Den Unternehmen in Thüringen fällt es zunehmend schwer, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Thüringen (VMET). Gemeinsam mit der Universität Erfurt, der TIBOR EDV-Consulting GmbH aus Weimar und der Eichenbaum GmbH aus Gotha wurde daher ein bundesweit einmaliges Modellprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Lernklima in den Betrieben zu verbessern.
Nicht alle Auszubildenden sind gleich. Neben dem Alter und der schulische Vorbildung beeinflussen auch kulturelle und soziale Hintergründe die individuellen Lernvoraussetzungen junger Menschen. Gleichzeitig reicht ein einfaches „Vormachen – Nachmachen“ nicht mehr aus, um die immer komplexeren Inhalte der Ausbildung zu vermitteln.
„Genau hier setzt das Modellprojekt ProfUnt an“, erläutert Tom Schröter. Er begleitet das Vorhaben als Projektmitarbeiter an der Universität Erfurt. ProfUnt, das steht für „Professionalisierung der Ausbildungsakteure/-innen in Thüringer Unternehmen“. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich ein Modellprojekt, das die Ausbilder selbst auf die neuen Herausforderungen am Lernort Betrieb vorbereiten möchte.
„ProfUnt“, so Schröter, „ist ein Workshop-Konzept. Wir möchten den Ausbilderinnen und Ausbildern zeigen, wie sie die Stärken und Schwächen von Bewerbern frühzeitiger erkennen und das Ausbildungsumfeld in Ihrem Unternehmen lernfreundlicher gestalten können.“
Die berufsbegleitende Qualifizierung des Bildungspersonals umfasst die Führung, Motivation, Ausbildung und betriebliche Integration von Auszubildenden. Außerdem werden Kenntnisse in der Qualitätssicherung der beruflichen Ausbildung und der Karriereplanung vermittelt. Workshops zur Jugendkultur sollen Verständnis für die Lebenswelten der Auszubildenden schaffen.
Von der Teilnahme am Modelprojekt ProfUnt profitieren Ausbilder und Auszubildende gleichermaßen. Die Gestaltung eines positiven Lernumfeldes und die Vermeidung von Konflikten im betrieblichen Alltag ermöglichen eine reibungslose und zielgerichtete Ausbildung. Zudem kommt es zu weniger Ausbildungsabbrüchen.
Seit November 2010 läuft das Modellprojekt. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) gefördert. Noch bis 15. Mai 2013 sollen das Konzept verbessert und die Workshops weiter entwickelt werden. Dann muss sich zeigen, ob die Thüringer Initiative erfolgreich war und weitergeführt werden kann.
Im Idealfall sollen die Erfahrungen aus Thüringen auf andere Bundesländer übertragen werden. Schon jetzt hat sich die positive Entwicklung des Modelprojektes über die Landesgrenzen herumgesprochen. So ist auch Tom Schröter vom Erfolg des Projektes überzeugt: „Das Interesse an ProfUnt ist groß“, freut sich Schröter, “inzwischen nehmen sogar Unternehmen aus Sachsen teil, obwohl das Projekt dort gar nicht beworben wurde.“
Weitere Informationen über das Modelprojekt ProfUnt und die aktuelle Umfrageergebnisse des VMET können im Internet auf www.profunt.eu nachgelesen werden.
