
- XI. Olympische Winterspiele in Sapporo - IOC
In der Mittagszeit des 3. Februar 1972 eröffnete der japanische Kaiser Hirohito im Beisein von IOC-Präsident Avery Brundage vor 54.000 Zuschauern im Makomanai-Eisstadion von Sapporo die Spiele der XI. Winterolympiade. Mit je drei Goldmedaillen waren Galina Kulakowa aus der damaligen UdSSR, die in allen Langlaufdisziplinen siegte, sowie der niederländische Eisschnellläufer Ard Schenk die erfolgreichsten Sportler der Winterspiele. Die Athleten der Bundesrepublik errangen dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze, die DDR war erfolgreicher und holte viermal Gold, dreimal Silber und siebenmal Bronze.
Für einen Skandal sorgte im Vorfeld der Spiele der österreichische Skirennläufer Karl Schranz, der vom Internationalen Olympischen Komitee wegen Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen gesperrt wurde.
Biathlon – Magnar Solberg und die UdSSR-Staffel wiederholten ihre Triumphe von Grenoble 1968
Der Norweger Magnar Solberg holte sich die Goldmedaille über 20 Kilometer vor Hansjörg Knauthe aus der DDR und Lars Arwidson aus Schweden. Die beiden bundesdeutschen Teilnehmer, Josef Niedermeier und Theo Merkel, kamen auf die Plätze 35 und 38. In der 4 x 7,5-Kilometer-Staffel siegten die Skijäger aus der UdSSR mit fast drei Minuten Vorsprung vor Finnland und der DDR. Eine Staffel aus der Bundesrepublik war nicht am Start.
Bob – Gold, Silber und Bronze für westdeutsche Piloten
Im Zweierbob-Wettbewerb siegte Deutschland II mit Wolfgang Zimmerer und Peter Utzschneider vor Deutschland I mit Horst Floth und Pepi Bader sowie Schweiz I mit Jean Wicki und Edy Hubacher. Im Viererbob holte Wolfgang Zimmer mit seiner Mannschaft die zweite Medaille – Bronze hinter den siegreichen Schweizern und dem Bob Italien I.
Eishockey – Favorit UdSSR wurde zum vierten Mal Olympiasieger
Am olympischen Eishockeyturnier nahmen elf Mannschaften teil – die UdSSR, die Tschechoslowakei, Schweden, Finnland, die Bundesrepublik Deutschland, die USA, Jugoslawien, die Schweiz, Polen und Norwegen. Die DDR verzichtete auf einen Start. Außer Weltmeister UdSSR mussten die anderen zehn Mannschaften in eine Ausscheidungsrunde. Die Verlierer spielten untereinander die Plätze Sieben bis Elf aus. Die Gewinner kamen in die Finalrunde, in der die UdSSR mit vier Siegen und einem Unentschieden Olympiasieger vor den USA und der Tschechoslowakei wurde. Die deutsche Mannschaft verlor das Ausscheidungsspiel gegen Polen mit 0:4, sicherte sich jedoch danach Platz Eins in der B-Gruppe. Stürmer Alois Schloder vom EV Landshut wurde nach dem 6:2-Sieg gegen Jugoslawien zunächst wegen Dopings gesperrt, einen Tag vor der Weltmeisterschaft im April 1972 in Prag jedoch berechtigterweise rehabilitiert.
Eiskunstlauf – drei Medaillen für die UdSSR
Gold bei den Herren sicherte sich Ondrej Nepala aus der Tschechoslowakei, Silber ging an Sergej Tschetweruchin aus der UdSSR, Bronze an Patrick Péra aus Frankreich. Die Österreicherin Beatrix Schuba gewann die Damen-Konkurrenz vor Karen Magnussen aus Kanada und Janet Lynn aus den USA. Der Paarlauf-Wettbewerb war eine Domäne der Ostblock-Sportler: Irina Rodnina mit Partner Alexej Ulanow aus der UdSSR wurden Olympiasieger, Platz Zwei ging an Ljudmilla Smirnowa/Andrej Suraikin, ebenfalls UdSSR, Rang Drei an Manuela Groß/Uwe Kagelmann aus der DDR.
