Vorlesung mit Werbeunterbrechung

Guerilla Marketing transportiert die Werbebotschaft auf eher unkonventionelle Weise, etwa durch das Unterbrechen einer Vorlesung an der Universität.

Wer auf dem Sofa sitz und fernsieht, kennt die Situation: Plötzlich wird der Ton unerträglich laut und die Bilder schneller und bunter. Werbung eben. Aber dass das auch im Hörsaal passieren kann, ist neu. Trotzdem ist Studierenden der Uni Köln genau das passiert. Die Tür flog auf, ein Plüsch-Monster stürmte den Saal, Menschen mit Werbeaufdruck-T-Shirts folgten und fingen das Monster wieder ein. Zwischendurch wurde fast noch der Dozent mit dem mitgebrachten Netz gefangen, aber dann wurde er doch noch rechtzeitig als das „falsche Monster“ erkannt.

Lustig?

Die anwesenden Teilnehmer der Vorlesung sind sich uneinig, ob die ganze Aktion lustig war oder nicht. Sie sind sich sogar noch nicht einmal einig, wie lange die ganze Sache gedauert hat. Zwischen drei und zehn Minuten schwanken die Aussagen der Augenzeugen. Einige fanden die Unterbrechung überraschend und unterhaltsam. Andere nicht. Und da die Anwesenheit in dieser Vorlesung freiwillig und der Hörsaal trotzdem gut besetzt war, kam es zu vielen empörten Reaktionen. Indiskutabel und überhaupt nicht lustig fand es die Universität Köln. Sie wurde über diese interaktive Werbeaktion, die sogar gefilmt wurde, nicht informiert, geschweige denn um Erlaubnis gebeten. Dabei hat die Universitätsleitung das Hausrecht und hätte eine solche Sache sofort verboten, um den Lehrbetrieb nicht zu stören. Im Nachhinein dachte man über rechtliche Schritte nach. Aber mittlerweile haben sich sowohl die Agentur, die diese Werbeaktion organisiert und umgesetzt hat, als auch der Betrieb, der sein Produkt bewerben wollte und das Konzept für die Aktion entwickelt hat, bei der Universität entschuldigt.

Vorlesungen sind nicht so spannend

Der Vorstand der organisierenden Agentur United Ambient Media AG Stefan Wasmuth sagt, das seine AG Werberechte an etwa 100 Deutschen Universitäten habe, und 99,9 Prozent der Aktionen, die sie starten, mit Genehmigung stattfinden. Wie eine ungenehmigte Aktion passieren konnte, werde im Moment noch intern recherchiert.

Die Süddeutsche zitiert eine namenlos bleibende Mitarbeiterin mit den Worten: „Ich glaube aber nicht, dass sich jemand gestört gefühlt hat. Vorlesungen sind ja meistens nicht so spannend.“ Wo dieses Zitat herkommt, kann Wasmut nicht erklären, aber das sei natürlich nicht die offizielle Stellungnahme des Unternehmens. „Vorlesungen sind selbstverständlich das Wichtigste und sollten nicht gestört werden.“

Versprochen ist versprochen

Da nun alle scheinbar eingesehen haben, dass solche Aktionen nicht im Sinne des Erfinders einer Universität sind, scheinen alle Wogen geglättet. Der Pressesprecher der Universität Köln, Dr. Patrick Honecker, weiß zu berichten: „Wir haben jetzt von der Agentur und der Firma das Versprechen, dass so etwas weder hier noch an einer anderen deutschen Uni jemals wieder stattfinden wird.“ Sollte das doch noch einmal vorkommen, behält sich die Uni Köln eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch vor. Also werden in deutschen Hörsälen voraussichtlich keine Monster mehr gejagt werden.

Werbung bleibt

Das heißt jedoch nicht, dass den Studierenden Werbung an der Universität gänzlich erspart bleibt. Viele Universitäten haben einen Werbevertrag mit einer großen Firma. Sie macht bundesweit Werbung an Hochschulen. Bisher beinhaltet das lediglich das Aufhängen von Plakaten und das Verteilen von Flyern. Damit verdient die Uni sich ein bisschen Geld. Da stellt sich die Frage wie viel Geld ein großes, begütertes Unternehmen einer Universität bieten muss, damit sie doch einknickt und Werbeunterbrechungen in ihren Hörsälen zulässt. Genauso hat es im Fernsehen schließlich auch angefangen.

Eva Rendl, Eva Rendl

Eva Rendl - Marcus Aurelius, römischer Kaiser: Es wäre dumm sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht ...

rss