Es qietscht, als ob jemand eines dieser gelbes Badenwannenentchen schnell zusammengedrückt und wieder losgelassen hätte. Doch das ist es nicht. Was Förster Peter Lemke in der Hand hält, ist eine Art Rehbock-Anlock-Gerät. Unweit des Rothaarsteiges ist er unterwegs, in seinem Revier in Hilchenbach im Siegerland, auf der Jagd nach Rehböcken. "Das ist gerade die Phase, in der das Rehwild in der Brunft ist, und das ist so der Monatswechsel von Juli zu August 14 Tage lang", erklärt er mit leiser Stimme. "Die weiblichen Rehe geben dieses Geräusch von sich und locken damit die Rehböcke an, die, koste es was es wolle, sich vollkommen auf dieses Geräusch und auf die paarungsbereite Ricke orientieren."
Den Anblick geniesen
So zumindest in der Natur. Förster Lemkes Liebesruf-Ersatz aus Plastik versagt heute. Wahrscheinlich liegt es nicht an dem Hilfsmittel, die Waldbesucher waren wahrscheinlich zu laut. Sollte auch ohne hörbares Locken einmal ein Bock durchs Unterholz schießen, empfiehlt Förster Lemke Wanderern Ruhe zu bewahren. "Man sollte ihnen freundlich nachschauen, man sollte ihnen aber nicht hinterlaufen, sondern einfach nur mal diesen herrlichen Anblick eines Stückes Wildes im Wald genießen", sagt er.
Weitaus gefährlicher geht es zu, wenn vielbefahrene Straßen in der Nähe sind. Besonders Straßen, die mitten durch den Wald führen, irritieren das Tier. Es fehlt die Wiese oder Weide, also offene Landschaft, als natürliche Grenze. Und da denkt der Bock, alles ist mein Revier. Doch das denkt auch der Mensch im Auto oder auf dem Motorrad. Und dann kracht‘s. So wie bei Herbert Heegmann. "Ich habe also diese Straße befahren und plötzlich sprang von rechts ein Reh aus dem Busch, mir vors Auto, ich hatte natürlich einen Riesenschaden, das Reh war sofort tot", erzählt der Wochenendausflügler aus dem Ruhrgebiet. Gerade in der Brunftzeit ein typischer Unfall. Die einzige Möglichkeit sie zu vermeiden, so Förster Lemke: "Wer mit Motorrad oder Auto unterwegs ist, sollte außerordentlich vorsichtig fahren und weit voraussschauend."
Förster oder Polizei benachrichtigen
Kommt es dann doch mal zu einem Zusammenstoß, muß auf jeden Fall die Polizei benachrichtigt werden. Die oder der zuständige Förster müssen nämlich bestätigen, dass bei dem Unfall tatsächlich ein Wildtier im Spiel war. Nur dann wird der Schaden von der Kaskoversicherung übernommen. Ist das Reh weg, finden sich keine Spuren von ihm am Auto oder in der Umgebung und auch kein Zeuge des Unfalls, geht ansonsten der Fahrer leer aus. Auch wenn kein Schaden am Auto zu sehen ist, könnte sich das Tier verletzt haben. "Und deswegen ist immer der richtige Weg über die Polizei. Die können dann den entsprechenden Jagdpächter verständigen der dann die Nachsuche vornimmt. Das ist einfach aus tierschutzrechtlichen Gründen erforderlich, dass man die Tier nicht einfach verletzt oder im Busch liegen lässt", erzählt Förster Lemke.
Totes Tier meist ungeniesbar
Ist das Tier tot, sollte man es auf keinen Fall in den Kofferraum legen und mitnehmen. Denn das ist WIlderei. Und außerdem schmeckt das Fleisch nicht - Fahrzeugreste und jäher Unfalltod haben es meist ungenießbar gemacht.