Eisschnelllauf – zweimal Gold für bundesdeutsche Kufenflitzer
Drei der vier Disziplinen bei den Herren (1.500, 5.000 und 10.000 Meter) dominierte Ard Schenk aus den Niederlanden. Über 500 Meter wurde Erhard Keller zum zweiten Mal nach 1968 Olympiasieger. Bei den Damen siegten Anne Henning aus den USA über 500 Meter, die 17-jährige Monika Pflug über 1.000 Meter, Dianne Holum aus den USA über 1.500 Meter und die Niederländerin Stien Baas-Kaiser über 3.000 Meter.
Ski Alpin – dreimal Gold für die Schweiz
Den Slalom der Herren gewann der Spanier Francisco Fernández Ochoa vor den beiden Südtirolern Gustav und Roland Thöni. Christian Neureuther belegte Rang Elf. Gustav Thöni dominierte den Riesenslalom. Die beiden Schweizer Edmund Bruggmann und Werner Mattle holten Silber und Bronze, bester Deutscher war Max Rieger auf dem sechsten Rang. Im Abfahrtslauf gab es einen Doppelsieg der Eidgenossen: Platz Eins für Bernhard Russi, Platz Zwei für Roland Collombin. Der Österreicher Heinrich Messner wurde Dritter.
Erfolgreichste Athletin bei den Damen war die Schweizerin Marie-Theres Nadig, die sowohl Gold im Riesenslalom als auch in der Abfahrt gewann. Zweite in beiden Disziplinen wurde Annemarie Moser-Pröll aus Österreich vor ihrer Landsfrau Wiltrud Drexel im Riesenslalom und der Amerikanin Susan Corrock in der Abfahrt. Die Deutsche Rosi Speiser belegte hier zweimal den fünften Platz. Den Slalom gewann Barbara Cochran aus den USA vor den beiden Französinnen Danièle Debernard und Florence Steurer.
Ski Nordisch – erste Medaillen für Japan bei Winterspielen
Den 15-Kilometer-Langlauf der Herren gewann der Schwede Sven-Ake Lundbäck. Über 30 Kilometer war Wjatscheslaw Wedenin aus der UdSSR erfolgreich, über 50 Kilometer Paal Tyldum aus Norwegen. In der 4 x 10-Kilometer-Staffel siegte die UdSSR vor Norwegen und der Schweiz.
Im Spezialsprunglauf, wie das Skispringen seinerzeit noch genannt wurde, gab es von der 70-Meter-Schanze den totalen Triumph für die Gastgeber: Gold für Yukio Kasaya, Silber für Akitsugu Konn und Bronze für Seiji Aochi. Das Springen von der 90-Meter-Schanze gewann der Pole Wojciech Fortuna vor Walter Steiner aus der Schweiz und Rainer Schmidt aus der DDR. Olympiasieger in der nordischen Kombination wurde Ulrich Wehling aus der DDR, obwohl er weder das Springen noch den anschließenden Langlauf für sich entschied. Silber ging an Rauno Miettinen aus Finnland, Bronze an Karl-Heinz Luck aus der DDR.
Den 5- und 10-Kilometer-Langlauf der Damen gewann Galina Kulakowa aus der UdSSR, die auch mit der 3 x 5-Kilometer-Staffel ihres Landes erfolgreich war.
Rodeln – Acht von neun möglichen Medaillen für die DDR
Die Rodelwettbewerbe entwickelten sich zu einer einseitigen Angelegenheit für die Ostdeutschen. Im Einsitzer der Herren siegte Wolfgang Scheidel vor Harald Ehrig und Wolfram Fiedler. Im Doppelsitzer wurden zwei Goldmedaillen vergeben, da sowohl Horst Hörnlein/Reinhard Bredow als auch die Italiener Paul Hildgartner/Walter Plaikner auf die Hundertstelsekunde zeitgleich ins Ziel kamen. Das veranlasste den Rodel-Weltverband, die Zeitmessung auf die Tausendstelsekunde auszuweiten. Die Bronzemedaille ging an das Doppel Klaus Bonsack/Wolfram Fiedler. Bei den Damen gewann Anna-Maria Müller vor Ute Rührold und Margit Schumann.
Am 13. Februar 1972, 19:42 Ortszeit, erlosch die olympische Flamme. Auf der Anzeigentafel in der Makomanai-Eishalle war zu lesen: „We meet again in Denver ’76“. Nach erfolgreichen Protesten von Olympiagegnern im US-Bundesstaat Colorado wurden die XII. Olympischen Winterspiele in einer zweiten Entscheidung jedoch an Innsbruck vergeben.
Quelle:
Werner Schneider: Die olympischen Spiele 1972
