Vorboten des Rücktritts: Guttenbergs Homepage ohne Stellungnahme

Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg - www.zuguttenberg.de
Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg - www.zuguttenberg.de
Was Anhänger noch „Befreiungsschlag" nannten, scheint zu Guttenberg selbst nicht mehr präsentabel genug: Seine Stellungnahme wurde von der Homepage entfernt

Mit dem am vergangenen Freitag (18. Februar) inszenierten Kurzauftritt vor mehr oder weniger zufällig wartenden (und nicht ausgewählten) Kameraleuten glaubte Karl-Theodor zu Guttenberg, sich einen Gefallen getan zu haben. Er verlas eine Stellungnahme, während in der Bundespressekonferenz die Medienvertreter sich von dürren Worten des Sprechers Moritz abspeisen lassen mussten. Über das Wochenende traf den Minister nun das geballte Echo. Er muss sich vorhalten lassen, sowohl taktisch unklug und in der Sache selbst unaufrichtig gewesen zu sein. Seine Stellungnahme vom Freitag erweist sich als Makulatur. Wohl deshalb ist sie auch nicht mehr auf seiner Homepage zu finden, wo sie noch bis gestern als erstes zu sehen war.

Zu Guttenberg spielt den Zerknirschten

Am Montag noch hatte zu Guttenberg den Zerknirschten gespielt. Auf einer Veranstaltung der CDU Kelkheim, Hessen, ließ er wissen, dass er Blödsinn gebaut habe und dass peinliche Fehler gemacht worden seien. In der Stellungnahme las sich das noch ganz anders, wesentlich offensiver: „Meine Dissertation ist kein Plagiat“, stand dort zu lesen. Doch genau wie auf dem Flur des Verteidigungsministeriums war auch auf der Veranstaltung in Südhessen von echter Reue nichts zu erkennen: Seine Körpersprache während der Stellungnahme ist mittlerweile mehrfach beschrieben; und dass er auf einer Veranstaltung der CDU die Flucht nach vorne antritt, kann nur gutheißen, der gewillt ist, ihm alles zu verzeihen – ohne genau hinzuhören, was der Minister wieder einmal sagt beziehungsweise nicht sagt.

Wer reumütig ist, sollte es tunlichst unterlassen zu beißen. Genau das aber hat zu Guttenberg sich nicht verkneifen können. So bittet er auf der Veranstaltung in Hessen um Verzeihung all jene, denen er Schmerzen zugefügt habe; er erbitte sie, so sagt der Minister, mit der ihm von seinen Widersachern „abgesprochenen“ Demut. Da reckt sich noch einmal das arrogante Haupt, bevor die Klinge fällt: die ihm abgesprochene Demut! Wie weh muss ihm selbst das getan haben. Aber ein Gang nach Canossa ist das noch immer nicht.

Zu Guttenberg: sein Verhalten wirkt scheinheilig

Auch seine vordergründig generöse Geste kann nicht täuschen: Einen Doktotitel gibt man nicht zurück – er kann einem nur genommen werden. Erneut nichts anderes als scheinheilig, wenn man Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter von der Universität Mainz richtig versteht. Laut zeit.de sagte Falter, Guttenberg habe mit seiner Äußerung nur der Entscheidung der Universität Bayreuth zuvorkommen wollen, „weil er wohl mit der Entziehung des Doktortitels rechnet. … Zurückgeben kann man einen Doktortitel nicht.“ Und der Wissenschaftler hebt hervor: „Man kann sich nicht entpromovieren.“

Nun also ist die Stellungnahme bereits von der Homepage des Noch-Ministers verschwunden. Anzeichen dafür, dass man sich nicht mehr mit ihr identifizieren mag? Klugerweise hat zu Guttenberg in der Stellungnahme darauf verzichtet zu behaupten, die Dissertation sei von ihm. Er sagt: „Sie ist entstanden.“ Der, man darf mit Fug und Recht annehmen, von materiellen Sorgen freie Doktorand zu Guttenberg fischt nach Verständnis mit Mitleidsfloskeln: Er war der junge Familienvater, die Arbeit entstand neben seiner Berufs- und Abgeordnetenzeit (man fragt sich: wo liegt der Unterschied?) – es dürfte in der Bundesrepublik weit mehr Menschen geben, die unter schwierigeren Bedingungen ihren Abschluss machen mussten als ein Adliger. Nein, zu Guttenberg hat viel Sympathien verspielt, die ihm seit seinem Amtsantritt begleitet hatten, die ihm wie von selbst zugeflogen waren. Wer hoch steigt, kann tief fallen. Die Stellungnahme ist bereits abgesägt, der Stuhl wackelt.

Johannes Flörsch, Johannes Flörsch

Johannes Flörsch - Johannes Flörsch (Jahrgang 1956): Nach einer Bankkaufmannslehre, nach dem Studium der klassischen Gitarre am Konservatorium ...

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