nächsten Song „The Fire Will Burn Away“ ertönen dann noch „The Hellacopters“-artige Honky-Tonk-Pianoklänge im Hintergrund, die nur einen Schluss zulassen: Man möchte gar nicht mehr aufhören der Band auf die Schulter zu klopfen, dass sie es tatsächlich in den 2010er Jahren wagen, ein derartig anachronistisches Album zu machen. Es bleibt zu hoffen, dass eine Plattenfirma das Potential dieser Band erkennt. Massacre Records helfen ja immerhin schon bei der Promotion – ein vielversprechender Anfang!

Knappe Spielzeit als klare Hommage an die 1970er Jahre

Alles an dieser Platte riecht nach den 1970er Jahren, als die musikalische Welt zwar vielleicht noch nicht so vielfältig, dafür aber noch richtig innovativ war. Das setzt sich bis zur Spieldauer von unter 40 Minuten fort, denn schließlich war eine Vinylplatte auch kaum länger und man ertappt sich dabei, dass man gerne nach der Hälfte zum Plattenspieler gehen möchte, um die schwarze Scheibe zur zweiten Rotationsrunde zu schicken. Fehlt nur der ureigene Vinylsound, etwa ein leises Knistern zwischen den Songs oder an leiseren Stellen, um dieses Gefühl zur Perfektion zu bringen.

Perfekte und doch wunderbar eigenständige Kopie der großen Heroes

Die großen Heroes der Band kommen in jeder Sekunde dieser beeindruckenden Debütplatte an die Oberfläche. Seien es die Gitarre-Keyboard-Duelle in „J.C. Superfuck“, die Tatsache, dass in diesen kleinen Hit sogar noch ein kurzes Schlagzeugsolo eingebaut wurde oder auch das ordentlich rockende Gitarrensolo in „Window“ – man merkt einfach zu jedem Zeitpunkt, dass die fünf Jungspunde ihre Hausaufgaben gemacht haben und den Spirit der Siebziger perfekt in ihren Sound aufgesogen haben. Das Album macht schlicht und ergreifend wahnsinnig viel Spaß! Eigentlich ja auch kein großes Wunder, denn welcher Hardrock-Afficionado kann einer großartigen Hammond-Orgel wie in „Running Around“ oder einer beinahe auf „Soldier Of Fortune“-Niveau („Deep Purple“ auf dem Album „Stormbringer“) agierenden, völlig unkitschigen Ballade wie „Heaven With No Stars“ wirklich widerstehen?

Fazit zu „Broken Uncle’s Inn“ von „Voodoo Highway“

Zum Schluss lässt es sich eigentlich ganz einfach auf den Punkt bringen: Leider kriegen „Deep Purple“ heutzutage solche Platten nicht mehr hin – wie gut ist es da denn, wenn die junge Garde an hart rockenden Musikern mit einem großartigen Händchen für feine Melodien und gute Songstrukturen bereits Gewehr (respektive: Gitarre) bei Fuß steht! Macht Lust auf die nächste Großtat aus bella Italia!

Produktionsdaten und Tracklist "Broken Uncle’s Inn" von "Voodoo Highway" (2011)

Produktionsdaten:

  • Veröffentlichungsjahr: 2011
  • Line-Up: Federico Di Marco (vocals), Matteo Bizzarri (guitar), Alessandro Duò (organ), Filippo Cavallini (bass), Lorenzo Gollini (drums)
  • Songzahl: 10, Dauer: 39:06 Minuten
  • Produzent: Luca Magni
  • Aufnahmeort: Sonika Studios, Ferrara/Italien
  • Label: Eigenvertrieb
  • Promotion/Management: Rock N Growl
Tracklist:

  1. Intro (From 1972)
  2. Till it Bleeds
  3. The Fire will Burn away
  4. J.C. Superfuck
  5. Window
  6. Running around
  7. Broken Uncle’s Inn
  8. Heaven with no Stars
  9. Gasoline Woman
  10. In Fact it’s the Worst
Filippo Cavalini über die Anfangstage von „Voodoo Highway“ .

Filippo Cavalini u.A. über den Okkult-Rock-Boom.